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Drogen: Frankfurt bleibt Crack-Hochburg

Anfang der 2000er Jahre lag der Crack-Konsum unter den Drogenabhängigen in Frankfurt bei 84 Prozent. Heute scheint die Stadt an diesem Wert erneut nah dran zu sein. Dennoch ist Frankfurt mit seiner Drogenpolitik anderen deutschen Städten voraus.
Eine Drogenabhängige zündet sich eine Crack-Pfeife in einem Hauseingang an. Foto: Boris Roessler (dpa) Eine Drogenabhängige zündet sich eine Crack-Pfeife in einem Hauseingang an.
Frankfurt. 

Heino Stöver, Leiter des Instituts für Suchtforschung Frankfurt, und Bernd Werse, Mitbegründer des Centre for Drug-Research an der Goethe-Universität, stellten gestern den Fünften Alternativen Drogen- und Suchtbericht für Deutschland vor. Ein „Reservoire an guten Politikvorschlägen“, wie Stöver den Bericht nennt. Denn in der Drogenpolitik sei Deutschland noch immer ein Entwicklungsland.

Video: So kämpfen Junkies im Bahnhofsviertel gegen die Sucht:

Ein großes Problem in Deutschland sei die zunehmende Kriminalisierung der Konsumenten. Denn: „Die Politik sagt eigentlich, man will nicht die Konsumenten, sondern die Händler bestrafen“, so Bernd Werse. „Teilweise kommt es aber zu solch entwürdigen Praktiken wie dem Ausziehen und das Durchsuchtwerden, wenn die Leute gerade einmal an einem Joint gezogen haben.“ Das bringe die Strafverfolgung aber weder beim Drogenhandel noch beim Konsum weiter, so Werse. Zudem helfe es weder Personen mit weniger großen als auch mit größeren Suchtproblemen, bestraft zu werden und die Drogen immer wieder abgenommen zu bekommen, sagt Werse. So seien bei der Großrazzia im Bahnhofsviertel im April auch mehr Konsumenten als Dealer betroffen gewesen.

Positive Ausnahme

In vielen Belangen der deutschen Drogenpolitik sei Frankfurt allerdings eine positive Ausnahme. So gebe es zum Beispiel mit dem Drogenreferat nur in Frankfurt eine eigene Behörde, die sich mit dem Drogenkonsum in der Stadt befasse, sagt Werse. Die vier Drogenkonsumräume seien immens wichtig. Auch, weil Frankfurt zusammen mit Hamburg noch immer zu den Crack-Hochburgen in Deutschland zählt. „Durch die Konsumräume wurden, trotz einer enormen Zahl von Notfällen, viele Drogentodesfälle verhindert“, so Heino Stöver.

Der Drogentod sei in Deutschland vor allem dann ein großes Problem, wenn Abhängige in Haft kämen und nach einer gewissen Zeit wieder entlassen würden. Während unter den männlichen Inhaftierten etwa 30 Prozent Drogen konsumieren, sind es unter den Frauen in Haft schon 50 bis 70 Prozent. Oftmals gelänge es ihnen auch während ihrer Zeit im Gefängnis, weiterhin Drogen zu konsumieren, sagt Heino Stöver. Wenn nicht, würden 90 Prozent der Inhaftierten unmittelbar nach ihrer Entlassung rückfällig. „Sie feiern ihre Entlassung dann mit Drogen ab“, so Stöver. Ein großer Anteil der Drogentoten in Deutschland sterbe deshalb auch in den ersten 48 Stunden nach ihrer Haftentlassung. Daher müsse man nicht nur in den Gefängnissen bewusster mit dem Thema Drogenkonsum umgehen, sondern die Abhängigen auch besser auf ihre Haftentlassung vorbereiten.

Hoher Tabakkonsum

Ein weiteres Problem, zu dessen Lösung auch Frankfurt noch mehr beitragen könne, sei der Tabakkonsum. Bei der Anzahl von Rauchern liege Deutschland im Vergleich mit anderen europäischen Ländern ganz weit vorne, so Heino Stöver. Obwohl 85 000 Krebsfälle in Deutschland das Rauchen als Ursache haben, ist das Land der einzige EU-Mitgliedsstaat, in dem es kein Tabak-Werbeverbot gibt. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hatte ein solches Verbot bereits vor zehn Jahren gefordert. Mit 340 000 Zigarettenautomaten in Deutschland ist auch das Frankfurter Stadtbild von den Automaten geprägt. Hier stehe aber nicht allein die Bundesregierung in der Verantwortung. Die Stadt könne auch von sich aus Tabakwerbung verbieten und die Zahl der Zigarettenautomaten reduzieren, sind sich Stöver und Werse einig.

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