Lade Login-Box.
E-Paper
Abo & Service Immo Stellen Trauer

300. Todestag von Maria Sibylla Merian: Gästeführerin lässt Frankfurts berühmte Tochter auferstehen

Die Naturforscherin, Malerin und Abenteurerin Maria Sibylla Merian (1647-1717) ist eine der berühmtesten Töchter Frankfurts. Heute jährt sich ihr Tod zum 300. Mal. Das Jubiläum ist für Gästeführerin Sabine Mannel (55) Anlass, am 15. März in dem neuen, kulinarisch begleiteten Bühnenstück „Die Schmetterlingsfrau“ in der „Kulturothek“ an der Kleinmarkthalle die prominente Dame zu verkörpern. Vorab stand die Kulturothek-Leiterin in ihrer Kostümrolle FNP-Mitarbeiterin Jutta Failing Rede und Antwort.
Gästeführerin Sabine Mannel als Maria Sibylla Merian auf dem Römerberg. Bilder > Foto: Bernd Kammerer (Presse- und Wirtschaftsdienst) Gästeführerin Sabine Mannel als Maria Sibylla Merian auf dem Römerberg.

Frau Merian, wo lebten Sie in Frankfurt?

MARIA SIBYLLA MERIAN: Ich wuchs im Buchdruckerviertel nahe der Leonhardskirche auf. Mein Vater Matthäus Merian der Ältere hatte im Karmeliterkloster Lagerflächen für seine Druckstöcke angemietet. Er starb während einer Kur in Schwalbach, als ich drei Jahre alt war.

War es nicht ein gefährliches Hobby, mit 13 Jahren auf dem Dachboden Schmetterlinge bei der Metamorphose zu studieren? Sie hätten als Hexe in Verruf kommen können, immerhin galten diese Tiere als „Teufelsbrut“.

MERIAN: Purer Aberglaube. Da mein Stiefvater Jakob Marrel Blumen-Stillleben anfertigte, hatten wir ohnehin viele Käfer, Seidenraupen und Schmetterlinge im Haus. Wir sammelten sie in der Umgebung. Es war damals Mode, dieses „Erdgetier“ auf Gemälden darzustellen. Alles in allem eine glückliche Fügung, denn hätte meine Wiege in einem Bäckerhaushalt gestanden, wäre mein Leben anders verlaufen.

Sie waren geschieden, alleinerziehend und Unternehmerin.

MERIAN: Eine lange Geschichte. Mein Mann hatte das Arbeiten nicht gerade erfunden. Und als Maler in Nürnberg verdiente er nicht genug für den Familienunterhalt. Deshalb betrieb ich dort einen Handel für Farben und eröffnete eine Frauen-Malschule. Unsere Probleme eskalierten, als wir zu meiner verwitweten Mutter nach Frankfurt zogen. Mein Gatte hielt es hier nicht aus, wir trennten uns. Nach dem Tod der Mutter kündigte ich mein Bürgerrecht in Frankfurt auf und zog mit meinen Töchtern ins weltoffene Amsterdam, wo ich als alleinstehende Frau unternehmerisch tätig sein durfte. Ich war frei!

Sie sind ein Frankfurter Top-Promi, sogar ein Main-Schiff ist nach Ihnen benannt. Stolz?

MERIAN: Man muss immer demütig sein, und Stolz ist nicht gottesfürchtig. In meinen Büchern geht es um die Vanitas – um die Vergänglichkeit. Eine erdenschwere Raupe wird zum schönen Schmetterling und stirbt dennoch. Genau wie der Mensch, alles vergeht und gerät in Vergessenheit. So lehrten es uns die Theologen. Die „Unsterblichkeit“ meines Werks ist mir fremd, ehrt mich aber.

1699 reisten Sie mit Ihrer Tochter nach Surinam, eine holländische Kolonie nördlich von Brasilien.

MERIAN: Surinam war eine unglaubliche Erfahrung mit all diesen fremden Menschen, die man in Europa sonst nicht traf. Mit einer Indianerin kehrte ich in die Niederlande zurück, sie half mir, die exotische Pflanzenwelt zu katalogisieren. Soll ich sie Sklavin nennen? Nun, das war üblich in Surinam. Es ging um Ausbeutung, um Pfeffer und Zucker. Mich stieß das ab.

Noch einmal zurück zu Frankfurt. Haben Sie denn Frankfordderisch gebabbelt?

MERIAN: Das habe ich schnell verlernt. Offen gestanden, mein Herz hing nicht an Frankfurt. Die Erben der Druckerei meines Vaters beäugten mich misstrauisch und nannten meine Mutter eine habgierige Frau.

Im Totenregister der Stadt Amsterdam steht Ihr Name unter den Unvermögenden. Waren Sie pleite?

MERIAN: Nicht vermögend, aber bekannt. Ich steckte zu viel Geld in Projekte, verlegte meine Bücher selbst. Durch die kolorierten Kupferstiche darin waren sie sehr teuer und fanden kaum Käufer. Hätte Zar Peter der Große doch nur früher meine Aquarelle gekauft.

 

Lesen Sie dazu bitte auch unsere Berichte im Kulturteil.

 

Zur Startseite Mehr aus Frankfurt

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse