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Sybille Steinbacher vorgestellt: Frankfurt hat Deutschlands erste Holocaust-Professorin

Von Sybille Steinbacher ist Deutschlands erste Holocaust-Professorin. Die Historikerin leitet das Fritz Bauer Institut in Frankfurt und forscht seit einigen Wochen an der Goethe-Universität.
Die neue Holocaust-Forscherin Sybille Steinbacher zwischen Wissenschaftsminister Boris Rhein und Uni-Präsidentin Birgitta Wolff	F: Menzel Foto: Holger Menzel Die neue Holocaust-Forscherin Sybille Steinbacher zwischen Wissenschaftsminister Boris Rhein und Uni-Präsidentin Birgitta Wolff F: Menzel
Frankfurt. 

„Ich komme aus Bayern, aus der Gegend von Dachau“, erzählt Prof. Dr. Sybille Steinbacher. „Nach dem Abitur habe ich für die Süddeutsche aus dem Landkreis berichtet.“ Damals ging es um den Bau einer Jugendbegegnungsstätte und um einen langen Streit: Vergangenheitsbewältigung auf der einen Seite, auf der anderen Seite eine kleine Stadt, die es satt hatte, als Synonym für deutsche Verbrechen genannt zu werden.

Ein Lebensthema

Sybille Steinbacher blieb dem Thema treu. Die heute 50-jährige Historikerin hat ihr Forscherleben der NS-Zeit gewidmet, dem Holocaust. Seit 1. Mai ist sie Direktorin des Fritz Bauer Instituts in Frankfurt, verbunden mit einer neuen Professur: Steinbacher ist erste Inhaberin der ersten deutschen Professur, die explizit der Holocaust-Forschung gewidmet ist.

„Die Diskussion darüber gibt es seit 2014“, sagte Wissenschaftsminister Boris Rhein (CDU) gestern bei der Vorstellung Steinbachers. „Mehr als 70 Jahre nach der Shoa ist es höchste Zeit, einen Lehrstuhl für Holocaustforschung einzuführen. Es gibt solche Lehrstühle in den Niederlanden, in den USA, aber nicht in Deutschland.“ Das ändert sich jetzt. Dabei gibt es Forschung zum Holocaust und zum Dritten Reich en masse. Nur eben keinen Lehrstuhl. „Die Fragen sind, wie konnte es dazu kommen? Wie wirkt es bis heute? Was müssen wir tun?“, so Rhein, dessen Ministerium in diesem Jahr 525 000 Euro zum Fritz Bauer Institut und der Professur beisteuert.

Prof. Birgitta Wolff, Präsidentin der Goethe-Universität, wies auf die Geschichte des Campus Westend hin. „Es gibt hier Memorials. Aber es gab bislang noch keine Professur. Das hat sich geändert.“ Steinbachers Expertise sei auch gefragt beim Forschungsprojekt, in dem die Geschichte der Universität in der NS-Zeit erforscht werden soll.

Aber ist nicht längst alles erforscht, was man zu den zwölf Jahren zwischen 1933 und 1945 überhaupt erforschen kann? Mitnichten, sagt Sybille Steinbacher: „Die Forschung ändert sich, jede Generation muss sich das Thema neu erschließen.“ So haben Historiker in den 1950er Jahren nur mystisch vom Holocaust geraunt, während die Überlebenden der Lager ihre Erinnerungsbücher veröffentlichten. In den 1960ern begannen auch mit den Auschwitz-Prozessen des Staatsanwalts Fritz Bauer in Frankfurt fast erstmals die Fakten zu sprechen. Neues Quellenmaterial zu erschließen war seitdem die Kärrnerarbeit der Historiker, zuletzt in den 1990er Jahren mit Öffnung der Archive in Osteuropa.

In die Gesellschaft wirken

Das Fach hat sich aufgeteilt. Inzwischen gebe es vergleichende Genozidforschung, es gebe Gewaltforschung und anderes. „Wir müssen den Holocaust differenzieren. Keinesfalls darf es eine verinselte Spezialforschung sein, sondern sie muss in die Gesellschaft hineinwirken“, so die Holocaust-Professorin.

In den vergangenen sechs Jahren war Steinbacher Professorin an der Universität Wien. Künftige Forschungskooperationen mit Wien seien seitens des Fritz Bauer Instituts und des Lehrstuhls für Holocaustforschung erwünscht. „Ich bringe viele nationale und internationale Kontakte mit nach Frankfurt“, sagte Sybille Steinbacher. Gestern Nachmittag eilte sie gleich weiter ins Landgericht. Dort, an der alten Wirkungsstätte Fritz Bauers, wurde ein Saal nach ihm benannt.

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