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Gemalte Geschichten

Er hat das Who is Who aus Film, Theater, Literatur, Fernsehen und Musik auf Leinwand verewigt, oder wie er selbst sagt „in Essig und Öl gemalt“: der Frankfurter Maler Ferry Ahrlé .
Marco Petrassi (Daniel Rodic), Herta Frohwitter (Ulrike Krumbiegel) und Regiseur Jürgen Bretzinger bei den Dreharbeiten.	Foto: hr/Luedeke Bilder > Marco Petrassi (Daniel Rodic), Herta Frohwitter (Ulrike Krumbiegel) und Regiseur Jürgen Bretzinger bei den Dreharbeiten. Foto: hr/Luedeke
Frankfurt. 

 Dazu zählen Martin Held , Maria Schell, und natürlich Schauspieler Paul Dahlke , zu dessen Ehren im Deutschen Filminstitut Frankfurt eine Lesung mit Filmvorführung stattfand, bei der Ahrlé seine Erinnerungen an den großen Mimen des deutschen Films mit den Gästen teilte.

Wir trafen den Maler mit dem flinken Pinsel und dem spitzbübischen Lächeln dort und sprachen mit ihm über die vielen Legenden, denen er im Laufe seiner Karriere begegnen durfte. „Darunter waren natürlich auch welche, die ich gar nicht wirklich getroffen habe“, erinnerte er sich an seine Zeit beim Fernsehen in den späten 1970er und 80er Jahren, „als Sendungen noch Inhalte vermittelten“ und er in seiner eigens kreierten TV-Show „Da sind sie wieder“ historische Persönlichkeiten zum Leben erweckte: „Da standen dann eine Flasche Rotwein und zwei Gläser und mein Gesprächspartner war Napoleon. Ich trank natürlich allein und unterhielt mich mit der Stimme eines Schauspielers aus dem Off, während ich meinen Gast zeichnete.“

Es sind Unterhaltungskonzepte mit intellektuellem Anspruch wie dieses, die Ferry Ahrlé heute vermisst. „Zwei Drittel aller Fernsehsendungen sind aus den USA abgekupfert, mir fehlen die Persönlichkeiten von damals“, klagt er und äußert sich auch zum Aus für „Wetten, dass..?“, das seiner Meinung nach nicht allein Markus Lanz zuzuschreiben ist, sondern vor allem der Tatsache, dass sich das Format „schon lange abgewalzt“ hatte. „In den letzten Jahren musste die Quote hart erkämpft werden, leider auch mit immer risikoreicheren Wetten. Der Todesstoß war dann der Unfall des Kandidaten, nach dem Thomas Gottschalk die Moderation der Sendung aufgab.“ Doch auch in Zeiten, in denen das Öffentlich-Rechtliche tonangebend war, habe man es beim Fernsehen nicht immer leicht gehabt, weiß Ahrlé und erzählt von seiner Begegnung mit Yehudi Menuhin : „Damals bekam jeder Gast meiner Sendung ,Sehr ähnlich, wer soll’s denn sein’ 5000 DM Gage. Der Maestro aber verlangte 20 000. Nun war die ARD damals ein kleiner Filmverein und konnte sich das nicht leisten. Also bat man mich, in London anzurufen. Schließlich hatte ich Menuhin bereits 1947/48 für das Programmheft der Berliner Philharmoniker gezeichnet. Er erinnerte sich an mich, und so konnte ich ihn überreden, in der Sendung aufzutreten und sich von mir portraitieren zu lassen. Allerdings unter der Bedingung, dass unser Team nach Gstaad reist und das Ganze nicht mehr als eine Stunde seiner Zeit in Anspruch nimmt. Das war natürlich auch mit erheblichen Kosten verbunden, und so blieb kein Geld für die Maske. Diese Arbeit übernahm dann kurzerhand meine Frau. Letztlich wurde diese Begegnung zu einer der Sternstunden während meiner Zeit im Deutschen Fernsehen.“

Ferry Ahrlé, der am 17. Juni seinen 90. Geburtstag feiert, hat noch viele weitere „Sternstunden“ parat – aus seiner Zeit in Berlin, Paris und Frankfurt –, allesamt gespickt mit den kleinen und großen Geschichten hinter der Geschichte. Seine Erinnerungen sind lebendig und farbenfroh wie seine Bilder, doch eins sind sie nicht: ein Rückblick auf das, was mal war. Ferry Ahrlé hat nämlich noch viel vor: „Ein rauschendes Fest zu meinem Ehrentag feiern, spannende Projekte in Angriff nehmen.“ Bleibt die Frage, wie er sich dafür fit hält: „Ganz einfach: arbeiten und jeden Tag genießen.“ nar

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