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Zu wenige Einsätze: Frankfurter Wehrleute fühlen sich unterfordert

Von Ein langjähriges Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr kritisiert den Einsatz bei der Bombenentschärfung im Westend. Die ehrenamtlichen Kräfte hätten sich zwar das ganze Wochenende über in Bereitschaft halten müssen, mitunter aber kaum etwas zu tun gehabt. In Freiwilligen Feuerwehren wird immer mal wieder die Klage über zu wenige Einsätze laut.
Die Weltkriegsbombe ist entschärft, alles ging gut. Auch deshalb mussten die Bereitschaftsdienste der Freiwilligen Feuerwehren Anfang September, als 60 000 Frankfurter evakuiert wurden, nicht ausrücken. Nun beklagt ein „Freiwilliger“, dass er und Kollegen in den Konzepten der Berufsfeuerwehr stets nur eine untergeordnete Rolle spielen. Bilder > Foto: Bernd Kammerer (Presse- und Wirtschaftsdienst) Die Weltkriegsbombe ist entschärft, alles ging gut. Auch deshalb mussten die Bereitschaftsdienste der Freiwilligen Feuerwehren Anfang September, als 60 000 Frankfurter evakuiert wurden, nicht ausrücken. Nun beklagt ein „Freiwilliger“, dass er und Kollegen in den Konzepten der Berufsfeuerwehr stets nur eine untergeordnete Rolle spielen.
Frankfurt. 

Der Großeinsatz bei der Bombenentschärfung im Frankfurter Westend Anfang September war ein Riesenerfolg für die Branddirektion. Die Evakuierung eines Gebiets, in dem sich normalerweise 60 000 Menschen aufhalten, wird als eine der größten logistischen Leistungen der Nachkriegszeit in die Stadtgeschichte eingehen.

Trotzdem übt ein langjähriges Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr gegenüber dieser Zeitung Kritik an der Einsatzplanung. Der ehrenamtliche Brandbekämpfer, der anonym bleiben möchte, ist der Auffassung, dass es „erhebliche Reibungsverluste“ gegeben habe und „die ganze Sache nicht so richtig gelaufen“ sei.

Konkret kritisiert der Brandbekämpfer, dass sich „seine“ Freiwillige Feuerwehr zwar das ganze Wochenende über in Bereitschaft habe halten müssen, dann aber kaum eingesetzt worden sei. Vor allem den Samstag, den Tag vor der Entschärfung, hätten die Einsatzkräfte mit „Herumsitzen im Feuerwehrhaus“ zugebracht. Außer einem kleinen Auftrag sei nichts zu tun gewesen. Auch der Großteil des Sonntags sei ohne Einbindung ins Einsatzgeschehen verstrichen. „Da hätten wir auch daheim Rasen mähen können“, sagt der Ehrenamtler.

Nur selten Brandeinsätze

Der Feuerwehrmann will gehört haben, dass es bei anderen der insgesamt 28 Freiwilligen Feuerwehren in Frankfurt ähnlich lief. Bei einer Einsatznachbesprechung in einem Wehrführerseminar sei das „Problem“ kürzlich auch angesprochen worden. Der Brandbekämpfer räumt ein, dass zur Vorbereitung des Großeinsatzes wenig Zeit war. „Es ist aber ärgerlich, wenn man sich auf einen solchen Einsatz einstellt, morgens motiviert erscheint und sich dann langweilen muss.“

Der Feuerwehrmann findet, dass das Ereignis exemplarisch für die Situation der Freiwilligen Feuerwehren in der Stadt ist. Diese seien „vom Tagesgeschäft ziemlich abgehängt“, weil die Stadt über eine hochprofessionelle Berufsfeuerwehr mit einem bestens geknüpften Netz von Staffelwachen verfüge. „Bei 90 Prozent aller Einsätze reicht ein Fahrzeug der Berufsfeuerwehr aus, da wird die Freiwillige Feuerwehr gar nicht gebraucht“, schätzt er. „Wenn junge, freiwillige Feuerwehrleute gut ausgebildet und motiviert in den Einsatzdienst kommen, kann es ihnen durchaus passieren, dass sie jahrelang keinen einzigen Brandeinsatz miterleben.“

Der für die Freiwilligen Feuerwehren zuständige Stadtbrandinspektor Dirk Rübesamen sagt über den Großeinsatz anlässlich der Bombenentschärfung, dass es sich um ein nie dagewesenes „Mammutereignis“ mit sehr vielen Organisationseinheiten und noch mehr Einsatzkräften gehandelt habe. Da habe man nicht einfach einen Plan aus der Schublade ziehen können, der die perfekte Einbeziehung aller Freiwilligen Feuerwehren gewährleistete. Rübesamen, der bei der Evakuierung Anfang September im Einsatzstab mitarbeitete, betont, dass alle Freiwilligen Feuerwehren etwas zu tun gehabt hätten – „einige eher früher, andere eher später“.

Für „einen Feuerwehrmann, den es in den Füßen kribbelt und der auf einen Einsatz wartet“, hat Rübesamen Verständnis. Die meisten Kollegen könnten mit solchen Situation aber umgehen, weil „ein Teamdenken“ da sei. Rübesamen vermutet, dass der Beschwerdeführer innerhalb der Freiwilligen Feuerwehren „eine Einzelstimme“ ist. Er verteidigt die Entscheidung, die Freiwilligen Feuerwehren das ganze Wochenende über in Bereitschaft zu halten. Die ehrenamtlichen Kräfte hätten als „Rückhalt“ für die Berufsfeuerwehr gedient – auch für den Fall einer Detonation der Bombe, in dem sofort ein großer Bedarf nach Personal entstanden wäre.

Der Stadtbrandinspektor betont die Wichtigkeit der Freiwilligen Feuerwehren. Diese werden in Frankfurt, je nach Alarmstichwort, werktags zwischen 18 Uhr und 6 Uhr sowie an Wochenenden und Feiertagen rund um die Uhr zusätzlich zur Berufsfeuerwehr alarmiert. Die Zahl der Einsätze liege zwischen 400 und 500 pro Jahr, sagt Rübesamen. Dass bei manchen Wehren nur zehn, zwölf Einsätze jährlich zusammenkommen, könne schon vorkommen. Missstimmung unter den 850 Freiwilligen Feuerwehrleute herrsche aber nicht.

Profis beschwichtigen

„Wir brauchen die Freiwilligen Feuerwehren für alles, was über das Alltagsgeschäft hinausgeht“, hebt Markus Röck, Sprecher der Branddirektion, hervor. „Wenn zum Beispiel ein Müllcontainer brennt, reicht die Berufsfeuerwehr aus, um das Feuer zu löschen. Wenn bei einem Starkregen plötzlich 100 Keller volllaufen oder es einen komplizierten Großbrand zu bekämpfen gilt, sieht es schon anders aus – dann geht es nicht ohne freiwillige Feuerwehrleute.“ Die Branddirektion schätze das Engagement jedes einzelnen ehrenamtlichen Kameraden. „Die Freiwillige Feuerwehr ist ein wesentlicher Bestandteil des Frankfurter Feuerwehrkonzepts.“

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