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Stadtpolititiker verdienen unterm Strich weniger: Frankfurter Dezernenten und Geschäftsführer im Gehaltsvergleich

Von Als Stadtminister sind Frankfurts Dezernenten mächtige Frauen und Männer. Doch ein Gehaltsvergleich mit den Geschäftsführern der städtischen Gesellschaften zeigt, dass diese weitaus mehr als die Stadtpolitiker verdienen.
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Frankfurt. 

„Der Rock des Beamten ist eng, aber er wärmt“, sagt der Volksmund. Er meint damit die zwar sicher fließenden, aber im Vergleich zur freien Wirtschaft nicht üppigen Gehälter. Das triff auch auf Frankfurts Dezernenten zu. Sie sind Wahlbeamte.

Am deutlichsten sichtbar wird das bei Bürgermeister und Kämmerer Uwe Becker (CDU). Als Kämmerer ist Becker auch Beteiligungsdezernent und in dieser Eigenschaft Oberaufseher über die städtischen Gesellschaften. An 542 Unternehmen ist die Stadt direkt oder indirekt beteiligt (Stand 31. Dezember 2015). Bei 28 Unternehmen ist die Stadt Mehrheitseigner. In diesen Fällen entscheiden die Vertreter der Stadt, darunter natürlich Becker als Kämmerer, allein über die Bestellung der Geschäftsführer und deren Gehälter.

Gut 130 000 Euro für Becker

Als verheirateter Wahlbeamter mit zwei Kindern in der Gehaltsgruppe B 9 kann der Christdemokrat Becker in diesem Jahr mit einem Brutto-Jahreseinkommen von 130 956,84 Euro rechnen. Beckers „Chef“, Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD), erhält 159 350,88 Euro pro Jahr (B 11). Die Geschäftsführer vieler städtischer Gesellschaften erhalten deutlich mehr.

Kommentar: Kein Grund für Politikverdrossenheit

Beamte, aber auch tariflich Beschäftigte, haben einen durchsichtigen Geldbeutel. Das bedeutet, dass sich jeder Interessierte die Entlohnung dieser Personengruppen mit Datenbanken im Internet ausrechnen kann.

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Einer der wertvollsten Besitztümer der Stadt ist der Anteil am Flughafenbetreiber Fraport. 20,02 Prozent der Aktien hält die Kommune indirekt an dem im Börsensegment M-DAX notierten Unternehmen. Weltweit beschäftigte die Fraport AG laut Geschäftsbericht 2013 knapp 21 000 Mitarbeiter. Unter dem Strich hatte der Konzern 297 Millionen Euro verdient bei einem Umsatz von 2,6 Milliarden Euro.

Entsprechend hoch fiel auch das Gehalt des Vorstandsvorsitzenden Stefan Schulte aus. Er bezog 2015 laut Geschäftsbericht 2,227 Millionen Euro (Vorjahr 2,196 Millionen Euro), sein Vorstandskollege Matthias Zieschang 1,66 Millionen Euro (Vorjahr 1,7 Millionen Euro, Anke Giesen 1,2 Millionen Euro und Michael Müller 1,0 Million Euro.

Auch bei der Frankfurter Messe (hier ist die Stadt mit 60 Prozent der Anteile Mehrheitseigner) werden Spitzen-Gehälter gezahlt: Der Vorstandsvorsitzende Wolfgang Marzin verdiente 2015 laut Geschäftsbericht 574 000 Euro, seine Kollegen Uwe Behm und Detlef Braun 533 000 respektive 528 000 Euro. Die Bilanzsumme des Unternehmens belief sich auf 888 Millionen Euro, der Gewinn betrug 38 Millionen Euro.

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Interview mit Uwe becker: „Die Vergütungen sind ...

Stadtpolitiker verdienen weniger als die Geschäftsführer städtischer Gesellschaften. Mit Kämmerer Uwe Becker (CDU) sprach FNP-Redakteur Thomas Remlein über das Thema.

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Gutes Geld verdiente auch das Mainova-Management 2015: Der Vorstandsvorsitzende Constantin H. Alsheimer erhielt 510 655 Euro (Vorjahr 523 962 Euro), Lothar Herbst 390 589 Euro (Vorjahr 400 918) und Peter Birkner 360 385 Euro (Vorjahr 386 218 Euro). Als Grund für die im Vergleich zum Vorjahr geringeren Bezügen nannte Mainova-Sprecher Thomas Breuer, „dass das Geschäftsergebnis 2015 im Vergleich zum Vorjahr gesunken war. Dadurch sinken auch die flexiblen Anteile in der Vergütung der Mainova-Vorstände. 2015 betrug der Mainova-Gewinn 80,8 Millionen Euro, im Vorjahr waren es noch 96,6 Millionen Euro.“

Die Bezüge der Geschäftsführung der städtischen Wohnungsbaugesellschaft ABG Holding betrugen 481 000 Euro. Die teilen sich Geschäftsführer Frank Junker und sein Stellvertreter Ralf Hübner. Da Junker einen alten Vertrag hat, muss er sein Gehalt nicht einzeln ausweisen. Sein Jahressalär dürfte aber bei rund 300 000 Euro liegen.

„Kleinere“ Lichter

Der Geschäftsführer der Tourismus und Congress GmbH (TCF), Thomas Feda, verdiente 167 000 Euro. In einer ähnlichen Größenordnung werden die Geschäftsführer der Hafen Management GmbH besoldet: Ralf Karpa erhielt 175 000 Euro, Herbert Janicke 126 000 Euro.

Frank Müller, Chef der Frankfurter Bäderbetriebe (BBF), bezog 2015 ein Gehalt von 142 000 Euro. Die Geschäftsführerin der städtischen Kliniken in Höchst, Thomas Steinmüller, verdiente 175 000 Euro.

Auch die Kunst geht nach Brot, es dürfte sogar noch für den einen oder anderen Hummerschwanz reichen: Der Geschäftsführer der Alten Oper, Stephan Pauly, kassierte knapp 180 000 Euro, der Chef des Künstlerhauses Mousonturm, Matthias Pees, 105 000 Euro.

Noch besser gestellt sind die Geschäftsführer der Städtischen Bühnen: Bernd Loebe (Oper), Oliver Reese (Schauspiel) und Bernd Fülle (bis 31. August 2015). Sie teilten sich 833 000 Euro Jahresbezüge. Wobei das Salär von Loebe und Reese bei über 300 000 Euro liegen dürfte.

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