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Architektur: Frankfurts fast vergessene Holzmann-Türme

Kein Bauunternehmen hat das Antlitz Frankfurts so geprägt wie Philipp Holzmann. Konzern-Veteran Harald Zapke möchte die Erinnerung an seinen alten Arbeitgeber und sein Wirken wachhalten.
Harald Zapke vor der Baustelle des neuen Omniturms. Bilder > Harald Zapke vor der Baustelle des neuen Omniturms.
Innenstadt. 

In der Großen Gallusanlage nahm Frankfurts Höhenrausch einst seinen Anfang. Nun steht das Ende des Hochhauses der Deutschen Bank bevor, das Anfang der siebziger Jahre gebaut wurde und seinerzeit der erste Frankfurter Bankenturm war. Der Abbruch könne nur noch eine Frage von Tagen sein, schätzt Harald Zapke.

Dass der Abriss des zwar nicht besonders schönen, aber bedeutenden Gebäudes nicht für den gleichen Wirbel sorgt wie sein Bau, liegt am Unternehmen, das ihn in die Höhe zog. Der Frankfurter Baukonzern Philipp Holzmann hatte das 93 Meter hohe Hochhaus der Deutschen Bank in zwei Jahren Bauzeit entstehen lassen. Im Jahr 2002 ging der Konzern pleite, Zehntausende Mitarbeiter verloren ihren Job.

Zapke hatte bereits vor dem Ende des Baukonzerns die Firma gewechselt. Den Bauarbeiterhelm und die Jacke mit dem markanten weißen H vor rotem Hintergrund trägt er heute trotz des unrühmlichen Endes seines Jahrzehnte langen Arbeitgebers noch mit voller Überzeugung. „Einmal Holzmann, immer Holzmann“, lautet Zapkes Credo, das ihn auf eine Mission geführt hat.

Veteranen-Initiative

Der Mann aus Langen möchte mit seiner Initiative „Die Veteranen Holzmanns“ die Erinnerung an das Wirken des Holzmann-Konzerns am Leben halten, losgelöst von einer der größten Firmenpleiten der Nachkriegsgeschichte. Das Frankfurter Stadtbild hätte ohne die von Holzmann gebauten Gebäude wohl an vielen Stellen ein ganz anderes Gesicht. Doch ebenso wie der bevorstehende Abriss des geschichtsträchtigen Hochhauses der Deutschen Bank wurde auch das Ende anderer bedeutender Holzmann-Gebäude kaum beachtet.

Der Niedergang des ehemaligen Fernmeldehochhauses zwischen der Zeil, der Stiftstraße und der Großen Eschenheimer Straße wurde auch durch die immer höher werdenden Gebäude im Bankenviertel besiegelt. Gebaut von Holzmann zwischen 1951 und 1956 diente der Gebäudekomplex als Standort für den Fernmelde- und Postdienst der damaligen Deutschen Bundespost. „Dass auf einem Grundstück mit einer Fläche von 17 000 Quadratmetern gebaut werden konnte, lag daran, dass der Standort rund um das ehemalige Palais Thurn und Taxis im Krieg eines der Hauptangriffsziele in Frankfurt war. Alles lag in Trümmern“, erzählt Zapke.

Die hohen Türme im Bankenviertel erschwerten jedoch die Einrichtung von Richtfunkstrecken. Jene Technik zog im Jahr 1979 fast komplett in den neu gebauten Europaturm, bekannt als „Ginnheimer Spargel“, um. Die aus der Bundespost hervorgegangene Deutsche Telekom verkaufte den Gebäudekomplex im Jahr 2002. Heute befinden sich dort eine verkleinerte Rekonstruktion des barocken Palais Thurn und Taxis, das 136 Meter hohe Bürohochhaus Nextower, das Jumeirah Frankfurt Hotel sowie MyZeil.

Stadtgeschichtlich weit folgenreicher war jedoch der Bau des Zürich-Hauses in der Bockenheimer Landstraße. Das 68 Meter hohe Gebäude war eines der ersten Frankfurter Hochhäuser, als es im Jahr 1960 eingeweiht wurde. In der Eröffnungsrede kündigte Frankfurts damaliger Oberbürgermeister Werner Bockelmann an, dass die Stadt verstärkt in Richtung Westend wachsen solle. Die dortige Bauspekulation nahm daraufhin ihren Lauf und mündete im Frankfurter Häuserkampf. Im Jahr 2002 begann der Abriss des Zürich-Hochhauses. Heute steht dort der Opernturm.

U-Bahn-Anschluss

Noch markanter als dieser ist der Eurotower, einst als BfG-Hochhaus bekannt und zwischen den Jahren 1971 und 1977 erbaut. Das Gebäude wurde bis zum Jahr 1995 von der Bank für Gemeinwirtschaft genutzt. Anschließend zog dort die Europäische Zentralbank ein, für die das Gebäude umgebaut wurde. Seit Ende 2015 ist es Sitz der europäischen Bankenaufsicht. „Das BfG-Hochhaus war das einzige Frankfurter Hochhaus, das einen direkten Zugang zu einer U-Bahn-Station hatte, der heutigen Station Willy-Brandt-Platz“, sagt Harald Zapke.

Auch wenn die Bedeutung all dieser Gebäude etwas in Vergessenheit geraten ist: Zapke weiß, dass andere Holzmann-Bauten noch lange das Stadtbild der Mainmetropole und das andere europäischer Städte prägen werden. Denn auch die Alte Oper und der Frankfurter Hauptbahnhof wurden vom ehemaligen Baukonzern errichtet, ebenso das Niederwalddenkmal am Rhein, die Hamburger Speicherstadt und auch das Amsterdamer Rathaus.

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