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Kampf gegen "Wegwerfgesellschaft": Frankfurter Foodtruck: Mit Lebensmitteln kochen, die sonst im Müll landen

Dass viele Lebensmittel nicht in der Mülltonne landen müssen, will die Initiative „Shout Out Loud“ den Frankfurtern zeigen. Mit einem „Foodtruck“ der durch die Mainstadt fahren soll. Wir haben mit zwei der Initiatoren gesprochen.
Katharina Schulenburg und Daniel Anthes  suchen Unterstützer. Sie wollen im kommenden Jahr mit einem zum Imbiss umgebauten Foodtruck durch Frankfurt fahren – und Sandwiches, Suppen und andere Gerichte verkaufen, die aus aussortierten Zutaten zubereitet werden. Foto: Christian Christes Katharina Schulenburg und Daniel Anthes suchen Unterstützer. Sie wollen im kommenden Jahr mit einem zum Imbiss umgebauten Foodtruck durch Frankfurt fahren – und Sandwiches, Suppen und andere Gerichte verkaufen, die aus aussortierten Zutaten zubereitet werden.
Frankfurt. 

Herr Anthes, Sie gehören zum Planungsteam, das über die nächsten Monate einen sogenannten Foodtruck für „gerettetes Essen“ auf die Beine stellen will. Was bedeutet das?

DANIEL ANTHES (30) : Unsere Idee ist es, ein größeres Auto – wortwörtlich – zur mobilen „Resteküche“ umzubauen, mit der das Team von „Shout Out Loud“ dann regelmäßig auf Wochenmärkten und zu während der Mittagspause hochfrequentierten Plätzen in der Stadt fährt. Das Besondere daran ist, dass wir mit Lebensmitteln arbeiten, die eigentlich weggeworfen würden. Etwa mit Brot, das am Vortag noch als frisch und verkaufbar galt oder Obst und Gemüse, das vielleicht nicht allzu schön gewachsen ist und deshalb aussortiert wurde.

Werden denn tatsächlich so viele Lebensmittel weggeworfen?

ANTHES: Statistisch gesehen sind es deutschlandweit 18 Millionen Tonnen Lebensmittel pro Jahr.

Das ist sehr viel.

Ja. Und das Schlimme daran ist, dass deutlich über die Hälfte davon noch genießbar ist. Die Lebensmittel werden weggeworfen, weil sie beispielsweise sehr nah am Mindesthaltbarkeitsdatum sind oder eben einfach nicht mehr perfekt aussehen.

KATHARINA SCHULENBURG (28): Man kann sich das in etwa so vorstellen: Sie gehen einkaufen, verlassen mit drei vollen Taschen den Laden und lassen auf dem Weg zum Auto eine davon fallen. Doch statt die Sachen aufzusammeln, lassen Sie sie einfach liegen. Auf so eine Idee würde auch keiner kommen.

Und in der „Resteküche – Beste Küche“ – so lautet der Arbeitstitel Ihres Projekts – werden dann ausschließlich aussortierte Lebensmittel verwendet?

SCHULENBURG: Unser Ziel ist es, mindestens 75 Prozent unserer Zutaten zu „retten“. Hierfür führen wir gerade Gespräche mit Bio-Erzeugern und Großhändlern aus der Region, denen wir dann die B-, beziehungsweise Ausschussware abnehmen wollen. Einige Dinge wie Gewürze, Mehl oder Öl werden wir sicher dazukaufen müssen.

Wie sieht denn das Menü aus? Nennen Sie doch mal ein Beispiel.

ANTHES: Wir werden ausschließlich vegetarisch oder sogar vegan kochen – ein Fleisch-Angebot macht bei unserem Nachhaltigkeits-Ansatz schlichtweg keinen Sinn. Feste Bestandteile unserer Speisekarte sind daher Sandwiches und Suppen. Hinzu kommt immer noch ein Tagesangebot, das ganz davon abhängt, was wir in den Tagen zuvor bekommen haben. Für die aktuelle Saison würden sich zum Beispiel Kürbis-Ravioli anbieten. Verkauf und Catering mit dem „Foodtruck“ sind aber nur die Hälfte unseres Plans.

