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Stadtteile: Streit um Fluglärm: Fraport lehnt ab, Landebahn nur als Reserve zu nutzen

Von Während sich Frankfurts Umweltdezernentin und die ehrenamtliche Stadträtin noch um die Zuständigkeit beim Fluglärm streiten, geht die Debatte im Ortsbeirat 5 weiter. Die Stadtteilpolitiker fordern von der Fraport AG, die Nordwest-Landebahn nur als Reserve zu nutzen. Die will aber nicht.
Im Landeanflug: eine Boeing 767-300 der Fluggesellschaft Condor über einem Wohnhaus. Foto: Roland Holschneider (dpa) Im Landeanflug: eine Boeing 767-300 der Fluggesellschaft Condor über einem Wohnhaus.
Frankfurter Süden. 

Als eine „unerträgliche und unangebrachte Überheblichkeit“ bezeichnet Wolfgang Heubner, Sprecher der Bürgerinitiative Sachsenhausen (BIS), die Reaktion von Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) auf den von der ehrenamtlichen Stadträtin und Leiterin der Stabsstelle für Fluglärmschutz Ursula Fechter (parteilos) vorgestellten „Kritischen Fluglärm-Index“. Die neue Berechnungsmethode soll die Einhaltung von Lärmobergrenzen, die das hessische Wirtschaftsministerium in der kommenden Woche vorstellen möchte, gewährleisten. Heilig fühlte sich von dem Vorstoß überrumpelt, bezeichnete ihn als „Schnellschuss“, der nicht mit der Koalition abgestimmt gewesen sei und kritisierte ihn heftig (wir berichteten).

„Lippenbekenntnisse“

„Wir sind erstaunt, wie Teile der Politik die neue Stabsstelle für Fluglärmschutz im Römer angreifen“, so Wolfgang Heubner. Vor einem Jahr sei die Norah-Studie vorgestellt worden, die bewies, wie schädlich der Fluglärm und die Emissionen seien. „Bis auf Lippenbekenntnisse hat die Politik aber noch nicht gehandelt“, sagt Heubner. Deshalb würden die betroffenen Menschen im Frankfurter Süden Fechters Vorstoß begrüßen. „Es muss endlich leiser werden. Und der ,Kritische Fluglärm-Index‘ ist ein erster Schritt, die Entwicklung des Lärms zu überprüfen.“

Derweil wird der Krach über den Köpfen der Menschen in Oberrad, Sachsenhausen und Niederrad nicht nur im Römer diskutiert, sondern auch im zuständigen Ortsbeirat 5. In der jüngsten Sitzung des Stadtteilparlaments standen wieder zahlreiche Anträge zu diesem Thema auf der Tagesordnung. „Die Bürger warten viel zu lange auf Besserung“, sagt der Fraktionsvorsitzende der Linken, Knut Dörfel. „Fluglärm macht krank und tötet.“

Für Jan Binger von der SPD-Fraktion im Ortsbeirat ist klar: „Wir müssen den Finger immer wieder in die Wunde legen, bis es wirklich leiser geworden ist.“ Als das größte Problem für die Menschen im Frankfurter Süden sieht er die Nordwest-Landebahn an, die vor fast fünf Jahren eröffnet wurde. „Am liebsten würden wir sie außer Betrieb nehmen, aber das werden wir hier nicht realisieren können“, so Binger. Als Kompromiss wünschen sich die Sozialdemokraten und Linken allerdings, dass die Nordwest-Landebahn nur als Reserve, also als sogenannte Überlaufbahn genutzt wird.

Weniger Bürger belasten

Gegen die Stimmen der FDP wurde ein entsprechender Antrag beschlossen. Damit bittet der Ortsbeirat den Magistrat, darauf hinzuwirken, dass die Abwicklung der Maschinen wie vor Inbetriebnahme der Nordwest-Landebahn im Oktober 2011 überwiegend über die bisherigen drei Bahnen erfolgt und die neue Bahn nur in Spitzenzeiten benutzt wird. Als Begründung wird die Zahl der belasteten Menschen angeführt.

Laut Mediationsbericht würden durch die Nordwest-Landebahn mehr als 220 000 Bürger zusätzlich einem Dauerschallpegel von 60 und 62 Dezibel ausgesetzt. Zudem wird die sinkende Zahl der Flugbewegungen angeführt. Hat der Flughafen 2011 noch 487 152 gezählt, waren es 2015 nur noch 468 153. Während des Anhörungsverfahrens zur Planung der neuen Landebahn soll der Flughafenbetreiber Fraport noch eingeräumt haben, dass mit dem vorhandenen Navigationssystem bis zu 560 000 Flugbewegungen abgewickelt werden könnten.

Für die Fraport AG kommt es allerdings gar nicht in Frage, die neue Landebahn nur als Reserve zu nutzen. „Wir brauchen die Nordwest-Landebahn“, sagt ein Sprecher. Seit ihrer Inbetriebnahme vor fünf Jahren hätten sich die Prozessabläufe am Flughafen spürbar verbessert, die Pünktlichkeit konnte gesteigert werden. „Ohne die Nordwest-Landebahn könnten wir zudem das Lärmpausenmodell nicht mehr aufrechterhalten.“

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