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Valentinstag: Frankfurter Historikerin sammelt Liebesgeschichten

Frankfurts Geschichte ist eine Fundgrube der Liebe. Berühmtheiten von Friedrich Hölderlin über Wilhelm Busch bis zum berühmtesten Sohn der Stadt, Johann Wolfgang Goethe, erlebten hier aufregende Liebschaften – und schlimmen Herzschmerz.
Silke Wustmann mit ihrem Buch „Frankfurter Liebespaare“ – ein Bestseller voller interessanter historischer Begebenheiten rund um das Liebesleben zwischen berühmten Frankfurtern. Hier am Hochzeitsportal des Standesamts im Römer startet ihre Führung zum Thema Liebe in Frankfurt. Bilder > Foto: Holger Menzel (Holger Menzel) Silke Wustmann mit ihrem Buch „Frankfurter Liebespaare“ – ein Bestseller voller interessanter historischer Begebenheiten rund um das Liebesleben zwischen berühmten Frankfurtern. Hier am Hochzeitsportal des Standesamts im Römer startet ihre Führung zum Thema Liebe in Frankfurt.
Frankfurt. 

Sie glauben, Frankfurt habe keinen größeren Womanizer als Johann Wolfgang von Goethe hervorgebracht? Weit gefehlt. Der wahre Frauenheld war ein anderer: Johann Conrad Friederich frönte zeitlebens seiner Passion für „Liebesintrigen“, wie er selbst sagte. Der Sohn eines Spezereihändlers kam 1789 im Haus „Zum goldenen Schiff“ in der Fahrgasse zum Leben und bezirzte schon als Junge das Hausmädchen, später auf Reisen als Soldat und Schauspieler hinterließ er allüberall gebrochene Herzen. Seine unzählbaren „Amouretten“ beschrieb der Frankfurter Casanova in seinen Memoiren – damals ein Skandalbuch, heute eine amüsante Sittengeschichte der Epoche.

Wie viele tragische, tiefe, glückliche und unerfüllte Liebesgeschichten sich in Frankfurt ereigneten, hat die Historikerin und Stadtführerin Silke Wustmann überrascht: „Ich stieß bei fast jeder historischen Recherche auf ein Liebespaar. Irgendwann war klar: Zum Thema Liebesgeschichten kommt Material für eine abendfüllende Führung zusammen“. Das war vor zehn Jahren, inzwischen sind die Liebespaare-Führungen meist schnell ausgebucht, besonders am Valentinstag. Das Buch „Frankfurter Liebespaare“ ist mittlerweile in der sechsten Auflage zu haben.

Nur der Hausfreund

Goethe ist auch darin vertreten, gleich mit vier Damen von Gretchen bis Marianne von Willemer. Sein großartiges Werk in Ehren, doch auch andere Frankfurter wussten wunderschöne Liebesgedichte zu schreiben. So auch der Satiriker und Journalist Friedrich Stoltze. Seiner Frau Marie, mit der er elf Kinder hatte, widmete er die Zeilen: „Seitdem du mich liebst, und ich weiß es von dir/seitdem hab ich wieder Respekt vor mir./Ich steh vor dem Spiegel und schnalz mit der Zunge/He, Fritzchen, du bist doch ein prächtiger Junge!“

Sie hielten ein Leben lang durch dick und dünn zusammen und trotzten auch dem Gerede der Leute, weil Marie als Katholikin den protestantischen Stoltze in der Katharinenkirche heiratete – und das obendrein erst nach der Geburt des dritten Kindes – und fortan aus ihrer Gemeinde verbannt war.

Aber auch Tragisches liest sich in Silke Wustmanns Buch – wie die Liebesbeziehung zwischen Friedrich Hölderlin und Susette Gontard, deren Kinder er von 1796 an als Hauslehrer unterrichtete. Der Hausherr, Jakob Friedrich Gontard, war selten im vornehmen Zuhause „Zum weißen Hirsch“ am Großen Hirschgraben 3 und bekam von den Spaziergängen und Leseabenden der beiden nichts mit. Er schickte sogar Frau, Kinder und Hauslehrer gemeinsam ins Kasseler Kriegsexil. Zurück in Frankfurt, erzürnte Susette ihren Gatten mehr und mehr mit ihrer unverkennbaren Zuneigung zu dem Dichter. In einem Wutanfall jagte der Bankier Hölderlin für immer aus dem Haus. Susette, schockiert und todunglücklich, schrieb ihrem Liebsten viele traurige Briefe – bis sie zwei Jahre später an Lungenentzündung und einer Röteln-Infektion starb. Sie wurde nur 32 Jahre alt.

Eine ähnlich glücklose Liebe erlebte Wilhelm Busch. Der junge Maler und Karikaturist verliebte sich in seine Gönnerin Johanna Kessler, die mit dem Bankier Johann Daniel Kessler verheiratet war und leidenschaftlich Kunst sammelte. Sie wollte Wilhelm Busch fördern und veranlasste 1868, dass er sich in ihrer Villa an der Bockenheimer Landstraße einmieten konnte. Die gesellschaftlichen Zwänge erlaubten Busch stets aber nur die Rolle des „Hausfreunds“. Ein Wunder, wie viel Humor er die Situation nehmen konnte, wie sich an manchem Reim ablesen lässt.

Gesellschaft aufgewühlt

Überhaupt, in Frankfurt sprachen sich Liebesgeschichten, vor allem verbotene, damals wie heute schnell herum. Kein Liebespaar aber wühlte die Stadtgesellschaft so sehr auf wie Clemens Brentano und Auguste Bußmann. Am 22. Juli 1807 warf sich Auguste, Pflegetochter des Bankiers Simon Moritz von Bethmann, dem attraktiven Dichter vor dem Thurn- und Taxis-Palais während eines Triumphmarschs zu Ehren Napoleons an den Hals – obwohl sie verlobt war. Brentano stolperte in eine heftige Affäre hinein. Auguste überredete ihn, mit ihr zusammen aus der Stadt zu fliehen, schwindelte ihn an, sie müsse sonst ins Kloster. Sie kamen bei Brentanos Schwager in Kassel unter. Die Familien verlangten die Heirat. Der Alltag aber stellte sich als Katastrophe heraus. Clemens war von Augustes Temperament völlig entnervt. Ein Rosenkrieg, in dem beide nicht selten physisch aufeinander losgingen, entbrannte. Die beiden wurden 1810 geschieden, was damals nur selten bewilligt wurde.

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