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Nach G20-Protesten: Frankfurts Linksradikale feiern Krawalle in Hamburg als Erfolg

Von Aktivisten der linken Szene in Frankfurt haben sich zur Nachbereitung der Hamburger Krawalltage getroffen. Selbstkritik war kaum zu hören. Stattdessen wurden die Anti-G 20-Proteste als großer Erfolg gefeiert. Nicht die linksextreme Gewalt, sondern die der Polizei sei das Problem.
Während die breite Öffentlichkeit vom unerwarteten Ausmaß linksextremer Gewalt in Hamburg noch geschockt ist, herrscht im Frankfurter Café Exzess große Zufriedenheit über die Anti-Gipfel-Proteste. Foto: Axel Heimken (dpa) Während die breite Öffentlichkeit vom unerwarteten Ausmaß linksextremer Gewalt in Hamburg noch geschockt ist, herrscht im Frankfurter Café Exzess große Zufriedenheit über die Anti-Gipfel-Proteste.
Frankfurt. 

Die Fenster sind mit schwarzer Folie verhängt. In der schummrigen Halle sitzen rund 50 Leute in einem großen Stuhlkreis. Einige, die später kommen, setzen sich darum herum. Vom jungen Studenten bis zum alten Veteranen ist alles dabei. Es wird geraucht und Bier aus der Flasche getrunken. Auf dem Etikett prangt eine Gasmaske, darunter der Name „Sabotage Pils“, gebraut in Berlin-Kreuzberg.

Frankfurts linke Szene hat sich am Dienstagabend an einem ihrer Treffpunkte versammelt, dem Café Exzess in Bockenheim. Man will über die Proteste gegen den G 20-Gipfel in Hamburg vor knapp zwei Wochen sprechen, an denen offenbar einige der Gesprächsteilnehmer beteiligt waren. „Denkt daran, dass hier auch Zivis sitzen können“, sagt die Diskussionsleiterin. Sie meint keine Zivildienstleistenden, sondern Polizisten ohne Uniform. „Also bitte keine Details dazu, wer wann was gemacht hat.“

Vorsichtige Distanzierung

Wer wann was genau gemacht hat: Diese Frage beschäftigt auch die aufgewühlte Öffentlichkeit, seitdem Bilder von einem über mehrere Stunden außer Kontrolle gerateten Stadtteil um die Welt gingen. Brennende Barrikaden, geplünderte und verwüstete Läden, vermummte Randalierer, die den Wasserwerfern der Polizei ihre Mittelfinger entgegenstreckten. Der Schock über die in diesem Ausmaß unerwartete Gewalt sitzt immer noch tief. Politiker fordern, linke Zentren, die als Rekrutierungs- und Rückzugsraum für Gewalttäter dienen, zu schließen. Doch im Frankfurter Café Exzess, das die Stadt als Eigentümerin durch vergünstigte Miete unterstützt, herrscht große Zufriedenheit. Selbstkritik an den aus dem Ruder gelaufenen Protesten wird so gut wie nicht geäußert. Und wenn, dann nur in Form vorsichtiger Distanzierungsversuche. „Es ist vielleicht nicht alles 100 Prozent gut gelaufen“, sagt ein Mittdreißiger. „Aber ich will das nicht kommentieren. Jeder muss für sich selbst entscheiden, welche Aktionsform er wählt.“

Mit Plakaten wurde für die Teilnahme an den Protesten geworben. Bild-Zoom
Mit Plakaten wurde für die Teilnahme an den Protesten geworben.

Die meisten, die sich zu Wort melden, loben die Unterstützung der Hamburger Bevölkerung. „Da kamen Leute aus den Kneipen heraus und haben die Bullen mit Flaschen beworfen“, schwärmt einer, der schon auf einigen Demonstrationen gewesen sein muss. „Das war eine tolle Stimmung, so viel Unterstützung. Das will ich hier in Frankfurt auch haben.“

„Bullen“ sind die Bösen

Dass die Proteste als Erfolg zu verbuchen sind, darüber herrscht Einigkeit in der abgedunkelten Halle. „So schnell wird kein G 20-Gipfel mehr in einer deutschen Großstadt stattfinden“, freut sich eine Frau. Und eine andere, die als Demo-Sanitäterin im Einsatz war, ruft ihre Frankfurter Mitstreiter dazu auf, die „positive Stimmung“ aus Hamburg weiterzutragen.

Ein jüngerer Mann mit herausgewachsenen blonden Strähnen im Haar hat eine Anregung. An den „Riots“, wie einige Gesprächsteilnehmer die Ausschreitungen im Hamburger Schanzenviertel nennen, hätten sich viele „migrantische“ Jugendliche aus den Vorstädten beteiligt. „Die haben sich spontan radikalisiert. Wir sollten darüber nachdenken, wie wir Strukturen schaffen, um dieses Potenzial zu nutzen.“ Offenbar hat er dabei auch Frankfurt im Blick. „Wir müssen denen sagen: Es ist gut, wenn ihr Flaschen auf die Bullen werft. Aber macht das nicht, ohne euch zu vermummen.“

Die Bullen sind die Bösen, auch darüber herrscht Einigkeit. Polizei und Politik hätten es von Anfang an darauf angelegt, die Demonstranten niederzuknüppeln. Die Eskalation der Gewalt sei vom staatlichen Repressionsapparat gewollt gewesen. Und die Medien hätten dazu beigetragen, indem sie in Zerrbildern über die in Wahrheit größtenteils friedlichen Proteste berichtet hätten.

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