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Bildung: Frankfurter Gesamtschullehrer sind am Rand ihrer Kräfte

Von Die Lehrer an Frankfurts Gesamtschulen stehen an der Grenze der Belastung: An elf von 15 Schulen haben die Kollegien sogenannte Überlastungsanzeigen ans Kultusministerium gestellt. Sie können die Arbeit nicht mehr bewältigen. Dies berichten Personalräte.
An elf der 15 Frankfurter Gesamtschulen haben die Kollegien sogenannte Überlastungsanzeigen ans Kultusministerium gestellt. Foto: Holger Menzel An elf der 15 Frankfurter Gesamtschulen haben die Kollegien sogenannte Überlastungsanzeigen ans Kultusministerium gestellt.
Frankfurt. 

„Ich habe eine Klasse mit 27 Schülern“, erzählt Caro Franz, Lehrerin an der Carlo-Mierendorff-Schule in Preungesheim. „Darunter ist ein Hochbegabter, ein Schüler mit geistig-emotionaler Störung, ein Autist, drei Lernhilfeschüler, ein Schüler mit sozial-emotionaler Störung und ein Flüchtlingskind.“ Meist steht sie alleine vor der Klasse – und muss und will allen Schülern gerecht werden.

60-Stunden-Woche

Es sind die Anforderungen der Inklusion, die die Lehrer an Frankfurts Gesamtschulen verzweifeln lassen. „Wir“, berichtet Horst Menje, ebenfalls Carlo-Mierendorff-Schule, „haben in den 90er-Jahren auch Inklusion angeboten. Es gab zwei Förderschüler je Klasse und immer zwei Lehrer, die die Klasse gemeinsam unterrichtet haben. Heute gibt es fünf Förderschüler, doch der Förderlehrer kommt nur noch stundenweise.“ Für die Klassenlehrer bedeutet dies, den Unterricht in mehreren Versionen vorzubereiten, für jedes Leistungsniveau eine. Dazu die „wilden“ Schüler besonders beaufsichtigen, mit der Folge, dass die normalen, unauffälligen Kinder nur wenig von ihrem Lehrer haben.

Bei 26 Unterrichtsstunden bedeutet dies – mit der Vor- und Nachbereitung, mit der Korrektur von Klausuren, Beratungsgesprächen mit Eltern und Schülern, Entwickeln von Förderplänen, mit Klassen- und Schulkonferenzen, mit der Abstimmung mit den Förderlehrern und Sozialarbeitern – eine Arbeitswoche von 60 Stunden.

Nicht alphabetisiert

Dies hat Barbara Niwels von der Paul-Hindemith-Schule im Gallus herausgefunden: „Kollege haben es aufgezeichnet.“ Dass die Lehrer – trotz der Besetzung von 100 Prozent der Stellen – am Rand der Kräfte sind, kann man ihnen glauben. „Ich glaube nicht, dass die Arbeitsbelastung früher größer war“, sagt Rainer Koch, 40 Jahre Lehrer und inzwischen pensioniert. „Bei uns waren offiziell nur 80 Prozent der Stellen besetzt, aber vielleicht hat sich an der Systematik der Zählweise etwas geändert. So schlimm wie jetzt war die Belastung wohl nie.“

Das hat verschiedene Gründe. Es ist die Inklusion, die sich vor allem in den Gesamtschulen abspielt. Es sind die Intensivklassen mit (überwiegend) Flüchtlingskindern, zum Teil nicht einmal alphabetisiert, die binnen Jahresfrist Deutsch lernen müssen, um dann in normale Klassen zu kommen. Auch dies spielt sich in Gesamtschulen ab. Es ist die unzureichende Ausstattung mit Sozialarbeitern – und das in Klassen mit sozial schwachen Kindern und entsprechenden Problemen.

Es geht nicht mehr weiter, sagen die Kollegien der Schulen. An elf von insgesamt 15 Gesamtschulen haben Lehrer jetzt Überlastungsanzeigen ans Kultusministerium gestellt, ein Hilfeschrei und „Beginn einer politischen Auseinandersetzung“, wie Karin Weber sagt, die an der Ernst-Reuter-Schule (ERS) unterrichtet. Hinzu kommen bauliche Probleme. Die ERS etwa braucht dringend einen Neubau. Er kommt – aber erst 2030.

Das Bildungsdezernat unterstützt die Lehrer. „Wir sind dabei, ein zeitnahes Treffen mit dem Kultusminister zu koordinieren“, sagt Jetta Lüdecke, Leiterin des Dezernatbüros. Auch der Stadtelternbeirat steht hinter den Lehrern: „Wir Eltern sind empört über die Missstände an unseren Schulen.“

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