Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Laufsport - Alles rund um den Mainova Frankfurt Marathon ... Frankfurt am Main 8°C
6 Kommentare

Minderheiten jetzt Mehrheit: Frankfurt ist so bunt wie nie zuvor

Die Stadt ist so bunt wie nie, aber nicht alle leben hier gleich gut. Auf diese Formel lässt sich der Bericht zum „Frankfurter Integrations- und Diversitätsmonitoring“ bringen, den Stadträtin Sylvia Weber (SPD) gestern vorgelegt hat.
Frankfurt ist so bunt wie nie Bilder > Frankfurt ist so bunt wie nie
Frankfurt. 

Die Stadt ist so bunt wie nie, aber nicht alle leben hier gleich gut. Auf diese Formel lässt sich der Bericht zum „Frankfurter Integrations- und Diversitätsmonitoring“ bringen, den Stadträtin Sylvia Weber (SPD) gestern vorgelegt hat. Auf 205 Seiten und unzähligen Zahlen beschreibt er „ohne Romantik und ohne Wertung“ (Weber), wie die Güter und Chancen dieser Stadt in der Bevölkerung verteilt sind. Demnach sind Frankfurter, die einen Migrationshintergrund haben, inzwischen in der Mehrheit. Dennoch sind sie auf einigen Themenfeldern nach wie vor im Nachteil.

Bildungschancen

<span></span> Bild-Zoom


Insgesamt beackert der Bericht, der Grundlage für das weitere politische Handeln und den Aufbau von fördernden Strukturen sein soll, sieben verschiedene Themenfelder: Rechtliche Situation, Sprachbeherrschung, Bildung, Arbeit, Wohnsituation, Einkommen und die Zugänglichkeit der Verwaltung. Vor allem aus den Zahlen zum Arbeitsmarkt, zur Einkommens- und zur Wohnsituation lassen sich strukturelle Nachteile für Ausländer und Migranten ablesen: Sie verdienen in der Regel weniger, zahlen höhere Mieten und sind häufiger arbeitslos.

Diese Befunde hängen eng zusammen mit der Verteilung der Bildungschancen. Wobei hier ein positiver Trend erkennbar ist: Der Anteil der jungen Menschen, die ganz ohne Schulabschluss bleiben, ist in allen Gruppen deutlich gesunken. Bei den höheren Bildungsabschlüssen haben die Frankfurter mit Migrationshintergrund aber weiterhin Nachholbedarf, ihr Anteil unter den Abiturienten spiegelt längst nicht die sonstige Bevölkerungsverteilung wider. „Es gibt noch jede Menge Verbesserungsbedarf“, konstatierte Stadträtin Sylvia Weber, die auch für Bildung zuständig ist. Es gelte nun, die Ergebnisse des Berichts zu analysieren und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen.


Bevölkerungsverteilung und Rechtsstatus

<span></span> Bild-Zoom

Erstmals liegt der Anteil derjenigen Frankfurter, die einen Migrationshintergrund haben, über 50 Prozent. Das stadteigene Amt für Statistik und Wahlen sieht ihn bei 51,2 Prozent. Der letzte Mikrozensus kommt allerdings auf einen Bevölkerungsanteil von 44,7  Prozent, weil der Begriff des Migrationshintergrunds dort anders gefasst wird. Das Amt für multikulturelle Angelegenheiten hat für den Bericht nur auf regelmäßig erfasste Daten zurückgegriffen und Unterschiede wie den genannten stets säuberlich aufgeführt.
Integrationsdezernentin Sylvia Weber (SPD) vertraut in diesem Falle den städtischen Zahlen und schließt daraus: „Wir haben in Frankfurt relativ große Minderheiten, aber keine Gruppe, die eine eindeutige Mehrheit hat.“ An dieser Erkenntnis müssten sich die Forderungen an ein Zusammenleben neu ausrichten.

Der Anteil von Bewohnern mit ausländischem Pass liegt bei 28,6 Prozent, weit über die Hälfte von ihnen (61,3 Prozent, siehe Grafik unten) kommt aus EU-Staaten. Nur 0,7 Prozent der Ausländer sind zu Unrecht in der Stadt und sind rechtlich zur Ausreise verpflichtet. Zieht man noch Grenzfälle dazu, liegt der Anteil derjenigen, denen die Abschiebung droht, bei 3,5 Prozent. „Auch wenn die aktuelle Diskussion manchmal ein anderes Bild vermittelt: Der überwiegende Teil der Ausländer lebt legal hier und darf bleiben“, betont Weber.

Unterschiedliche Lebensformen

<span></span> Bild-Zoom

Betrachtet man die Lebensformen, ergeben sich sehr unterschiedliche Bilder, wenn man die Bevölkerung nach ihren Wurzeln aufteilt: Frankfurter mit Migrationshintergrund leben sehr oft zusammen mit Kindern (insgesamt 36,6 Prozent, siehe Grafik rechts). Von den Frankfurtern, deren Familien schon seit Generationen Deutsche sind, leben zwei von drei allein. Der Bericht liefert Begründungen für diese Verteilung: So ist unter Senioren häufig der Migrantenanteil geringer.

Auf der anderen Seite leben viele ausländische Studenten in der Stadt, die noch keine eigene Familie haben. Überrascht waren die Autoren und auch Integrationsdezernentin Sylvia Weber, wie die Anteile der Alleinerziehenden in beiden Gruppen ausfallen, unter den Eltern mit Migrationshintergrund ist er prozentual deutlich höher. „Das könnte ein Zeichen dafür sein, dass unter den Migrantinnen etwas in Bewegung ist, die Frauen sich emanzipieren“, so Weber. Ob das tatsächlich der Hintergrund sei, müsste man gesondert untersuchen. Zu diesem wie zu weiteren Ergebnissen des Berichts regen die Autoren tiefergehende Analysen an.

Zur Startseite Mehr aus Frankfurt

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse