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Missbrauchsvorwurf: Früherer Leiter eines buddhistischen Zentrums soll sich an Schülern vergangen haben

Von Schwere Vorwürfe gegen den Gründer eines buddhistischen Klosters in Frankfurt: Der ehemalige Abt soll junge Mönche und Schüler sexuell bedrängt haben – in einem Fall ging es um einen Zwölfjährigen. Dessen Anwalt fordert nun neue Ermittlungen.
Ermittlungen gegen den früheren Abt blieben bisher erfolglos. Seine Mönchskutte hat er inzwischen abgelegt. Bilder > Ermittlungen gegen den früheren Abt blieben bisher erfolglos. Seine Mönchskutte hat er inzwischen abgelegt.
Frankfurt. 

Die Regeln des Klosterlebens sind streng. 250 Gelübde müssen die Mönche der Pagode Phat Hue befolgen. Vier von ihnen seien „so grundlegend, dass ihr Bruch den sofortigen Ausschluss aus der Klostergemeinschaft zur Folge hat“, erklärt das buddhistische Zentrum in Frankfurt auf seiner Internetseite. Nummer eins der vier Grundregeln: „Keine sexuellen Handlungen begehen.“

Hinter den eher tristen Mauern des Klosters an der Hanauer Landstraße scheint es seit Jahren ein offenes Geheimnis zu sein, dass dessen Gründer und frühere Abt offenbar Probleme mit dieser Regel hat. Zumindest legte er sie wohl recht eigenwillig aus. Der 51-Jährige soll mehreren seiner Schüler tatkräftig dabei geholfen haben, ihre Sexualität „durchzuarbeiten“. Mit diesen Worten habe sich der als charismatisch geltende Zenmeister gerechtfertigt, als ihn mehrere Ordensmitglieder zur Rede stellten. Das berichtet das Nachrichtenmagazin „Spiegel“ in seiner aktuellen Ausgabe und bringt damit eine Affäre an die Öffentlichkeit, die bisher nur innerhalb der buddhistischen Szene bekannt war.

Erst Jahre später ausgesagt

Das Gespräch soll bereits im Jahr 2013 in der Odenwälder Außenstelle des Klosters stattgefunden haben und beschäftigte auch die Staatsanwaltschaft. Sie ermittelte gegen den aus Vietnam stammenden Gründer wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs. Denn mindestens ein betroffener Klosterschüler soll minderjährig gewesen sein. Manche Teilnehmer des Gesprächs nahmen die Äußerungen des Abtes als Schuldeingeständnis war. Doch eindeutig waren seine Aussagen wohl nicht.

Belastende Angaben machte gegenüber den Ermittlern ein mutmaßliches Opfer. Der junge Mann entschied sich erst 2014, über seine Erlebnisse im Schlafzimmer des Zenmeisters auszusagen. Neun Jahre zuvor habe er als Zwölfjähriger regelmäßig im Bett seines Lehrers geschlafen, sagte er der Polizei. Dabei sei es regelmäßig zu sexuellen Handlungen gekommen. Er habe den Mann massieren, seinen Penis berühren und in den Mund nehmen müssen, teilweise in Anwesenheit eines anderen Jungen.

Die Staatsanwaltschaft Frankfurt stellte ihre Ermittlungen 2016 ein. Sie hatte Mühe, Zeugen zu finden und wollte sich allein auf die Angaben des Betroffenen nicht verlassen. Der damals Beschuldigte bestritt die Vorwürfe. Gegenüber dem „Spiegel“ stellte er sich nun als Opfer eine Intrige buddhistischer Verbände dar. Es handle sich um die „Verunglimpfung eines religionspolitisch Unliebsamen“. Auf Gesprächsanfragen unserer Zeitung reagierte er bisher nicht.

Schon Ende 2010 schloss ihn die Deutsche Buddhistische Ordensgemeinschaft aus. Ihr lägen fünf eidesstattliche Versicherungen vor, „die beweisen, dass er sexuelle Beziehungen zu einigen seiner Schüler unterhielt“, teilte der bundesweit tätige Verein damals zur Begründung mit. Der Vorstand dieses Vereins forderte ihn außerdem auf, seine Mönchsrobe abzulegen und als Abt zurücktreten. Dies tat er später auch. Im amtlichen Vereinsregister ist er allerdings noch als vertretungsberechtigter Ehrenvorsitzender der Deutsch-Vietnamesischen Buddhistischen Gemeinde in Frankfurt eingetragen. Die Gemeinde betreibt das Kloster an der Hanauer Landstraße. Zu einem Gespräch war diese Woche keiner ihrer Vertreter bereit.

Vor allem junge Männer

Die Reporterinnen des „Spiegels“ haben offenbar mit mehreren ehemaligen Klosterschülern gesprochen, die behaupten, sexuelle Übergriffe des früheren Abts erlebt zu haben – als Opfer oder Beobachter. Dabei geht es allerdings vor allem um junge Männer, nicht um Minderjährige. Juristisch macht dies einen wichtigen Unterschied.

Dennoch könnten die Recherchen des Hamburger Magazins auch strafrechtliche Konsequenzen haben. Denn der mutmaßlich missbrauchte damals zwölfjährige Klosterschüler will mit Hilfe des öffentlichen Drucks erreichen, dass die Ermittlungen neu aufgenommen werden. Sein Anwalt, Wolfgang Steffen aus Krefeld, sagte unserer Zeitung, er habe die Staatsanwaltschaft Frankfurt aufgefordert, den „Spiegel“-Bericht auf neue Hinweise zu prüfen. „Vielleicht lassen sich dadurch ja Zeugen finden, die Aussagen meines Mandanten bestätigen können.“

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