Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Laufsport - Alles rund um den Mainova Frankfurt Marathon ... Frankfurt am Main 11°C

Enttäuschung über Synode-Ergebnis: Frankfurts Katholiken erhofften sich mehr

Von Am Wochenende ist die Bischofssynode in Rom zu Ende gegangen. Klare Ergebnisse gibt es nicht. Zu weit lagen die Positionen der 270 Bischöfe auseinander. Frankfurter Katholiken jedoch haben nicht viel mehr erwartet.
Ansgar Wucherpfennig Ansgar Wucherpfennig
Frankfurt. 

Statt wiederverheiratete Geschiedene pauschal zur Kommunion zuzulassen, verlangt die Familiensynode in ihrem Schlusspapier Einzelfallentscheidungen. Homosexualität ist weitgehend ausgeklammert. Für viele Katholiken in Frankfurt ist das jedoch nicht überraschend.

„Die Weltkirche ist groß. Die Deutschen sind vielleicht weiter als andere“, sagt Matthias Thiel, stellvertretender Vorsitzender der Stadtversammlung der Frankfurter Katholiken. In dem Gremium sind Pfarrgemeinderäte aller Gemeinden vertreten. „Der Vorteil der Synode war, dass sie sich mit den heiklen Themen überhaupt auseinandergesetzt hat und dass auch wir Laien beteiligt worden sind.“ Die pastorale Praxis sei in vielen Gemeinden ohnehin schon weiter.

Realismus

Johannes zu Eltz Bild-Zoom
Johannes zu Eltz

Stadtdekan Johannes zu Eltz hat bei den Katholiken am ersten Tag, nachdem das Ergebnis der Synode bekanntgeworden ist, Realismus gespürt. „Die Frankfurter sind nüchterne Menschen. Sie wussten, mehr war nicht zu erwarten.“ Immerhin sind bei der Synode zu jedem Punkt Zweidrittel-Mehrheiten erforderlich, und die Positionen in der Weltkirche liegen weit auseinander. Er selbst sieht sich in seinen seelsorgerischen Positionen bestätigt: „Ich bin als Pfarrer mit vielen Situationen konfrontiert, und was die Synode empfiehlt, nämlich barmherzig auf den Einzelfall einzugehen, ist für Pfarrer ohnehin die tägliche Praxis.“ Paare, die geschieden und wiederverheiratet sind, kommen oft auch mit schlechtem Gewissen in den Gottesdienst – und zur Kommunion. „Die muss man nicht noch zusätzlich demütigen.“ Großherzig und diskret zu reagieren, dem Einzelfall gerecht, das sei, was nun auch die Synode empfehle. „Es ist ein vorsichtiger Schritt in die richtige Richtung.“

Werner Otto ist Pfarrer in der Gemeinde Sankt Bonifatius in Sachsenhausen und bekannt für eher progressive Positionen. In seiner Gemeinde, glaubt er, habe niemand sehr große Erwartungen an die Bischofssynode gehabt. „Ich selbst bin enttäuscht“, so Otto. „Was die Frage der wiederverheirateten Geschiedenen angeht, hatte ich auf einen Richtungswechsel gehofft. Jetzt wird das Problem wieder nur verschoben.“ Eine mutige Entscheidung ist im Abschlussdokument nicht gefallen. „Die deutschsprachigen Bischöfe sind in ihrem Dokument viel weiter gegangen, hat davon gesprochen, dass wiederverheiratete Geschiedene und auch Homosexuelle von der Kirche unrecht getan wurde. Diese werden um Verzeihung gebeten“, sagt Werner Otto. Diesen Mut hätte er sich auch im für alle verbindlichen Abschlussdokument gewünscht.

Aus einem anderen Grund bewertet Werner Otto die Synode positiv: „Die Bischöfe haben eine sehr offene Diskussion geführt. Es wurde klar, dass es unterschiedliche Meinungen gibt.“ Das sei schon ein Fortschritt. Was die Frage der wiederverheirateten Geschiedenen in St. Bonifatius angeht, erklärt Pfarrer Otto, dass er keinem getauften Katholiken die Teilnahme an der Kommunion verweigert.

„25 Jahre Schweigen“

Der Jesuit Dr. Ansgar Wucherpfennig, Rektor der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen, ist verhalten optimistisch: „Der Papst hat noch Optionen, weiter zu gehen.“

Bei seinen Studenten hat Wucherpfennig kein einheitliches Bild feststellen können: Manche seien sehr konservativ, andere progressiv, und entsprechend unterschiedlich nehmen sie die Ergebnisse der Synode auf.

„Viele sagen jedoch, die Kirche sollte sich für 25 Jahre komplett in Schweigen hüllen, was Sexualmoral angeht, und einfach nur zuhören.“ Er selbst, so Wucherpfennig, teile diese Meinung absolut.

Zur Startseite Mehr aus Frankfurt

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse