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Taxi-Gewerbe: Frankfurter Taxi-Unternehmen: Wachsen oder sterben

Von Wachsen oder weichen – das sind die Alternative, vor denen Taxizentralen stehen. Nicht erst, seit der Mindestlohn gilt und Apps als Konkurrenz auftreten, kämpfen viele herkömmliche Fahrtenvermittler um ihre Existenz. Andere – wie Taxi Frankfurt oder Main-Taxi – expandieren in die Nachbarstädte.
1712 Taxis gibt es in Frankfurt, aber kaum noch kleine Unternehmen. Wie hier am Hauptbahnhof ballt es sich oft an den zentralen Plätzen der Stadt. Foto: dpa Foto: Andreas Arnold (dpa) 1712 Taxis gibt es in Frankfurt, aber kaum noch kleine Unternehmen. Wie hier am Hauptbahnhof ballt es sich oft an den zentralen Plätzen der Stadt. Foto: dpa
Frankfurt. 

Seit 15 Jahren sind Ralph und Holger Brück im Geschäft. Ralph Brück (50) kommt aus dem Taxi-Gewerbe. „Damals“ – vor 15 Jahren – „war die richtige Zeit, einen eigenen Vermittlungsdienst zu gründen.“ Wer anfangs die „733 030“ wählte, hatte ihn oder seinen Bruder Holger am Apparat, und das 24 Stunden täglich an sieben Tagen in der Woche. 15 Autos fuhren anfangs, vermittelt von den Brüdern.

Inzwischen sind es mehr als 400 Taxis, und den Telefondienst erledigen längst die etwa 20 Beschäftigten. Main-Taxi ist gewachsen und wächst weiter. Längst ist die Firma in größere Räume gezogen.

„Wir versuchen, die Globalisierung zu überleben“, sagt Ralph Brück. Das sei schwer, aber möglich. Andere, die nicht frühzeitig genug reagiert haben, bleiben auf der Strecke. Brück hat dies schon vor Jahren beobachtet.

Expansion

Vor etwa vier Jahren hat das Unternehmen aufgehört, sich rein auf den Frankfurter Markt zu konzentrieren. „Hier gibt es 1712 Taxis, von denen 220 bei uns unter Vertrag stehen. Unsere Chance ist das Umland.“ Seit kurzem vermitteln die Brücks auch Taxifahrten in Mainz. Zuvor schon expandierten sie nach Fulda und nach Dreieich. Diese Möglichkeiten bieten sich, weil viele kleinere Taxivermittlungen dort nicht mehr rentabel arbeiten können.

„In den schwachen Zeiten“, beobachtet Hans-Peter Kratz, Vorsitzender der Taxi-Vereinigung Frankfurt, „kriegt man einfach nicht mehr genügend Vermittlungen zusammen, um den Lohn für den Telefondienst zu erwirtschaften.“ Da müsse es die Masse bringen.

Die alten Zentralen, früher für eine Kommune zuständig, bei denen man jeden Taxifahrer mit Vornamen kannte, werden zu Call-Centern, die sich überall befinden können. Kratz bedauert dies: „Das ist der Raubtierkapitalismus. Ludwig Erhard wird in seinem Grab zu einem Brummkreisel, wenn er sieht, was aus der sozialen Marktwirtschaft wird.“ Aber ändern könne man dies nicht mehr.

Auch die große Genossenschaft Taxi Frankfurt, Marktführer in der Stadt, ist expandiert und vermittelt mittlerweile Fahrten in Rüsselsheim und Wiesbaden, Offenbach und Hanau. „Wir machen das seit 2004“, sagte Geschäftsführer Dieter Schlenker. 1100 Fahrzeuge gehören zur Stadt-Flotte der Genossenschaft, hinzu kommen inzwischen 250 Taxis im Umland.

„Wir sind nicht offensiv expandiert, wir wurden angesprochen. Zum Teil mussten wir die Taxi-Vermittlung erst wieder aufbauen“, berichtet Schlenker. Inzwischen beschäftigt Taxi Frankfurt 80 Mitarbeiter in der Zentrale. 10 000 Fahrten werden täglich vermittelt.

Aufträge per Telefon

Möglich macht dies auch der technische Fortschritt: Greift der Kunde etwa in Rüsselsheim zum Hörer, um ein Taxi zu bestellen, wird das Gespräch nicht nur automatisch zur Zentrale in Frankfurt umgeleitet. Das Programm erkennt auch, woher der Anruf kommt und schickt den Auftrag anschließend automatisch an ein Rüsselsheimer Taxi, und zwar an das, das der Adresse am nächsten ist. Ermittelt wird dies über das GPS-System des Fahrzeugs. „Einfache Aufträge kann man inzwischen problemlos per App erteilen“, weiß Brück. „Aber wir leiden darunter nicht. Es gibt viele Kunden, die lieber das persönliche Gespräch führen und auf Besonderheiten hinweisen.“ Etwa auf körperliche Beeinträchtigungen. Schlenker bestätigt das. 85 Prozent der Fahrten würden nach wie vor über das Telefon gebucht, nur 15 Prozent über eine App.

Die Brücks hingegen gehen schon mal aktiv auf Werbetour. Aber mit Bedacht: „Wir sagen: mit kleinen Schritten, dafür sicher.“ Beispiel Mainz. Dort ist Main-Taxi erst seit kurzem aktiv. In der rheinlandpfälzischen Hauptstadt gibt es etwa 200 Taxis. 50 davon möchte Brück unter Vertrag haben, und erst wenn dieses Ziel erreicht ist, schaut er die nächste Kommune an.

Den umgekehrten Weg, nämlich dass eine Vermittlungszentrale aus Dreieich oder Rüsselsheim in Frankfurt aktiv geworden wäre, hat Ralph Brück noch nicht erlebt. „Je größer die Stadt, um so größer der Aufwand und die erforderlichen Mittel für Werbung.“

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