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"HMS President" aus dem 1. Weltkrieg: Frankfurter Künstler bemalt Kriegsschiff

Tobias Rehberger hat ein britisches Kriegsschiff aus dem Ersten Weltkrieg mit Camouflage überzogen. Für den Konzeptkünstler und Prorektor der Städelschule ist diese Technik eine wichtige Inspiration.
Das alte Kriegsschiff an seinem Standort auf der Themse. Das alte Kriegsschiff an seinem Standort auf der Themse.
Tobias Rehberger auf der „HMS President“. Das Bild oben zeigt das alte Kriegsschiff an seinem Standort auf der Themse.	Fotos: Getty Images, privat Bild-Zoom
Tobias Rehberger auf der „HMS President“. Das Bild oben zeigt das alte Kriegsschiff an seinem Standort auf der Themse. Fotos: Getty Images, privat
Verwirren statt verstecken. Die Schiffscamouflage-Technik der Briten und Amerikaner hatte im Ersten Weltkrieg die Tarnung auf dem Meer nahezu perfektioniert. Für den Konzeptkünstler und Prorektor der Städelschule, Tobias Rehberger (48), ist die alte Technik auf Grundlage des „Razzle-Dazzle-Painting“, also des „Durcheinandermalens“, eine wichtige Inspiration. Bei einigen Arbeiten nutzte er sie bereits, in einer großen Einzelausstellung in der Schirn Kunsthalle hatte er unlängst ganze Wände mit kontrastierenden Streifen und Kurven gestaltet und so die optische Form und Gliederung der Räume gebrochen.

Anlässlich der britischen Gedenkfeiern zum Beginn des Ersten Weltkriegs vor einhundert Jahren gestaltete Rehberger nun in London eines der letzten erhaltenen Schiffe. Die „HMS President“, Baujahr 1918, heute ein vertäutes Kultur- und Partyschiff auf der Themse, war ursprünglich ebenfalls in Dazzle-Camouflage lackiert, bevor man ihren Rumpf nach Kriegsende umspritzte. Die kontrastierenden geometrischen Muster, die das ganze Schiff überzogen, sollten die Späher am U-Boot-Periskop irritieren, etwa über Entfernung und Geschwindigkeit täuschen. An der Bemalung der mehr als 4000 Kriegsschiffe der Royal Navy waren damals auch Avantgarde-Maler beteiligt.

Rehberger, der gerade auf Ibiza urlaubt, erläutert das Prozedere, die Außenhaut des erhaltenen Kriegsschiffes komplett mit Folie zu überziehen: „Eine Spezialfirma aus London hat das Schiff zunächst gescannt, so entstand ein virtuelles 3D-Modell. Auf dieser Grundlage konnten riesige Folien mit einem vom alten Tarn-Schemata inspirierten Design bedruckt werden, insgesamt rund 3000 Quadratmeter.“

Keine Arbeit, die man allein schafft. „Es war wirklich gewaltig, ein zehnköpfiges Team hatte zwanzig Tage lang zu tun, die Folien millimetergenau zu kleben“, so Rehberger. Finanzielle Unterstützung für die Auftragsarbeit kam unter anderem vom Goethe-Institut in der britischen Hauptstadt. Noch bis in den Spätherbst wird das „getarnte“ Kriegsschiff am nördlichen Themseufer zu sehen sein. „Wenn es den Leuten weiter so gut gefällt, wird die Präsentation vielleicht bis ins nächste Jahr verlängert“, hofft Rehberger.

Die Erinnerung an den Ersten Weltkrieg sei auch in seiner Familie ein Thema gewesen, erzählt der gebürtige Schwabe. „Ich habe meinen Urgroßvater noch erlebt. Er erzählte uns Kindern von seinem Fronteinsatz in Belgien, doch Genaueres weiß ich nicht mehr, ich war zu klein.“

Die Männer der Familie hatten Glück, niemand fiel in den Schützengräbern. „Ob es noch Fotos von Verwandten in Uniform gibt, weiß ich nicht, da müsste ich nachforschen.“ Bevor es für den Wahl-Frankfurter mit einer großen Ausstellung in Rom weitergeht, entspannt er die nächsten Wochen weiter am Strand von Ibiza. Party machen? Rehberger winkt lachend ab, „man kann sich dort auch wunderbar vom lauten Partytrubel fernhalten“.

(fai)
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