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Cargo-City-Prozess: Freispruch für Goldman gefordert

Von Die Staatsanwaltschaft will Ardi Goldman für drei Jahre hinter Gittern sehen. Die Verteidigung des angeklagten Investors plädierte gestern für einen Freispruch. Das Urteil im Korruptionsprozess um die Cargo City Süd soll am 24. November gesprochen werden.
Mit einem großen Schluck Kakao stärkte sich Ardi Goldman, der ausnahmsweise ohne Hut erschien, für den Verhandlungstag. Foto: Bernd Kammerer (Presse- und Wirtschaftsdienst) Mit einem großen Schluck Kakao stärkte sich Ardi Goldman, der ausnahmsweise ohne Hut erschien, für den Verhandlungstag.
Frankfurt. 

Beim Betreten des Gerichtssaals nuckelte Ardi Goldman gestern scheinbar lässig am Strohhalm eines Kakaopäckchens. Im Verlauf des Verhandlungstages vor dem Frankfurter Landgericht konnte der angeklagte Investor seine Anspannung aber nicht verbergen. Während seine beiden Strafverteidiger und der Prozessbevollmächtigte seiner Firma Cargoport plädierten, wirkte der 53-Jährige nervös und kaute immer wieder an seinen Fingernägeln.

Dass Goldman gestern nicht „die Ruhe selbst“ war, ist verständlich: Nachdem die Staatsanwälte im Korruptionsprozess um die Cargo City Süd eine Haftstrafe von drei Jahren für den Investor gefordert hatten, mussten dessen Rechtsanwälte gestern einen deutlichen Gegenakzent setzen. Sie taten es mit umfangreichen Ausführungen, die unter dem Strich etwa vier Stunden dauerten. Das Ende sei vorweggenommen: Strafverteidiger Marcus Steffel beantragte bei der 12. Großen Strafkammer des Landgerichts, seinen Mandanten Goldman vom Vorwurf der Bestechung in einem besonders schweren Fall freizusprechen.

Keine Beweise

Den Anfang im Reigen der Plädierenden machte Rainer Nickel, Prozessbevollmächtigter der Cargoport Grundstücks GmbH. Diese hatte Ardi Goldman eigens für die Entwicklung eines Erbbaugrundstücks auf dem Gelände der Cargo City Süd gegründet. Nickel erinnerte daran, dass der Unschuldsvermutung in Deutschland Verfassungsrang zukomme. Die Strafverfolger hätten die Schuld eines Tatverdächtigen zu beweisen. In Goldmans Fall habe die Staatsanwaltschaft allerdings nicht belegen können, dass der Investor die Schmiergeldabrede zwischen dem ebenfalls angeklagten Makler Uwe S. und dem inzwischen tödlich verunglückten Fraport-Mitarbeiter Volker A. gebilligt habe.

Rechtsanwalt Nickel sagte, dass Ardi Goldman seiner Auffassung nach kein erkennbares Motiv für eine Bestechung hatte. Beim Flughafenbetreiber Fraport sei Goldman als Entwickler für das betreffende Grundstück schon lange vor der Unterzeichnung des Erbbaurechtsvertrags „gesetzt“ gewesen. Es habe außer Goldman „keine weiteren Interessenten“ für das Grundstück und somit auch keinen Wettbewerb gegeben. Die Behauptung, dass sich Goldman zu Schmiergeldzahlungen genötigt sah, sei deshalb „völlig unglaubhaft und lebensfremd“.

Wie die beiden anderen Rechtsanwälte Ardi Goldmans zielte auch Rainer Nickel darauf ab, die Aussagen des Maklers Uwe S. als unglaubwürdig abzustempeln. Der 55 Jahre alte, umfassend geständige Angeklagte war im seit Februar laufenden Korruptionsprozess als eine Art Kronzeuge aufgetreten und hatte Goldman belastet. S. hatte zum Beispiel ausgesagt, dass Goldman ihm für die Schmiergeldzahlungen an den Fraport-Mitarbeiter Volker A. mit der Aufforderung „Tu, was getan werden muss!“ eindeutig grünes Licht gegeben habe.

„Rücksichtslose Person“

Goldman-Verteidiger Marcus Steffel bezeichnete das Aussageverhalten des Maklers Uwe S. als „wechselhaft“ und „nicht geeignet“, um daraus Schlüsse auf eine Schuld seines Mandanten zu ziehen. Der Rechtsanwalt stellte den Makler als egoistische, rücksichtslose Person dar, die auch nicht davor zurückschrecke, über viele Jahre gewachsene Freundschaften für ihre Zwecke auszunutzen.

Marcus Steffel räumte im Hinblick auf Zwischenrufe Goldmans vor Gericht und eine bitterböse SMS des Investors an den Makler Uwe S. zwar ein, dass das Verhalten seines Mandanten mitunter „nicht in Ordnung“ gewesen sei; mit den gegen diesen erhobenen Vorwürfen und deren Aufklärung hätten diese Dinge aber „herzlich wenig“ zu tun. Im Übrigen sei Goldman „ein kreativer, aber auch ein emotionaler Mensch“. Zwischen dem geständigen Uwe S. und Goldman, der alle Vorwürfe zurückweist, hatte sich im Laufe des Prozesses eine Art Kalter Krieg entwickelt – eine Spuckattacke Goldmans auf Uwe S. inklusive.

Rechtsanwalt Steffel betonte, dass es im Falle Ardi Goldmans keiner kriminellen Energie bedurft habe, um an das Grundstück in der Cargo City Süd zu kommen. Es habe keinen anderen Wettbewerber gegeben, der die Belange der Fraport hätte erfüllen können. In seiner langjährigen Tätigkeit als Investor habe sich Goldman „konsequent“ gegen illegale Geschäftspraktiken verwahrt. Auch im vorliegenden Fall habe es keine Straftat, sondern allenfalls „Unkorrektheiten“ gegeben.

Goldman-Verteidiger Christoph Schmihing legte bei der Kritik an Uwe S. noch eine große Schippe drauf: Der Makler habe „fast alles an Wahrheit verbogen, was zu verbiegen war“. Schmihing ging aber auch mit der Staatsanwaltschaft scharf ins Gericht: Diese habe bei ihren Ermittlungen eine „vorgefasste Meinung“ gehabt und in der Verhandlung „Fragen an der Lebenswirklichkeit vorbei“ gestellt. Die Staatsanwälte hörten den Vorträgen mal belustigt, mal kopfschüttelnd zu.

Nächsten Dienstag wird die Verteidigung des Maklers Uwe S. plädieren. Das Urteil im stark beachteten Prozess soll dann am 24. November folgen.

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