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Perfekte Faser für perfekte Frauenbeine: Frankfurter Dessous-Expertin erklärt, warum Nylon seit 80 Jahren so beliebt ist

Heute vor 80 Jahren wurde die Nylonfaser patentiert. Die erste von Menschen gemachte Kunstfaser ist seither aus vielen Produkten nicht mehr wegzudenken. Vor allem Frauenbeine ziert die Erfindung eines US-Chemikers.
Erika Banks zeigt netzbestrumpfte Beine  im „Petit Boudoir“. Foto: Heike Lyding Erika Banks zeigt netzbestrumpfte Beine im „Petit Boudoir“.
Frankfurt. 

Auf den ersten Blick haben Teppichböden, Sportbekleidung und Angelschnüre nur wenig gemeinsam. Dabei werden sie alle von der gleichen Kunstfaser mit dem schönen Namen Polyhexamethylenadipinsäureamid zusammengehalten.

Im Jahr 1935 entdeckte der US-Amerikaner Wallace Carothers die Faser eher zufällig, denn er ging mit seiner Forschungsabteilung beim Chemiekonzern DuPont der Frage nach, warum sich einige Moleküle zu Kunststoffen zusammenlagern, andere hingegen nicht. Dabei stieß er auf ein Polymer, das sich in lange und geschmeidige Fäden ziehen ließ – und das unter dem Namen „Nylon“ zu Weltruhm gelangen sollte. Auf den Tag genau vor 80 Jahren wurde die erste vollständig synthetisch hergestellte Faser patentiert. Seither wird sie überall da eingesetzt, wo eine hohe Festigkeit, eine lange Lebensdauer und eine gewisse Elastizität benötigt werden, beispielsweise in der Autoindustrie oder in der Unterhaltungselektronik.

Die wohl bekanntesten Nylonprodukte sind allerdings im Textilbereich zu finden: Strümpfe und Strumpfhosen aus der Kunstfaser lösten zum Verkaufsstart am 15. Mai 1940 einen regelrechten Boom aus. Innerhalb weniger Stunden wurden fünf Millionen verkauft. Im Jahr darauf gingen bereits 60 Millionen über die Ladentheke.

Werbung war skandalös

Dann aber kam der Zweite Weltkrieg, und die resistente Faser musste für andere Dinge wie Fallschirmseide und Tarnanzüge herhalten. Durch die Relevanz und den Bedarf in Kriegszeiten wurde Nylon eingehend erforscht und entwickelte sich somit schneller als manch andere Textilfaser. Nach dem Krieg waren Nylonstrümpfe – damals noch zwei Einzelstrümpfe, die über Bänder an einem Hüfthalter fixiert wurden – schließlich auch hierzulande zu erhalten und lösten Anfang der 50er Jahre in Westdeutschland sogar einen handfesten Skandal aus. Weil auf den seinerzeit gewagten Reklamebildern viel Bein zu sehen war, kam es zu einer Anklage wegen „Gefährdung der Sittlichkeit“.

Bis heute geht von den Kunstfaserstrumpfhosen ein gewisser Reiz aus. Erika Banks, die in ihrem Lingerie-Geschäft „Petit Boudoir“ im Oeder Weg als eine der wenigen auch Strümpfe aus 100 Prozent Nylon anbietet, erklärt die Anziehungskraft so: „Es ist ein Zusammenspiel aus Haptik und Optik. Der Stoff selbst ist weich und seidig, das Erscheinungsbild schimmernd und transparent. Dazu kommt, dass die Strumpfhose nur eine dünne Schicht Kleidung auf der nackten Haut ist.“

Die meisten Nylonstrumpfhosen, die es heute gibt, bestehen jedoch nicht nur aus Nylon: Sie werden mit Elastan gemischt, was sie weicher und dehnbarer macht. „Die reinen Nylonstrümpfe sind eher für Kenner“, so Banks. „Sie fallen lockerer, schlagen Falten und sind auch ein bisschen härter und kratziger als jene mit Stretch-Anteil.“

Im Vergleich zum Mischprodukt haben sie aber auch einen klaren Vorteil: Da sich die reine Nylon-Faser dem Bein weniger anpasst als Elastan, wirkt sie farblich ebenmäßiger.

Modisches Accessoire

Viele von Banks’ Kundinnen kommen eigens für die „richtigen“ Nylonstrumpfhosen in ihren Laden. Vor Laufmaschen gefeit sind aber auch diese nicht. „Man kann nicht wirklich sagen, dass die eine oder andere Strumpfhose weniger leicht kaputt geht. Wenn man das vermeiden will, sollte man eher zu Netzstrumpfhosen greifen“, rät die Lingerie-Expertin. Die hätten – genau wie Strumpfhosen mit Muster oder deutlich sichtbarer Naht – ohnehin das Zeug zum Mode-Accessoire.

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