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Gärten in Bornheim: Freizeitgärtner fürchten um Existenz

Rund 200 sogenannte „Freizeitgärtner“ in der Gartensiedlung um die Dortelweiler Straße herum fürchten um ihre Parzellen. Laut Informationen aus dem Planungsdezernat werden einige von ihnen zugunsten des Plans für das Ernst-May-Viertel ihr Fleckchen Grün verlieren.
Hannsjörg Brecht fürchtet, dass er seinen geliebten Freizeitgarten an der Dortelweiler Straße verlassen muss. Foto: Rainer Rüffer (Rainer Rüffer) Hannsjörg Brecht fürchtet, dass er seinen geliebten Freizeitgarten an der Dortelweiler Straße verlassen muss.
Nordend. 

Der eigene Garten als Refugium, als Rückzugsort vom Trubel und der verbrauchten Luft in der Stadt – glücklich schätzen sich die rund 200 Kleingärtenpächter rund um die Dortelweiler Straße und im südlichen Huthpark. Doch wie lange bleiben ihnen ihre sogenannten „Freizeitgärten“ noch erhalten? Schließlich plant die Stadt zwischen Friedberger Landstraße und der A 661 im Rahmen des Ernst-May-Viertels und des Innovationsquartiers großflächig Wohnraum entstehen zu lassen. Fest steht nach Mark Gellert, Sprecher des Planungsdezernats, zwar noch wenig: Welche Freizeitgärtenparzellen wann geräumt werden müssen, sei noch nicht in trockenen Tüchern.

 

Rechte eingeschränkt

 

„Aber im Einhausungsplan, der seit 2011 auf einen Beschluss der Stadtverordnetenversammlung hin erarbeitet wird, und in den Plänen für das Ernst-May-Viertel, das die Stadtteile Bornheim, Nordend, und Seckbach betrifft, war schon immer enthalten, dass auch einige der Gärten weichen müssten“, sagt Gellert. Die „Freizeitgärten“ seien eben keine „Kleingärten“ und somit auch mit weniger Bestandschutzrechten versehen. Mit einigen Pächtern sowie Eigentümern von Gärten sei bereits gesprochen worden, eine Überraschung hätte die Information, dass diese Gärten nicht für immer in ihren Händen verbleiben würden, eigentlich nicht sein können, sagt Gellert.

Anders sehen das aber viele der rund 200 Pächter. Das Gemunkel über die Auflösung der Gartenanlage erwischte einige von ihnen kalt, wie Rentner Friedrich Giesemann, dessen Familie in vierter Generation seit 1918 ein kleines Stück Grün an der Dortelweiler Straße bewirtschaftet. Die Pächterin Juli Wünsch wandte sich in Sorge um ihren Garten selbst ans Liegenschaftsamt, das ihr bestätigte, dass sie ihre zweite Heimat in den nächsten Jahren eventuell aufgeben müsse. „Das wird mich vor konkrete Probleme stellen“, sagt Wünsch. „Als Veganerin lebe ich quasi von meinem Garten.“

 

Initiative gründen

 

Die Unsicherheit über die Zukunft der Freizeitgärten quält die Gärtner, aber damit nicht genug: Mit der Begründung, ihren Betriebshof an der Wetteraustraße zugunsten eines Neubaus im Gallus aufzulösen, hat das Grünflächenamt angekündigt, im kommenden Jahr zu einem noch zu benennenden Zeitpunkt die Wasserversorgung der Gartensiedlung einzustellen. Freizeitgärtner Hannsjörg Brecht vermutet hinter der Entscheidung ein Kalkül: „Wir haben zwar noch für dieses Jahr Wasser zugesagt bekommen, aber danach werden wir hier wohl ausgetrocknet, bis ohnehin keiner mehr Lust hat, dazubleiben.“ Aber schon bevor das passiert wollen sich Brecht, Wünsch, Giesemann und ihre Mitstreiter für den Erhalt ihrer Anlagen stark machen. Derzeit sammeln sie Unterstützer und sind auf der Suche nach einer Organisations- und Rechtsform.

Das Planungdezernat verspricht zwar laut Sprecher Gellert Entschädigungen für den Fall der Räumung der Gärten. „Wir suchen nämlich schon nach Alternativen für die Pächter in der Umgebung.“ Ob der Ersatz allerdings zeitnah und räumlich ansprechend gewährleistet werden kann, sei aber noch, genau wie der Startschuss für die Baumaßnahmen, weitgehend unklar. Zu konkreter Hilfe sah sich am Donnerstagabend auch der Ortsbeirat 3 (Nordend) nicht in der Lage. Fraktionsübergreifend wurde den anwesenden Kleingärtnern aber geraten, die Idee der Vernetzung und des gemeinsamen Protests weiterzuverfolgen.

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