Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Laufsport - Alles rund um den Mainova Frankfurt Marathon ... Frankfurt am Main 15°C

Gemeinsame Freizeitgestaltung: Gelebte Inklusion im „Offenen Treff“

Der „Offene Treff“ ist eine Einrichtung für Jugendliche mit und ohne Behinderung. Seit 2013 ist er in Trägerschaft des Vereins „Gemeinsam Leben Frankfurt“ und bietet ein buntes Freizeitprogramm für Jugendliche an. Ziel ist es, Inklusion praktisch umzusetzen.
Kickern macht allen Kindern und Jugendlichen Spaß – egal, ob mit oder ohne Behinderung. Das finden jedenfalls Mladen (17), Carolis (19) und Karlo (12, v. li.). Sie kommen regelmäßig in den „Offenen Treff“ und verbringen hier gern und viel Zeit mit netten Freunden. Foto: Leonhard Hamerski Kickern macht allen Kindern und Jugendlichen Spaß – egal, ob mit oder ohne Behinderung. Das finden jedenfalls Mladen (17), Carolis (19) und Karlo (12, v. li.). Sie kommen regelmäßig in den „Offenen Treff“ und verbringen hier gern und viel Zeit mit netten Freunden.
Nordweststadt. 

Im hellen Gemeinschaftsraum des „Offenen Treffs“ herrscht ein fröhliches Stimmengewirr. Am Kicker und in der Sofa-Ecke vor einer Spielekonsole verbringt eine Gruppe von Jungen gemeinsam den Nachmittag. Der Treff ist eine Einrichtung für Jugendliche mit und ohne Behinderung. Er wird gefördert vom Jugend- und Sozialamt Frankfurt. Die Räume befinden sich auf dem Gelände der Ernst-Reuter-Schulen.

Der Verein „Gemeinsam Leben Frankfurt“ unterhält dieses und zwei weitere Projekte: Die unabhängige Inklusionsberatungsstelle und das Berufsprojekt „Arbeit inklusive!“. Ursprünglich waren diese drei Angebote Pilotprojekte der Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) Hessen „Gemeinsam leben – gemeinsam lernen“. Als diese sich auflöste, beschlossen engagierte Eltern und Pädagogen, einen eigenen Verein zu gründen, um die Projekte weiterführen zu können.

Sport und Ausflüge

„Es war uns wichtig, dass Inklusion nicht nur politisch gewollt ist, sondern dass es ganz konkrete Projekte gibt“, erklärt Ursula Martin-Hantl, die den Nachfolge-Verein 2013 mitgegründet hat. Die stellvertretende Vorstandsvorsitzende weiß aus eigener Erfahrung, wie wichtig es ist, Inklusion zu leben, um Vorurteile abzubauen. „Es gibt immer noch viele Eltern, die Vorbehalte haben. Gesetze ändern nicht die Haltung der Menschen.“ Im Treff freut man sich darüber, dass 20 Prozent der Jugendlichen, die hierher kommen, ohne Behinderung leben. „Es könnten aber gern auch noch mehr sein“, sagt Martin-Hantl. Inklusion müsse man wollen, das bedeute auch, sie zu erleben und nicht nur darüber zu sprechen. Im Treff arbeiten zwei festangestellte Pädagogen. Sie werden unterstützt von sogenannten „Teilhabeassistenten“ mit rund 30 Jugendlichen von der fünften Klasse bis zum 20. Lebensjahr. In der Schulzeit gestalten sie mit ihnen die Nachmittage; in den Ferien ganze Tage. Möglichst abwechslungsreich soll es dabei zugehen. Es wird Fußball gespielt, gekickert und auch Ausflüge finden regelmäßig statt.

Tim gehört mit seinen 19 Jahren quasi zum Inventar der Einrichtung. Seit acht Jahren kommt er in den „Offenen Treff“. Er war auch mit auf der Sommerfreizeit des Treffs in einer barrierefreien Einrichtung im Schwarzwald. „Das war toll. Wir sind jeden Tag gewandert, haben eine Bootstour gemacht und sind ins Freibad gegangen.“ Auch von den anderen Aktivitäten sind Tim und seine Freunde begeistert. Gemeinsam besuchten sie schon Spiele von Eintracht Frankfurt und Galaxy, aber auch die Musikmesse und die IAA.

Feste Kontakte

„Wir versuchen, viel ’rauszugehen. Frankfurt bietet zahlreiche Möglichkeiten, um mit den Jugendlichen Sachen zu erleben, die auch Menschen ohne Behinderung machen. Das ist für uns Inklusion“, sagt Agnes Lell-Sieben, Leiterin des Treffs. Die Begeisterung für ihre Arbeit ist ihr anzusehen, wenn sie fröhlich auf die Bedürfnisse der „Treffler“ eingeht.

Karlo (12) ist seit etwas mehr als einem Jahr dabei. Er besucht die Ernst-Reuter-Schule und kommt fast jeden Tag hierher. „Erst essen wir noch gemeinsam Mittag. Manchmal müssen wir danach erst Hausaufgaben machen. Aber nur, wenn es richtig viel ist.“ Danach wird gespielt, zum Beispiel Rummikub, eine Rommé-Variante. Da viele Jugendliche über Jahre hinweg den Treff besuchen, entstehen feste Freundschaften. Die Frage, ob jemand eine Behinderung hat oder nicht, ist für die Treffler nicht wichtig. Es geht um den Menschen. Ein guter Anfang, um Inklusion normal werden zu lassen. „Vielleicht reden wir irgendwann nicht mehr über Inklusion, weil sie selbstverständlich ist“, so Martin-Hantl.

Zur Startseite Mehr aus Frankfurt

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse