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Die Poesie ist sein Beruf: Frankfurter Profi-Poetry-Slammer zeigt Jugendlichen den Reiz der Reime

„Lautpoet“ nennt sich Dalibor Markovic, einer von nur wenigen Frankfurter Poetry-Slammern, die mit Reimen ihren Lebensunterhalt verdienen. In der Jugend-Kultur-Kirche Sankt Peter bietet er Kollegen und Nachwuchs-Slammern eine Bühne.
Dalibor Markovic gibt Poetry-Slammern in der Peterskirche einen eigenen Raum für ihre Kunst. Foto: Holger Menzel Dalibor Markovic gibt Poetry-Slammern in der Peterskirche einen eigenen Raum für ihre Kunst.
Innenstadt. 

Nein, hier hat nicht alles angefangen. Aber hier möchte Dalibor Markovic (42) etwas zurückgeben, wenn er alle zwei Monate die besten Poetry-Slammer auf die Bühne der Jugend-Kultur-Kirche Sankt Peter in der Bleichstraße holt. „Ich mache das, um anderen dieselbe Plattform zu bieten, die ich hatte. Ohne sie hätte ich niemals die Welt, niemals Nairobi oder Chicago gesehen.“ Und er hätte einen anderen Beruf: Seit fünf Jahren verdient er Geld mit Poetry-Slams.

So tun als ob

Und doch hat es irgendwie hier angefangen. „Ich bin hier aufgewachsen, direkt nebenan in die Liebfrauenschule gegangen“, erzählt Markovic. Als Kind schrieb er Detektivgeschichten, „die waren bei uns total angesagt“. Das Dichten kam später dazu, als Rap, also gereimter Sprechgesang zu Beats von der Platte. Die Texte drehten sich nun um Jugendträume wie den Auszug bei den Eltern, Mädchen und Drogen. „All das, was wir noch nicht erlebt hatten, von dem wir aber so taten, als würden wir es kennen.“

Wenn Markovic erzählt, erscheint sein Weg auf die Bühne so natürlich wie der Lauf eines Flusses. Einmal trat der Frankfurter Dichter und Zeichner Robert Gerhardt, der 2006 starb, in Markovics Schule auf. „Ein alter Typ, wir kannten den alle nicht. Aber nach 20 Minuten fanden wir ihn und seinen Humor total cool.“ Jahre später, in New York, nahm ein Freund ihn mit zum Poetry-Slam-Battle, einem Poetenwettstreit zwischen den großen Universitäten Columbia und der NYU. „Mir imponierte, wie die auf der Bühne eigene Texte vortrugen.“ Und wie konzentriert das Publikum lauschte. Wieder daheim, ging Markovic zum nächsten Poetry-Slam und bat, auftreten zu dürfen. „Das kam so gut an, dass ich gefragt wurde, ob ich regelmäßig kommen wolle.“ Bald gewann er den Frankfurter Poetry-Slam, stand 2003 bei der Deutschen Meisterschaft im Finale. „Das ist die Bühne, auf der dich alle Veranstalter sehen.“ Die Aufträge wurden mehr, die Gagen höher, mit Ken Yamamoto und Telhaim wurde Markovic als „Spoken Word Collective“ 2007 Deutscher Team-Vizemeister.

Den letzten Nebenjob kündigte er 2011 und wagte den Sprung zum Profi. Von seinen Auftritten allein kann er nicht leben, obwohl die deutsche Szene, wie er sagt, die größte der Welt ist. Er versuchte es, doch die vielen Reisen, die zu eng getakteten Auftritte rieben ihn auf.

Respekt ohne Prügel

Also gibt Markovic auch Workshops für Jugendliche, etwa an Schulen. „Ich zeige ihnen, dass Sprache ein Weg ist, um sich Respekt zu verschaffen, ohne sich zu prügeln.“ Im Literaturhaus etwa leitet er das Lyrik-Schreibzimmer. Sprache sei „die elementarste Form der Kommunikation“ neben der Körpersprache und „zwingend notwendig, damit Menschen einander kennenlernen, verstehen und eine Gemeinschaft bilden“.

Seine eigene Dichtung wird angesichts aktueller Entwicklungen immer politischer, sagt Dalibor Markovic. Er sehe ein letztes Aufbegehren des nationalen Denkens und die Frage, wie eine Nation, nicht nur die deutsche, heute aussehe. Im Alltag in Frankfurt, wo es „nichts Normaleres als ein Sprachengemisch in der U-Bahn“ gebe, sei das wenig präsent. In ihm selbst sei das quasi verschwunden: „Jugoslawe, das gibt es ja nicht mehr. Erst dadurch merkt man, wie fließend der Begriff Nation ist.“ Er selbst, sagt Markovic in einem seiner Slams, sei ein „Deutscher mit Mikrophonhintergrund“.

Der nächste Poetry-Slam findet unter dem Motto „Wo ist Hola?“ heute um 19 Uhr in der Peterskirche, Bleichstraße 19, statt.

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