Was gehört denn noch dazu?

ANTHES: Wir würden den Truck gerne dazu einsetzen, um in Workshops über Lebensmittelverschwendung aufzuklären. Das bedeutet, dass uns etwa Firmen, Schulen, Vereine und andere Gruppen buchen können, um dann gemeinsam mit uns zu kochen und gleichzeitig etwas darüber zu lernen, wie man Verschwendung verhindert. Und zwar nicht mit hochgehaltenem Zeigefinger, sondern einfach nur durch die Demonstration, was alles noch richtig lecker schmeckt.

Was motiviert Sie, sich ehrenamtlich für die Ziele von „Shout Out Loud“ einzusetzen?

SCHULENBURG: Mir macht es vor allem großen Spaß, mit den anderen zusammenzuarbeiten. Außerdem merkt man einfach wahnsinnig schnell, wie wenig man üblicherweise darüber nachdenkt, wie viele Lebensmittel verschwendet werden – und was das implizit für die Umwelt bedeutet. Wenn dann gleichzeitig Donald Trump US-Präsident wird, der den Klimawandel für ein Märchen hält, ist es schon gut, dass sich auch jemand für die Gegenseite einsetzt.

Schätzen Sie das Ganze nicht in ein wie ein Kampf gegen Windmühlen?

SCHULENBURG (lacht): Eigentlich nicht. Man sieht ja, dass europaweit in dieser Hinsicht einiges angestoßen wird. Etwa, dass nun auch Deutschland darüber nachdenkt, das Mindesthaltbarkeitsdatum abzuschaffen. Das sind kleine Schritte, die langsam auch bei all jenen, die sich nicht in ihrer Freizeit damit beschäftigen, ein Umdenken anstoßen könnten.

Warum soll das Geld für den „Foodtruck“ über Crowdfunding und nicht über Fördermittel bezogen werden?

ANTHES: Klar hätten wir einige Stiftungen im Auge, wo wir sicher Chancen auf Fördermittel hätten. Ziel eines Crowdfundings ist es jedoch, bereits vor Projektstart Unterstützer zu finden, die dann auch zu potenziellen Kunden werden. Wir wollen unsere Idee dadurch bekanntmachen und auch absehen, ob sie überhaupt funktionieren kann. Um Stiftungsgelder kümmern können wir uns immer noch, wenn der Spendenbetrag am Ende nicht ganz ausreicht. Gerade weil wir deutschlandweit die Ersten mit der Idee sind, wollen wir die Rückmeldungen der Privatleute abwarten.

Und die ist bislang positiv?

SCHULENBURG: Extrem positiv sogar. Wir haben vor einiger Zeit eine Umfrage durchgeführt, um zu sehen, wie die Idee ankommt. Dazu kamen hunderte lobende Zuschriften. Und auch unsere Facebook-Seite hat bereits knapp 500 Likes. Wir sind echt begeistert.

Wie viel Geld muss denn zusammenkommen?

ANTHES: Etwa 25 000 Euro werden wir benötigen, um das gebrauchte Fahrzeug zu kaufen, es umzubauen und mit Marketing und Verkäufern dafür zu sorgen, dass die Sache möglichst gut anläuft.

Ab wann können die Unterstützer spenden?

ANTHES: Wir planen, dass das „Startnext“ – das ist das Unternehmen, über das wir die Crowdfunding-Kampagne starten – unsere Seite www.startnext.de/bestekueche ab dem 14. Dezember online schaltet. Da kann man als Spender ganz leicht seinen Beitrag leisten.

 

Die Auftaktveranstaltung zur Crowdfunding-Kampagne ist am Freitag, 13. Dezember, ab 18 Uhr im Social Impact Lab, Falkstraße 5. Interessierte, die vorbeischauen wollen, können sich im INternet unter der Adresse www.facebook.com/bestekueche anmelden. Eine Pilotveranstaltung ohne „Foodtruck“ planen Anthes und sein Team bereits am Samstag, 10. Dezember. Dann wird das Konzept mit geliehenem Imbisswagen bei „Markt im Hof“, Wallstraße, getestet.

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