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Anklage gegen "Schwesta Ewa": Frankfurter Gangster-Rapperin soll junge Frauen zur Prostitution gezwungen haben

Von Die Luft wird dünner für „Schwesta Ewa“: Nach der Verhaftung der Gangster-Rapperin im November vergangenen Jahres hat die Frankfurter Staatsanwaltschaft jetzt Anklage gegen sie erhoben. Die Anschuldigungen der Strafverfolger wiegen schwer: Menschenhandel, Zuhälterei, Körperverletzung und Steuerhinterziehung.
Ihre Nähe zum Rotlicht brachte „Schwesta Ewa“ (rechts) auch bei Bühnenauftritten – hier ein Foto aus dem „Nachtleben“ – zum Ausdruck. Foto: Boris Roessler (dpa) Ihre Nähe zum Rotlicht brachte „Schwesta Ewa“ (rechts) auch bei Bühnenauftritten – hier ein Foto aus dem „Nachtleben“ – zum Ausdruck.
Frankfurt. 

Auf dem Foto, das vor etwa zwei Jahren bei einem Auftritt im Frankfurter Club „Nachtleben“ entstand, strahlt „Schwesta Ewa“ noch. Die Gangster-Rapperin steht mit offenem Haar auf der Bühne, hält das Mikro lässig in der rechten Hand und blickt an einer leichtbekleideten Tänzerin vorbei in die Kamera. Am 16. November 2016 war für die Musikerin und Produzentin mit gutem Draht in die Rotlichtszene erst einmal „Schluss mit lustig“. Da wurde sie bei einer Polizeiaktion mit Durchsuchungen in drei Bundesländern verhaftet und in Untersuchungshaft genommen.

Mehrere Vorwürfe

Die schon damals bekannt gewordenen Vorwürfe gegen die 32 Jahre alte Polin finden sich jetzt auch in einer Anklageschrift der Frankfurter Staatsanwaltschaft wieder: Oberstaatsanwältin Nadja Niesen teilte gestern mit, dass gegen „Schwesta Ewa“ Anklage zum Frankfurter Landgericht erhoben worden sei. Die Anschuldigungen der Strafverfolger: Menschenhandel zum Zwecke der sexuellen Ausbeutung, ausbeuterische Zuhälterei, Körperverletzung und Verstoß gegen die Abgabenordnung, besser bekannt als Steuerhinterziehung.

Konkret legt die Staatsanwaltschaft „Schwesta Ewa“ zur Last, in der Zeit von November 2015 bis September 2016 mehrere junge Frauen im Alter von 17 beziehungsweise 19 Jahren zur Prostitutionsausübung im gesamten Bundesgebiet gezwungen zu haben. Die Rapperin, die früher selbst als Prostituierte arbeitete, soll dabei bewusst „ein emotionales und finanzielles Abhängigkeitsverhältnis“ herbeigeführt und dieses dann ausgenutzt haben. Die Angeschuldigte soll sich die jungen Frauen auch „mit psychischem Druck und wiederholten körperlichen Misshandlungen“ gefügig gemacht haben.

Falsche Angaben

Darüber hinaus wirft die Staatsanwaltschaft der Gangster-Rapperin vor, bei ihren Einkommenssteuererklärungen für die Jahre 2013 und 2014 gegenüber dem Finanzamt falsche Angaben zu den Einkünften der jungen Prostituierten gemacht zu haben, die sie beschäftigte. In den eingereichten Umsatzsteuererklärungen soll „Schwesta Ewa“ lediglich Umsätze aus ihrer Erwerbstätigkeit als Musikproduzentin angegeben, ihre Umsätze aus der Zuhältertätigkeit jedoch verschwiegen haben.

Soziale Netzwerke

„Schwesta Ewa“, die im Jahr 2015 ihr Debütalbum „Kurwa“ (polnisch für „Schlampe“) veröffentlichte, vermarktete sich bis zur Untersuchungshaft stark auf den sozialen Netzwerken, allein auf Facebook hat sie mehr als 550 000 Abonnenten. In ihren Beiträgen gibt sie sich als coole, harte Lady und stellt immer wieder ihren Hintern und ihre großflächigen Tätowierungen zur Schau. Nach Antritt der Untersuchungshaft teilte sie ihren Fans auf Facebook sogar offen ihre aktuelle Postadresse in der Frankfurter Justizvollzugsanstalt 3 mit.

In Frankfurt ist „Schwester Ewa“, die ursprünglich Ewa Müller hieß, ihren Namen dann aber in Ewa Malanda ändern ließ, auch als Betreiberin der „Stoltze Bar“ im Allerheiligenviertel bekannt. Ihrem Ärger über wiederholte Razzien dort machte sie einmal auf ihrer Facebook-Seite Luft – in dem entsprechenden Post ist auch vom Plan die Rede, bald ein eigenes Bordell zu eröffnen.

In einem Interview mit der Tageszeitung „Die Welt“ berichtete „Schwesta Ewa“ vor gut zwei Jahren von ihrem Aufwachsen im Frauenhaus und einer „asozialen Siedlung“ in Kiel, von ihrer „Vergangenheit als Hure“ und von ihrem Weg zum Rap. „Die Musik ist eine Art Therapie“, sagte sie damals. „Mein halbes Leben habe im Rotlicht verbracht. Mit 16 habe ich angefangen, als Prostituierte zu arbeiten.“ Ihre eigenen schlechten Erfahrungen haben sie offenbar nicht davon abgehalten, andere Frauen in die Prostitution zu zwingen.

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