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Gräber: Friedhöfe sind nicht mehr ausgelastet

Friedhöfe sehen sich vor eine neue Herausforderung gestellt: Immer weniger Menschen entscheiden sich etwa in Frankfurt für eine Sargbestattung. Die Folgen: Flächen bleiben auf Friedhöfen ungenutzt.
Neues Portal des Frankfurter Hauptfriedhofs mit Krematorium, Schornstein und Grünflächen Foto: Peter Braunholz (picture-alliance) Neues Portal des Frankfurter Hauptfriedhofs mit Krematorium, Schornstein und Grünflächen
Frankfurt. 

Angesichts einer schrumpfenden Zahl von Bestattungen sinkt der Platzbedarf auf Friedhöfen in hessischen Großstädten rapide. In Kassel würden von den derzeit 94 Hektar Fläche bis 2030 voraussichtlich nur noch 60 Prozent benötigt, sagte der Kasseler Stadtbaurat Christof Nolda (Grüne). Auch in Frankfurt sei der gleiche Trend spürbar, sagte Thomas Bäder, Leiter der Abteilung für Friedhofsangelegenheiten bei der Stadt Frankfurt, gestern.

Das liege unter anderem daran, dass Urnenbestattungen inzwischen rund 70 Prozent der Beerdigungen ausmachten, sagten Nolda und Bäder. Eine Urnenbeisetzung nehme eben nicht so viel Fläche in Anspruch wie die Bestattung in einem Sarg.

Begräbnis in Heimatregion

Neben der Urnenbestattung gehe der Trend generell zu pflegeleichten Gräbern wie zum Beispiel Rasengräbern, erklärte Bäder weiter. Vor allem im Rhein-Main-Gebiet komme noch hinzu, dass viele Menschen nur für einige Jahre in Städten wie Frankfurt lebten und arbeiteten. Ein Begräbnis wünschten sich diese Menschen meistens in ihrer Heimat.

Bestimmte Flächen auf den Friedhöfen, die sich – mit Ausnahme des jüdischen Friedhofes – komplett in der Trägerschaft der Evangelischen Kirche befinden, würden schon jetzt nicht mehr belegt, sagte Nolda. Unter Umständen müsse auch über Schließungen von Friedhöfen nachgedacht werden.

Dafür gebe es historische Beispiele, wie etwa der schon lange geschlossene Friedhof an der Kasseler Lutherkirche zeige. Laut einer Untersuchung lasse sich jeder vierte Verstorbene aus Kassel außerhalb der Stadt wie etwa in einem Friedwald oder auf See bestatten.

Christine Streck-Spahlinger von der Frankfurter Friedhofskommission bestätigte eine steigende Beliebtheit von Friedwäldern. Darauf habe die Stadt bereits reagiert und werde etwa im Waldfriedhof Oberrad und dem Friedhof Westhausen Baumbestattungen anbieten. Schließungen von Friedhöfen hätten bisher verhindert werden können, sagte die Pfarrerin.

Spielplätze und Konzerte?

Die Friedhofskommission mit Vertretern der Kirche, Stadt sowie Friedhofsgärtnern und Steinmetzen ist nach den Worten von Streck-Spahlinger in ständigen Gesprächen darüber, wie die vielen freien Flächen auf den Friedhöfen sinnvoll genutzt werden können. Überlegungen seien zum Beispiel Spielplätze oder auch Cafés, in denen Besucher miteinander ins Gespräch kommen können.

Dirk Pörschmann, Direktor des Sepulkralmuseums in Kassel und Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal, hob hervor, dass Friedhöfe Orte der Trauer und der Kultur und nicht der „Entsorgung“ seien. Um die Friedhöfe wieder attraktiver zu machen regte er an, angemessene, sinnliche Beiträge wie etwa Konzerte auch auf Friedhöfen zu veranstalten.“

(epd)

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