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4. Julip-Preisverleihung: Frankfurter Jugendliteraturpreis so erfolgreich wie nie

Jungen und Mädchen von heute lesen nicht gerne, und schreiben wollen sie schon gar nicht? Weit gefehlt. Beim 4. Frankfurter Jugendliteraturpreis „Julip“ haben sich 135 Schüler mit ihren Texten beworben. Zwölf von ihnen, allesamt Mädchen, wurden in drei Altersgruppen ausgezeichnet.
Diese zwölf Mädchen im Alter von zehn bis 19 Jahren schrieben die laut Jury besten Texte. Foto: Rainer Rueffer-- FRANKFURT AM MA Diese zwölf Mädchen im Alter von zehn bis 19 Jahren schrieben die laut Jury besten Texte.
Frankfurt. 

„Die Bühne gehört allen Kindern dieser Welt“, eröffnet Levend Seyhan den Abend in der Zentralbibliothek der Stadtbücherei. Der Schriftsteller und Projektmanager des Frankfurter Jugendliteraturpreises „Julip“ ist stolz und gleichzeitig wehmütig. Seit sieben Jahren organisiert er die Veranstaltung, mit 135 Einsendungen aus 17 Schulen sind es mehr als jemals zuvor. „So viele junge Menschen beherrschen die Sprache besser als manche Erwachsenen. Bleibt dabei“, sagt er zu den etwa 200 Schülern und Eltern. Der Wermutstropfen: Seyhan ist zum letzten Mal dabei. „Das Projekt ist so groß geworden, als Vollberufler ist das schwer zu steuern.“ Er ist zuversichtlich, dass mit mehreren Ehrenamtlern „etwas ähnliches gelingen wird.“

Mädchen überzeugen

Erstaunt ist die dreiköpfige Jury, dass alle zwölf Gewinnertexte von Mädchen stammen. „Zufall. Wir haben die Texte ohne Namen der jungen Autoren beurteilt“, so Lektorin und Bloggerin Isabella Caldart. Ihre Rede eröffnet sie mit den Worten: „Liebe Eltern, ihr wart oft tot in den Geschichten.“ Von Flucht, Abschiebung, Klimawandel und Ängsten handelten viele. Beobachtungsgabe und kritisches Denken bewiesen alle von zehn bis 19 Jahre alten Teilnehmer.

Flucht vor dem Krieg

Mit ruhiger Stimme lasen die Preisträgerinnen vor. Miriam Heeßel (12) von der Ziehenschule in Eschersheim schrieb „Flucht vor dem Krieg“. Es ist still im Saal, als die Gefühle eines Flüchtlingskinds aus Syrien laut werden. „Mir liefen die Tränen in Strömen, nein, in Wasserfällen über das Gesicht“, beginnt der Text. Miriam gewann bei den Zehn- bis Zwölfjährigen. „So oft schaue ich gar nicht Nachrichten, aber wenn, sehe ich immer Bilder über Flucht“, sagt die Siebtklässlerin, die mal Astronomin oder Autorin werden will. „Ich muss einfach darüber nachdenken, was in dieser Welt passiert.“

„Im Regen tanzen“ heißt die Geschichte von Josephine Oeß (15). Eine bedrückende Geschichte über die letzten Tage eines Mädchens, das den Regen liebt. Ein Jahr lang hat die Hanauerin daran gearbeitet. „Ich habe mich verändert und auch der Text“, sagt die Schülerin, die eine Klasse übersprungen hat und den 1. Platz in der Gruppe der 13- bis 15-Jährigen gewonnen hat.

An den letzten Menschen

Zoë Bolz (18) aus Dietzenbach hätte ihre Geschichte „Avenir bedeutet nicht Vergangenheit oder Gegenwart“ beinahe nicht vorlesen können. Schwer erkältet setzt sich die ernst wirkende junge Frau vor das Mikrofon. Zu hören ist der Brief eines Wesens der „Reisenden“ an den letzten Menschen „Arman“ – eine Dystopie über die Zerstörung des Lebens auf der Erde. „Die Menschen verlernten zu lieben, sie haben der Erde ihr Herz gebrochen“, heißt es im Text der Preisträgerin aus der Altersgruppe 16 bis 19 Jahre. Nur eine Stunde hat sie an ihrer Geschichte geschrieben.

In jeder Altersgruppe gibt es drei Hauptpreise und einen Ehrenpreis. Geschenkkörbe mit Büchern, Stiften und Notizbüchern werden fröhlich entgegengenommen. Die 25 besten Texte sind im „JuLiP Erzählband“ veröffentlicht. Unterstützt wird der Preis von der Polytechnischen Gesellschaft, der Stadtbücherei, der Fazit-Stiftung, der Athlon Place Stiftung und Metzler-Stiftung. Schirmherrin ist Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD).

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