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Frisch, Gesellen, seid zur Hand!

Die Vereinigung der fremden und einheimischen Zimmerer und Schieferdeckergesellen und die Gesellschaft der fremden und einheimischen Maurer und Steinhauergesellen treffen sich noch bis Sonntag zum alljährlichen Himmelfahrtstreffen der Wandergesellen in Griesheim. Mehrere Hundert kamen in traditioneller Tracht aus ganz Deutschland und feierten beim Frühschoppen im Festzelt auf dem Sportplatz der SG 1928. Natürlich kam auch das Brauchtum nicht zu kurz.
Auch beim Fußball wird die Tracht nicht gegen Trikots getauscht. Die Kleidungsstücke haben eigene Namen: Der Hut ist der "Obermann", das schmale Krawattenband heißt "Ehrbarkeit", und der dicke, gewundene Stock ist der "Stenz".	Foto: Reuß Auch beim Fußball wird die Tracht nicht gegen Trikots getauscht. Die Kleidungsstücke haben eigene Namen: Der Hut ist der "Obermann", das schmale Krawattenband heißt "Ehrbarkeit", und der dicke, gewundene Stock ist der "Stenz". Foto: Reuß
Griesheim. 

Die traditionelle Walz oder Wanderschaft sollte im Mittelalter den jungen Gesellen den Weg in die Männlichkeit bereiten. Heute gibt es noch etwa 300 Handwerker aus den traditionellen Bauberufen in Deutschland, die nach abgeschlossener Ausbildung auf Reisen gehen.

Das jährliche Himmelfahrtstreffen lockte die Handwerker aus aller Welt in diesem Jahr nach Frankfurt, wo sie begleitet von der Bremthaler Blaskapelle gemeinsam feierten. Frankfurter auf Wanderschaft suchte man übrigens vergeblich: "Das liegt daran, dass die Walz dem Gesellen während seiner Reisezeit mit einem 50-Kilometer-Bannkreis um den Heimatort belegt", sagte Altgeselle Thomas Kupfer, "Früher musste jeder Geselle drei Jahre und einen Tag auf Walz gehen, heute ist das keine Pflicht mehr, sondern Bestimmung." Gesetzte Reiseziele gebe es nicht; was am Ende zähle, sei die Erfahrung. Beim Himmelfahrtstreffen galt es neben dem gemeinsamen Feiern natürlich auch Brauchtümer zu pflegen: Das Schallern – mancher würde es als Singen bezeichnen – durfte dabei genauso wenig fehlen wie das "Klatschen" der Zimmermänner .

Die alten Bräuche pflegen die Handwerker auf Wanderschaft auch noch heute: Sie reisen ohne eigenes Fahrzeug, nur zu Fuß, per Anhalter oder im Flugzeug, und sind somit auf die Hilfsbereitschaft ihrer Mitmenschen angewiesen. Neben den wichtigsten Besitztümern tragen die Gesellen stets ihre Kluft – bestehend aus einer weiten Schlaghose, einer Weste, einem Jackett und einem schwarzen Hut – sowie ihre Arbeitsgeräte bei sich. Die Farben ergeben sich aus der Tradition des Berufsstands und sind zumeist Schwarz oder Grau.

Die Walz ist für die Handwerker noch heute etwas ganz Besonderes, und in einem waren sich die weit gereisten Wandergesellen gestern einig: Sie würden alle sofort wieder auf Reisen gehen. ln

(ln)
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