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Tiroler Straße wird nachverdichtet: Gärten weichen Reihenhäusern

Von Binnen zwei Wochen wurden in der Tiroler Straße etwa fünf Kleingärten dem Erdboden gleichgemacht. Hier sollen nun zehn Reihenhäuser und eine Tiefgarage entstehen.
Thomas Blankenhorn trauert um die Kleingärten an der Tiroler Straße. Hier werden Häuser und eine Tiefgarage gebaut. Foto: Leonhard Hamerski Thomas Blankenhorn trauert um die Kleingärten an der Tiroler Straße. Hier werden Häuser und eine Tiefgarage gebaut.
Sachsenhausen. 

Als er in den Urlaub fuhr, war in seinem Viertel noch alles beim Alten. Thomas Blankenhorn wohnt in der Tiroler Straße, einer friedlichen Reihenhaussiedlung. Hier ruhen sie noch vor der Haustür, die idyllischen Grünflächen. Wie Teppiche liegen vor jedem Wohngebäude einladende Wiesen. „Der Weg in die Stadt führt an einer Kleingärtchensiedlung vorbei – oft habe ich einen Halt eingelegt, um die Parzellen zu bestaunen.“ Nichtsahnend kehrte Blankenhorn seinem trauten Wohnparadies den Rücken. Doch als er zwei Wochen später von seiner Reise zurückkehrte, sollte sein Viertel nicht mehr ganz so grün sein wie zuvor.

Ohne Vorwarnung

Ich kann es noch immer kaum fassen“, sagt er. In den Kleingärten, in denen früher hochgewachsene Bäume und gepflegte Hecken standen, wo Gärtner liebevoll ihre Beete angelegt hatten, gedeiht nun kein Pflänzchen mehr. Die Hütten – abgerissen. „Das Areal wurde dem Erdboden gleichgemacht“, konstatiert der Sachsenhäuser nüchtern. „Und wir Anwohner wurden nicht einmal vorgewarnt.“ Dafür hat auch Irene Kollmar kein Verständnis. Sie wohnt direkt neben der einstigen Gartenanlage. Auch ihr hat niemand mitgeteilt, was dort nun entstehen soll. Eine Nachfrage beim Stadtplanungsamt liefert Aufschluss: „Das Areal gehörte bis vor kurzem noch der Deutschen Bahn AG“, erklärt Sprecher Mark Gellert. „Diese hat es an eine Firma verkauft, die dort zehn Reihenhäuser und eine Tiefgarage bauen will.“ Die Bahn bestätigt: „Den Pächtern wurde rechtmäßig gekündigt.“ Laut Bundeskleingartengesetz muss den Gärtnern ein Ersatzareal zur Verfügung gestellt werden. „Das aber ist nicht mehr unsere Aufgabe“, erklärt der Bahn-Sprecher. „Mit dem Verkauf haben wir auch alle Verpflichtungen abgetreten.“ Den Namen der Käuferfirma wollte er nicht nennen.

Anwohner Blankenhorn – er lebt seit 20 Jahren in der Tiroler Straße – hat dafür nur bedingt Verständnis. „Die Gärtner haben viel in die Anlagen investiert, nicht nur körperliche Arbeit, sondern auch Geld. Da wäre zumindest eine Entschädigung fällig.“ Ob es solche Zahlungen gab, wollte die Deutsche Bahn weder bestätigen noch dementieren. „Sicher, die Stadt wächst“, sagt Blankenhorn. „Und ja, gewiss brauchen wir somit neuen Wohnraum.“ Letztlich aber müsse in Frankfurt auch die Lebensqualität erhalten bleiben. „Die Stadt ist vielerorts zur Betonwüste verkommen“, findet er. „Auch die Luft wird schlechter.“

Einst gab es Obstwiesen

In dem Viertel gebe es noch Grün. „Aber sie müssten mal die Alteingesessenen fragen. Die erinnern sich noch an Obstwiesen, die es hier einst gegeben haben soll.“ Auch sei erst vor einem Jahr in unmittelbarer Umgebung nachverdichtet worden. „Dafür mussten nicht nur Garagen, sondern auch eine Wiese weichen.“ Durch den Bau der Tiefgarage fürchtet der Radfahrer, dass es in seiner Straße mehr Verkehr geben wird. „Das ist auch eine Gefahr für spielende Kinder.“ Davon abgesehen: „Das neue Objekt kann doch auch für die neuen Bewohner nicht reizvoll sein“, sagt er. Das neue Gebäude grenze direkt an die Bahngleise. „Die Mieter haben also nicht nur den Fluglärm von oben, sie werden auch von der Seite beschallt.“ Von einer „Wohnraumbeschaffung zu jedem Preis“ hält der Anwohner nichts.

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