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Willkommensfeier für Flüchtlinge: Frankfurt setzt ein Zeichen

Von Während die Verantwortlichen in Berlin wichtige Entscheidungen in der Flüchtlingskrise gestern erneut vertagt haben, hat Frankfurt mit seinem Willkommensfest in der Paulskirche ein deutliches Zeichen gesetzt.
Frankfurt. 

Es ist ein bewegender Moment: Die ganze Paulskirche – Flüchtlinge, Helfer, Politiker – erhebt sich und tanzt. Die Menschen klatschen in die Hände, schnipsen mit den Fingern, Eltern wirbeln ihre Kinder in der Luft herum. Afghanen, Syrer, Eriträer, Deutsche – allesamt verbunden durch die Musik. Der Auftritt der Balkan-Pop-Gruppe „Besidos“ – er war der emotionale Höhepunkt einer gelungenen Willkommensfeier, zu der 450 Flüchtlinge, 250 haupt- und ehrenamtliche Helfer sowie Gäste aus Politik und Gesellschaft eingeladen worden waren.

„Eine große Ehre“

Es war nicht nur das hochkarätige Programm mit viel Musik, das die Menschen in der Paulskirche an diesem Abend so fröhlich stimmte. Es waren auch die deutlichen Botschaften, die sie hörten. „Wir haben heute gespürt, dass wir in Frankfurt von ganzem Herzen willkommen sind. Getragen von diesem Gefühl glaube ich an unsere Zukunft in Deutschland“, sprach der Syrer Mashem Katnaji (37) vielen Flüchtlingen aus der Seele. „Die Einladung in die Paulskirche ist eine große Ehre für uns alle.“

Die historische Bedeutung dieses Ortes, sie ist den Flüchtlingen durchaus bewusst. Dennoch erinnerte Michel Friedman – gemeinsam mit Johnny Klinke, Initiator der Willkommensfeier – an die Werte, für die die Paulskirche steht: Freiheit, Menschenrechte, Religionsfreiheit und die Gleichberechtigung von Mann und Frau. Er selbst habe mit seiner Einbürgerung diesen Vertrag einst unterschrieben. „Vielleicht werden Sie das auch eines Tages tun. Ich freue mich auf Sie“, sagte er an die Flüchtlinge gerichtet. Natürlich: Deren Integration verlange den Deutschen einiges ab, räumte Friedman ein: „Ja, es ist anstrengend – aber wer sagt: ,Wir können das nicht‘, soll ehrlich sagen: ,Wir wollen das nicht‘ – denn wer will, der kann.“
Die Veranstaltung war auch ein Dankeschön an die vielen Ehrenamtlichen. Bild-Zoom Foto: Bernd Kammerer (.)
Die Veranstaltung war auch ein Dankeschön an die vielen Ehrenamtlichen.

Dass Frankfurt kann – für Oberbürgermeister Peter Feldmann, der zur Feier des Tages seine prunkvolle Amtskette angelegt hatte, steht das außer Frage: „Wir leben nicht erst seit gestern Vielfalt in dieser Stadt.“ 175 Nationen lebten hier friedlich zusammen, betonte Feldmann: „Ich bin stolz auf diese Stadt. Wenn andere in Europa über die Höhe der Grenzzäune diskutieren, laden wir Sie zu dieser Feier ein“, wandte sich der Oberbürgermeister an die Flüchtlinge. Den vielen Helfern, die in die Paulskirche gekommen waren, dankte Feldmann für ihr großes Engagement und ermunterte sie, sich auch weiterhin zu engagieren. „Wir brauchen ihre Hilfe auch in den nächsten Jahren.“ Nun gelte es, aus der Willkommens- eine Integrationskultur zu machen.
„Es ist toll, dass unsere Arbeit so geschätzt wird“, freute sich die ehrenamtliche Helferin Daniele Yumus (45). „Das Schönste sind aber die Emotionen der Flüchtlinge, die wir Helfer zurückbekommen.“

„Solidarität ist mega-in“

Lob für die Veranstaltung gab es von der Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, Claudia Roth (Grüne): „Frankfurt setzt ein deutliches Zeichen, weit über die Stadt hinaus.“ Ein Zeichen für Solidarität, die „nicht out, sondern mega-in“ sei. Veranstaltungen wie diese „geben den Menschen Kraft und Lebensfreude – und die brauchen wir in dieser Welt, die völlig aus den Fugen geraten ist.“
Der Flüchtlingsbeauftragte der Bundesregierung, Peter Altmaier, konnte wegen der Koalitionsgespräche in Berlin nicht persönlich kommen, schickte aber eine Videobotschaft, der die Flüchtlinge besonders aufmerksam lauschten. „Sie gehören jetzt zu unserem Land, und ich möchte, dass Sie glückliche Bürger unseres Landes werden“, war seine Botschaft.

Geehrt angesichts der Einladung in die Paulskirche fühlten sich übrigens nicht nur die Flüchtlinge, sondern auch die Künstler, die allesamt auf ihre Gage verzichteten. „Für uns ist es eine große Ehre, hier mit euch zu sein“, sagte der international bekannte Balkan-Popstar aus Frankfurt, Shantel, der mit dem Bucovina Club Orkestar auftrat. „Heute sehe ich nur Menschen, keine Nationen.“
Mit klassischen Tönen unterhielten Musiker der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst und Geiger Sandro Roy die Gäste, mit zeitgenössischer Musik ein Trio des Schauspiels Frankfurt. Stellvertretend für den Tigerpalast bot Oleg Izossimov Handstandakrobatik.
Nach dem offiziellen Programm wurde im Foyer der Paulskirche noch munter weitergefeiert – mit Brezeln und Käsekuchen, aber auch mit Falafel und Joghurt-Minz-Soße. Frankfurt ist eben bunt.
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