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Goethe-Universität: Frankfurter Studenten: Semester startet mit Rekord

Die Goethe-Universität hat so viele Studenten wie noch nie: 48 000 Menschen verteilen sich auf die 16 Fachbereiche. Tausende von ihnen fangen am Montag ihr Erstsemester an. Nicht alle haben eine Wohnung gefunden.
Foto: Rainer Rüffer
Frankfurt. 

Es war der berühmte Zauber des Anfangs, der am gestern am Campus Westend der Goethe-Universität zu spüren war. Die Fachschaften, Unternehmen und die Stadt Frankfurt nutzten die Chance und präsentierten sich bei der Unistart-Messe. Die Studenten nahmen das Angebot gerne an und sahen die Veranstaltung als Forum, um neue Freunde und das Wesen der Universität näher kennenzulernen.

Bei der offiziellen Begrüßung im Hörsaal hatten die „jungen Wilden“ den ersten Aufschlag: Asta-Chef Felix Sauer bezeichnete den Allgemeinen Studierendenausschuss (Asta) als „innere und äußere Revolution“ und die Zeit an der Universität ein „Lebensgefühl“. Kurz bevor Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) den Saal betrat, prophezeite er, die Begrüßungsveranstaltung werde laufen wie immer: Der OB würde erzählen, wie toll Frankfurt sei und die Präsidentin der Universität werde erzählen, wie toll die Uni sei.

Extra hergezogen

Ganz so kam es nicht. Die Mehrheit der Erstsemester im Hörsaal bekannten per Handmeldung, dass sie extra fürs Studium hergezogen seien, was einem OB naturgemäß Kummer und Freude zugleich bereitet. Schon vor fünf Jahren habe er die Wohnungsnot vorhergesagt, damals sei er stets belächelt worden, sagte Feldmann. Inzwischen sei es Konsens in allen Parteien, dass der Kampf dagegen ein „Kernthema unserer Stadt“ geworden sei. Strategien dagegen seien unter anderem die Umgestaltung oder zur Not auch der Abriss leerstehender Büroflächen. „Aber ich brauche Euch als Unterstützer!“, rief er den Studenten zu.

Tatsächlich kann die fröhliche Kulisse motivierter Erstsemester nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich Frankfurt laut einer bundesweiten Studie zur Wohnsituation für Studierende auf Platz zwei der teuersten Universitätsstädte befindet. Frankfurter Studenten können noch von Glück sprechen, wenn sie eine Wohnung für 600 Euro pro Monat finden – es können nämlich schon mal bis zu 1250 Euro werden. Wer Bafög bezieht, bekommt pauschal einen Zuschuss in Höhe von nur 250 Euro zur Miete. Sieben Prozent der Hochschüler kann das Studentenwerk in Wohnheimen unterbringen; wünschenswert wäre eine Quote von zehn Prozent.

Der Asta will wenigstens in den Anfangstagen aushelfen, damit Studenten von außerhalb in Frankfurt Wohnungen besichtigen können und organisiert alljährlich das Indoor-Camp im Studierendenhaus auf dem Campus Bockenheim. Dort gibt es eine WG-Börse, ein kleines Kulturprogramm und Vorträge. Mit der Aktion will der Asta nicht nur Studenten helfen, sondern auch auf die in seinen Augen „unerträgliche Wohnungspolitik in Frankfurt“ aufmerksam machen.

Applaus der Erstsemester

Und weil OB Feldmann weiß, dass er bei der Begrüßungsveranstaltung der Erstsemester potenzielle Helfer im Kampf um einen neuen Stadtteil im Nordwesten der Stadt vor sich sitzen hat, betreibt er gleich ein wenig Politik: 10 000 preiswerte Wohnungen wolle er dort schaffen, sagte er. Er habe zwar Respekt davor, dass es Frankfurt um die 25 Prozent agrarwirtschaftlich genutzte Flächen gehe. „Aber wenn gut 37 000 Menschen bezahlbare Wohnungen suchen, dann braucht es die Positionierung eines Oberbürgermeisters, dass es vielleicht auch mit 22 Prozent Agrar-Flächen geht.“ Für diese Aussage erntet Feldmann dann auch den Applaus der Erstsemester.

Unipräsidentin Professor Dr. Birgitta Wolff mahnte, bei allen Festen und Parties die Vision nicht aus den Augen zu verlieren, am Ende einen Studienabschluss in der Tasche zu haben. Sie präsentierte ein paar eindrucksvolle Zahlen der Uni, die 4735 Menschen beschäftigt, davon 2255 wissenschaftliche Mitarbeiter. Die Hochschule hat 2017 ein Budget von rund 560 Millionen Euro. Und die Universität ist bunt: 16 Prozent der 48 000 Studenten – das sind gut 1000 mehr als im Vorjahr – besitzen eine nicht-deutsche Staatsangehörigkeit.

In diesem Wintersemester gibt es nach fünf Jahren zum zweiten Mal eine universitätsweite Befragung, in der die Studenten artikulieren können, wie zufrieden sie mit den Studienbedingungen sind. Nach dem Begrüßungsritual nutzten sie die Zeit zum Abholen ihrer Goethe-Karte, mit der sie Bücher ausleihen und Bahn fahren können, und ihrer „Ersti-Tasche“. Am Abend gab es im Casino auf dem Campus Westend eine große Feier, bei der die zähe Wohnungssuche vielleicht wenigstens für ein paar Stunden in Vergessenheit geraten konnte.

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