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Kampf gegen Vogelplage: Frankfurter Nilgänsen droht der Abschuss

Von Seit einigen Jahren macht sich die aus Afrika stammende Nilgans in Frankfurt breit. In Parks, am Mainufer und in Schwimmbädern sorgt sie für Ärger. Bäderbetriebe-Chef Frank Müller will das Problem nun lösen – wenn es sein muss, sogar mit scharfer Munition. Doch Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) hält nichts von der Gänsejagd.
Eingeschleppte Art: Die Nilgans vermehrt sich rasant und tritt aggressiv gegenüber anderen Tieren auf. Foto: Fredrik von Erichsen (dpa) Eingeschleppte Art: Die Nilgans vermehrt sich rasant und tritt aggressiv gegenüber anderen Tieren auf.
Frankfurt. 

Das Brentanobad in Rödelheim ist ihr Revier. Selbstbewusst watscheln die Nilgänse dort über den Rasen, hinterlassen Kothäufchen auch auf Spielplätzen und am Beckenrand. Und selbst von einem ausgebildeten Jagdhund lassen sie sich kaum mehr beeindrucken. „Sie haben den Respekt verloren“, sagt Axel Seidemann. Wenn er seinen Hund auf die Gänse hetzt, weichen sie einfach auf das Wasser aus und warten, bis ihr vierbeiniger Feind außer Puste ist.

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Kommentar

Mit Sicherheit werden auch in Frankfurt Tierschützer heftig protestieren, falls im Brentanobad tatsächlich zur Jagd auf die Nilgans geblasen wird.

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Seidemann ist Jäger. Die Frankfurter Bäderbetriebe haben ihn damit beauftragt, das Nilgans-Problem im Brentanobad zu lösen. Mit „Vergrämungsmaßnahmen“ sollte er die Wildvögel verscheuchen, sein Gewehr musste er bislang zuhause lassen. Doch das könnte sich bald ändern. Bäderbetriebe-Chef Frank Müller hat eine Schießgenehmigung beantragt. „Als letztes Mittel“, sagt Müller. „Wenn sonst nichts mehr hilft, müssen wir auch über eine Bejagung nachdenken.“

Gräser statt Gewehre

Im Umweltdezernat, das zwar nicht für Frankfurts Freibäder, aber für die Parks und das Mainufer zuständig ist, hält man von dieser Idee nichts. „Wir wissen von Experten, dass eine Dezimierung gar keinen Sinn macht“, sagt Dezernentin Rosemarie Heilig. „Schießen Sie eine Gans ab, kommen vier hinterher.“ Die Biologin und Grünen-Politikerin setzt auf sanftere Mittel, um der Gänseplage Herr zu werden: „Man muss das Gras wachsen lassen, denn das mag die Nilgans nicht. Sie möchte weit blicken können.“

Bald im Visier? Gänseküken am Beckenrand des Brentanobads. Bild-Zoom Foto: Laura Lewandowski (dpa)
Bald im Visier? Gänseküken am Beckenrand des Brentanobads.

Im Ostpark, wo neben den Nil- auch die Kanadagänse überhand nehmen, soll ein Pflanzensaum um den See Abhilfe schaffen. Das größte Problem sei die Fütterung, sagt Heilig. „Wir bieten den Vögeln ein Schlaraffenland – deshalb bleiben sie hier.“

Das Gras wachsen zu lassen, ist im Brentanobad keine Option. Freibadbesucher wollen eine Liegewiese, kein Biotop. Ansonsten habe er bereits alle Nilgansvertreibungsmethoden ausprobiert, die in Deutschland bekannt sein. „Wir sind ja nicht die einzigen, die dieses Problem haben“, sagt Bäderchef Müller. Auf Verbandsebene tausche er sich regelmäßig mit anderen Kommunen aus. Sogar einen ferngesteuerten schwarzen Schwan ließ er im Brentanobad schon zu Wasser. Doch die Nilgänse durchschauten schnell, dass von der Attrappe keine Gefahr ausgeht.

Erfolglose Versuche

In Koblenz, dessen direkt am Rhein gelegenes Freibad noch stärker von Nilgänsen heimgesucht wird, weiß man auch keinen Rat. Ein Gerät, das Adlerschreie imitiert, war dort im Einsatz. Sogar eine fliegende Drohne. Nichts half dauerhaft. Nur mit einer Methode hatten die Koblenzer Erfolg: der Gänsejagd. Proteste der örtlichen Tierschützer setzten dem gezielten Abschuss allerdings bald ein Ende – die Nilgans-Frage ist seitdem ein Streitpunkt der Kommunalpolitik.

Ob es in Frankfurt so weit kommt, bleibt abzuwarten. Die Front könnte jedenfalls zwischen Grünen und CDU verlaufen. Denn während das von Heilig geführte Umweltdezernat betont, der Gänsekot auf den Liegewiesen sei „hygienisch unbedenklich“, haben die Bäderbetriebe daran offensichtlich Zweifel. Sie haben Gänsekotproben aus dem Brentanbobad untersuchen lassen und warten nun auf die Einschätzung des Gesundheitsamts. Je nach dem, wie diese ausfällt, könnte die Abschussdebatte in Fahrt kommen. Sportdezernent und Aufsichtsratschef Markus Frank (CDU) stellt schon mal klar: „Die Hygiene in unserem Schwimmbädern ist elementar, die Gesundheit der Badegäste hat oberste Priorität.“

Auf die Jungen schießen

Axel Seidemann ist jedenfalls vorbereitet. Der Jäger und Naturschützer weiß, was er im Brentanobad zu tun hätte. „Man muss auf die Jungen schießen“, sagt Seidemann. „Denn wenn die Gänse merken, dass ihr Nachwuchs in Gefahr ist, gehen sie woanders hin.“ Das sei die einzige Methode, die Erfolg verspreche. Die Nilgans werde sich ansonsten immer stärker ausbreiten und heimische Arten verdrängen, mahnt Seidemann. Auf vielen Weihern gebe es bereits jetzt gar keine Stockenten mehr, sondern nur noch Nilgänse.

Die Kanadagänse lieben „ihr“ Revier im Ostpark so sehr, dass sie einheimische Arten verdrängen. Bild-Zoom Foto: Holger Menzel
Die Kanadagänse lieben „ihr“ Revier im Ostpark so sehr, dass sie einheimische Arten verdrängen.

Die als Ziervogel nach Europa eingeschleppte Art breitete sich in den vergangenen Jahren rasant entlang des Rheins und seiner Nebenflüsse aus. Denn sie ist anpassungsfähig, vermehrt sich schnell und tritt aggressiv gegenüber anderen Tieren auf.

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