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Cannabis legalisieren: Gebt das Hanf frei – oder besser nicht?

Von Die Frankfurter Offensive zur Legalisierung von Cannabis ist auf große positive Resonanz gestoßen. Grund genug, um das Thema Kiffen einmal genauer zu analysieren.
Diese Frau lässt während einer Gras-Demo im Hyde Park in London ordentlich rauchen. Foto: dpa Foto: Andy Rain (EPA) Diese Frau lässt während einer Gras-Demo im Hyde Park in London ordentlich rauchen. Foto: dpa
Frankfurt.  Kiffen, quarzen, moschen, den Jolly zünden, die Bong ziehen: Die Zahl der Slangbegriffe für den Konsum von Marihuana in der „Pothead“-Szene ist so groß, wie die Debatten über die Legalisierung lang. Der jüngste Vorschlag für eine Entkriminalisierung der durch ihren THC-Anteil berauschenden Pflanze kommt aus Frankfurt. Bei einer Cannabis-Fachtagung in der Mainmetropole bei der sich mehrere zum Teil hochangesehene Rechtswissenschaftler für die Freigabe von Gras und Hasch aussprachen, preschte die Gesundheitsdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) mit einer Idee für ein Modellprojekt vor: Die Grünen-Politikerin plädierte in Sachen Cannabis für einen Weg der Prävention, Beratung, Therapie und der Strafverfolgung allein des Drogenhandels. Außerdem will Heilig auch anderer Städte mit ins Boot holen, um gemeinsam mit ihnen ein Frankfurter Modellprojekt für die kontrollierte Cannabis-Abgabe zu erarbeiten. In einem „offenen Prozess“ sollen Kriterien für eine solche Abgabe entwickelt und sorgsam geprüft werden.


Heilig sprach sich für eine Überwindung des „ideologischen Stellungskriegs“ der vergangenen Jahre und für eine „rationale Überprüfung“ der derzeit geltenden Betäubungsmittelgesetze durch eine Enquete-Kommission des Bundestages aus. Ein Blick in die Betäubungsmittelgesetze der Bundesländer zeigt, was sie mit dem „ideologischen Stellungskrieg“ gemeint haben könnte. Während es beispielsweise in Bayern reicht, ein Päckchen Gras oder Haschisch im unteren Grammbereich (0,1 Gramm) und ein paar Geldscheinen im Portemonnaie dabei zu haben, um von der Polizei als Dealer angezeigt zu werden, muss man als Konsument im Nordrhein-Westfalen schon einen dicken Beutel von über 10 Gramm in der Tasche haben, um ernste Konsequenzen zu fürchten.

Während einer Pressekonferenz präsentiert die Staatsanwaltschaft Zweibrücken am 30.10.2014 in der Polizeidirektion Pirmasens (Rheinland-Pfalz) Haschisch, das ein deutsch-spanisches Ermittlungsteam bei einem Schlag gegen eine international agierende Schmugglerorganisation sicherstellen konnte. Foto: dpa Bild-Zoom
Während einer Pressekonferenz präsentiert die Staatsanwaltschaft Zweibrücken am 30.10.2014 in der Polizeidirektion Pirmasens (Rheinland-Pfalz) Haschisch, das ein deutsch-spanisches Ermittlungsteam bei einem Schlag gegen eine international agierende Schmugglerorganisation sicherstellen konnte. Foto: dpa
Doch was die meisten Bundesländer und ihre Polizei gemein haben, ist der harte Umgang mit „Growern“, also mit Menschen, die Cannabis zum Eigengebrauch züchten. Während man im Internet Samen für Pflanzen mit den unterschiedlichsten Wirkungsgraden und Geschmacksrichtungen – der THC-Gehalt eines Gramms Gras ist von der Pflanzensorte abhängig, doch dazu später mehr - relativ sicher einkaufen kann, wird es für einen Hanf-Gärtner schnell unangenehm, wenn die Polizei auf der Matte steht. So berichtete das „Vice Magazine“ jüngst über den seltsamen Sprachgebrauch der Beamten in ihren Pressemeldungen. Und es fällt nach einer stichprobenartigen Prüfung der Polizeimeldungen auf: Hier wird oft etwas zu einer Plantage hochgejazzt, das nicht einmal die Größe eines Kräutergartens auf der Fensterbank hat. Denn vier Pflanzen in einem Schrank ist eben kein "forst- oder landwirtschaftlicher Großbetrieb". Das sollten auch mehr Richter wissen.

Doch selbst wer nicht selber anbaut, aber ab und zu gerne mal einen Joint raucht, kann sich schnell in einem kafkaesken Albtraum wiederfinden. So berichtete die „Zeit“ vor einigen Wochen von einer Frau, die mit einem Taxi zu einem Konzert in Hessen fuhr. Die junge Frau, eine typische Mittelstandsangestellte, war zwar rausch- aber nicht graslos unterwegs. Das Taxi wurde von der Polizei angehalten und ihre Taschen kontrolliert. Wegen der geringen Menge nahm die Polizei ihr den Beutel zwar ab, stellte aber keine Anzeige. Dennoch bekam sie wenige Tage später ein Brief der Verkehrsbehörde: Sie solle ihren Führerschein abgeben und zudem an einer MPU, dem sogenannten Idiotentest, teilnehmen. Mit der Begründung, dass sie als potenzielle Konsumentin, eine potenzielle Gefahr für den Straßenverkehr darstelle. Die Polizei hatte also ohne Wissen der Betroffenen die Infos an die Behörde weitergegeben und diese handelte dann. Man kann sich das so vorstellen, als ob die Verkehrsbehörde jemandem den Führerschein entzieht, weil dieser einen Kasten Bier im Kofferraum hatte. Er könne ja schließlich irgendwann betrunken Auto fahren.

Info: So läuft es in anderen Ländern

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Auch der Beitrag der FNP über die Frankfurter Legalisierungsinitiative, der gestern auf unsere Facebook-Seite geteilt wurde und überwiegend positives Feedback fand, zeigt, dass sich in der Bevölkerung ein Umdenken abzeichnet. Vorbehalten a la „Haschisch spritzen bringt dich um“ scheinen immer mehr der Vergangenheit anzugehören. Nicht zuletzt die Legalisierungswelle in den USA zeigte schließlich, welchen wirtschaftlichen Vorteil die legale Freigabe der Pflanze hat.
 

 


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