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Museum Angewandte Kunst: Frankfurter Küche ist reif fürs Museum

Von Die „Frankfurter Küche“ wurde in den 1920er Jahren von der Wiener Architektin Margarete Schütte-Lihotzky für die Siedlungen des Frankfurter Stadtplaners Ernst May entwickelt. Ein komplett erhaltenes und fast unverändertes Exemplar wurde in einer Wohnung am Bornheimer Hang entdeckt und steht jetzt im Museum Angewandte Kunst.
Die „Frankfurt Küche“ der Wiener Architektin Margarete Schütte-Lihotzky vereint Funktionalität und Ästhetik. In den 1920er Jahren entworfen für die Siedlungen des Frankfurter Stadtplaners Ernst May sind sie heute gesuchte Designobjekte. Ein vollständig erhaltenes Exemplar steht jetzt im Museum Angewandte Kunst. Bilder > Foto: Michael Faust Die „Frankfurt Küche“ der Wiener Architektin Margarete Schütte-Lihotzky vereint Funktionalität und Ästhetik. In den 1920er Jahren entworfen für die Siedlungen des Frankfurter Stadtplaners Ernst May sind sie heute gesuchte Designobjekte. Ein vollständig erhaltenes Exemplar steht jetzt im Museum Angewandte Kunst.
Sachsenhausen. 

Christian Dressen, Restaurator am Museum Angewandte Kunst, erinnert sich noch genau an den Morgen, an dem er die Mitteilung bekam, schnellstmöglich in die Wittelsbacher Allee 171 zu kommen. In dem Gebäude der Ernst-May-Siedlung am Bornheimer Hang wartete eine echte Design-Rarität auf ihn. Im dritten Stockwerk gab es eine komplette und weitestgehend unverändert gebliebene „Frankfurter Küche“ aus dem Jahr 1929, die ausgebaut werden sollte. Fast 90 Jahre lang war sie dort im Gebrauch. Als die Mieterin der Wohnung auszog, erhielt das Museum Angewandte Kunst von ihr einen Anruf mit dem Hinweis auf das Designschätzchen.

Vor dem Ausbau der Küche samt Kacheln, Türzarge und Tür dokumentierte Dressen den genauen Standort, jedes Moduls, jeder Kachel und jeder Bodenfliese mit dem Ziel, diese Küche maßstabs- und originalgetreu als Exponat für die Dauerausstellung „Elementarteile“ im Museum Angewandte Kunst wieder aufzubauen. „Acht Tage lang hat der Ausbau gedauert“, erzählt Dressen. Wesentlich länger die darauffolgende Zeit der Restaurierung, die er mit etwas mehr als zwei Jahren angibt.

Dauerleihgabe der ABG

Das Werk ist vollbracht, die „Frankfurter Küche“ aus der Bornheimer May-Siedlung kann ab sofort im Museum bestaunt werden. Die „Frankfurter Küche“ wird als Dauerleihgabe von der ABG-Frankfurt Holding zur Verfügung gestellt, die Eigentümerin ist.

Wohnen und Leben

Neben dem Museum Angewandte Kunst (Schaumainkai 17) besitzen auch das Historische Museum Frankfurt (Saalhof) und das Deutsche Architektur Museum (Schaumainkai 43) in ihren Sammlungen

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Entworfen wurde die „Frankfurter Küche“ in den 1920er Jahren von der Wiener Architektin Margarete Schütte-Lihotzky (1897 bis 2000), die sie für die Siedlungshäuser des früheren Frankfurter Stadtplaners, Siedlungs-Dezernenten und Architekten Ernst May (1886 bis 1970) und seinem heute weltberühmten Programm „Das Neue Frankfurt“ entwarf. May plante und baute nicht einfach nur Siedlungen, um Wohnraum zu schaffen. Vielmehr ging es ihm darum, sowohl in der Architektur als auch in der Inneneinrichtung der Häuser und Gärten sowie im Lebensumfeld der Menschen Funktionalität, Ästhetik und Moderne miteinander zu verbinden. Die „Frankfurter Küche“ drückt dies aus. Es ist ein Designobjekt von Weltruhm. Exemplare gibt es beispielsweise in den Sammlungen des Museums of Modern Art in New York, im Victoria & Albert Museum London und im MAK in Wien.

„Erstmals vorgestellt wurde die Küche auf der Frühjahrsmesse in Frankfurt im Jahr 1927“, schildert Professor Klaus Klemp anlässlich der Präsentation der „Frankfurter Küche“ in den Räumen des Museums. Er unterrichtet Designgeschichte und -theorie an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach und ist früherer Kurator für Design am Museum Angewandte Kunst. Als Gastkurator hat er das Projekt „Frankfurter Küche“ betreut. Mit im Team ist neben ihm und Dressen auch Christos-Nikolas Vittoratos, der als Fachmann für „Frankfurter Küchen“ hinzugezogen wurde und mit seiner Firma „8linden“ selbst Küchen anfertigt. „Das Besondere dieser Frankfurter Küche ist, dass sie wirklich vollständig erhalten ist“, sagt er. Meistens seien sie ergänzt, rekonstruiert oder nachträglich vervollständigt worden.

Das Projekt „Frankfurter Küche“ am Museum Angewandte Kunst startete bereits im Sommer 2014. Das Museum hatte lange Zeit keine eigene „Frankfurter Küche“ in der Sammlung, bekam aber im Jahr 2013 einen Fundus aus verschiedenen Teilen vom Deutschen Architektur Museum (DAM) überlassen. „Darunter befanden sich mehr oder weniger vollständige Küchen, die aber nicht ausreichend dokumentiert waren“, sagt Vittoratos. Zunächst war geplant, eine Küche aus diesem Fundus für die Dauerausstellung wieder zusammenzustellen.“ Dann kam der Anruf der Mieterin, die kunsthistorisch und kulturell sehr interessiert sei. Ein echter Glücksfall für das Projekt.

Weniger Schütten als 1927

Dass eine „Frankfurter Küche“ fast 90 Jahre lang in Gebrauch ist, hatte auch Schütte-Lihotzky nicht erwartet. Die Nutzbarkeit der Küche sei einst mit 30 bis 35 Jahren angegeben worden, weiß Klemp. Auch habe es eine separate Gebrauchsanweisung gegeben, die erklärt habe, wie man sie nutzen sollte. Das Exemplar aus Bornheim ist eine Weiterentwicklung der Küche von 1927. Die Ausführung von 1929 hat weniger Schütten. Sie sind auch höher angebracht. Als Neuerung gab es außerdem eine abschließbare Schublade zur Verwahrung des Haushaltsgeldes.

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