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Letzte Ruhe: Frankfurt hat nun einen Trauerwald

Der Wald ist für viele ein Sehnsuchtsort. Auch für jene, die über ihren Tod oder darüber hinaus nachdenken. Darum eröffnete nun die Stadt auf dem Oberräder Friedhof Frankfurts ersten Trauerwald. Dort können Verstorbene unter Bäumen begraben werden und Hinterbliebene sich die Grabpflege sparen.
Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) und Thomas Bäder, Leiter des Friedhofsamts, stehen inmitten des Oberräder Trauerwaldes. Foto: Michael Faust Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) und Thomas Bäder, Leiter des Friedhofsamts, stehen inmitten des Oberräder Trauerwaldes.

In den Stadtwald kommen viele Frankfurter, um Ruhe zu finden und Erholung. Obwohl man hier in Oberrad der dauerdröhnenden Flugzeuge wegen die Großstadt nie ganz vergisst, bleibt der Wald doch ein Sehnsuchtsort. Auch für die allerletzte Ruhe. So sind im neu eingerichteten Trauerwald auf dem Oberräder Waldfriedhof schon in kürzester Zeit 29 Urnengrabstellen beim Friedhofsamt reserviert oder belegt worden.

„Für ein neues Angebot, das noch nicht sonderlich bekannt ist, ist das viel“, sagt Thomas Bäder, der Leiter des städtischen Friedhofsamts. Immer mehr Menschen wünschten sich Alternativen zu den klassischen Reihengräbern und Urnen hätten die Erdbestattung längst abgelöst. „73 Prozent der Toten werden in der Urne zu Grabe getragen“, sagt Bäder. „Und jedes Jahr steigt die Zahl um etwa ein Prozent.“ Viele suchen außerdem einen natürlicheren Ort oder wollten, wie Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) sagt, ihren Hinterbliebenen nicht die Arbeit und finanzielle Last für die Grabpflege aufbürden.

443 Gräber unter 47 Bäumen

Um diesen Bedürfnissen gerecht zu werden, eröffnete gestern das Frankfurter Grünflächenamt, zu dem auch die Friedhofsverwaltung gehört, den ersten städtischen Trauerwald. Meist seien es etwa zwölf Gräber pro Baum, sagt Bäder. Rund 7 500 Quadratmeter des 14 Hektar großen Oberräder Friedhofs am Rand des Frankfurter Stadtwaldes nimmt der Trauerwald ein. An 47 Bäumen sind insgesamt 443 Urnengrabstellen entstanden. „Wenn diese belegt sind, werden wir den Trauerwald problemlos erweitern können“, sagt Heilig. Lediglich ein Maschendrahtzaun müsse versetzt werden und an den entsprechenden Bäumen weitere der gold-silbernen Tafeln aufgestellt werden.

Diese ersetzen hier die Grabsteine. Mit schmalen Linien sind darauf die Plätze der Urnengräber markiert. Wenn es gewünscht wird, können hier die Namen und Lebensdaten der Beerdigten eingetragen werden. Das ist aber keine Muss. Der Rest ist Wald, Vogelgezwitscher – und Fluglärm.

Grabschmuck wie Blumen, Gestecke oder kleine Andenken ist an den Urnengräbern nur kurz nach der Beisetzung und zu Jahrestagen erlaubt. So solle der Waldcharakter erhalten bleiben, sagt Bäder. Kerzen seien schon wegen der Waldbrandgefahr untersagt. Mit der Waldatmosphäre bricht auch der kleine Andachtsplatz nicht. Das Rednerpult in der Mitte ist ein alter, gewaltiger Baumstumpf. Ansonsten läuft die Zeremonie bei einer Bestattung im Trauerwald wie bei anderen Beerdigung auch ab. Nach einer Andachtsfeier in der Trauerhalle – oder eben auf dem Andachtsplatz – wird die Urne zu Grabe gelassen. Auch die Preise für die Grabstellen seien ähnlich wie bei anderen Grabplätzen. 926 Euro zahlt man für die Bestattung und noch einmal 939 Euro für die verpflichtenden 25 Jahre, in denen das Grab genutzt wird. Eine Verlängerung sei jederzeit möglich, sagt Bäder.

Buchen, Eichen, Ahorn

Dass der Trauerwald gerade auf dem Oberräder Waldfriedhof angelegt wurde, liegt an der Nähe zum Stadtwald und an den Bäumen, die hier wachsen. Laut Bäder hat sich in anderen Städten gezeigt, dass Laubbäume bei Trauerwäldern beliebter sind als Nadelbäume. Das Friedhofsamt hat sich bei der Auswahl der Bäume, unter denen nun Grabstellen angelegt wurden, für typisch einheimische Baumarten entschieden, sagte Heilig. Es seien Buchen, Eichen und Ahorn. Schließlich wollen viele dort begraben werden, wo sie ein heimatliches Gefühl haben und so ihre letzte Ruhe finden können.

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