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Pärchen gefährdet auch Unbeteiligte: Gemeindebüro überfallen – drei Jahre Haft

Von Einbruchsdiebstähle in Kirchen oder Sakristeien erregen besonders die Gemüter – im Juni dieses Jahres war die katholische Sankt Matthias-Gemeinde in der Nordweststadt an der Reihe. Ein drogenabhängiges Pärchen war zunächst ins Gemeindehaus und danach in die Sakristei eingedrungen. Gestern wurde die Frau zu drei Jahren Haft verurteilt.
Die Statue Justitia. Foto: Peter Steffen/Archiv Die Statue Justitia. Foto: Peter Steffen/Archiv
Frankfurt. 

Der Einbruch war offenbar von langer Hand geplant. Die Frau entwendete das Auto eines Bekannten und ihr Lebensgefährte transportierte ein ganzes Waffenarsenal zum Tatort. Hammer, Brecheisen, Elektroschocker, Reizgas und eine geladene scharfe Waffe, die er bei der Tat am Körper trug und von deren Existenz auch die 29 Jahre alte Frau wusste.

Polizei alarmiert

Doch als die beiden in die kirchlichen Räume eingedrungen waren, bekamen dort wohnende Leute davon mit. Die schnell alarmierte Polizei nahm die Frau mitsamt ihrem Rucksack noch auf dem Kirchengelände fest. Sie hatte aus einem Schrank einen Messkelch entwendet und ihn hastig zu den Brecheisen gesteckt, so dass er nicht mehr zu reparierende Beulen und Kratzer davontrug. Der Lebensgefährte mit der scharfen Waffe flüchtete und wurde von einer Gemeindeangestellten verfolgt. Es ging an Kindern und Erwachsenen vorbei – der Mann wusste sich schließlich nicht anders zu helfen, als die Waffe auf die Verfolgerin zu richten, die daraufhin entsetzt zurückkehrte. Stunden später wurde auch er festgenommen – weil er kurz vorher aus der Psychiatrie entwischt war, wurde das Verfahren gegen ihn von Anfang an gesondert geführt. Voraussichtlich wird er sich vor dem Landgericht zu verantworten haben.

Die Frau aber kam in Haft und wurde gestern einer Schöffenabteilung des Amtsgerichts vorgeführt. Mit leiser Stimme legte sie ein Geständnis ab – was allerdings aufgrund ihrer Festnahme auf frischer Tat kein besonderes Gewicht hatte. Immerhin räumte sie dabei auch ein, von der Pistole ihres Begleiters und dessen Aggressivität gewusst zu haben. Damit konnte sie wegen Diebstahls mit Waffen verurteilt werden, einem viel höher strafbewehrten Delikt, als dem „einfachen“ Einbruchsdiebstahl.

Richterin ist bestürzt

Amtsrichterin Eva Maria Livesey-Wardle zeigte sich im Urteil – drei Jahre Haft – besonders bestürzt über das „immense Gefährdungspotenzial“ durch den Waffenbesitz des Mannes. „Stellen Sie sich einmal vor, was da hätte alles passieren können“, sagte die Richterin. Kinder und völlig unbeteiligte Leute seien in unmittelbarer Nähe des von der Angeklagten als „aggressiv und unberechenbar“ beschriebenen Freundes gewesen, mit dem sie allerdings weiterhin Briefe heißester Liebesbezeugungen austauscht. „Über die Zukunft Ihrer Beziehung zu Herrn B. wollen wir hier nichts sagen. Das ist Ihre Angelegenheit“, gab sich die Richterin salomonisch. Die einschlägige Vorstrafe der seit mehr als zehn Jahren drogenabhängige Frau wirkte sich natürlich strafverschärfend aus. Bei den drei Jahren wird es voraussichtlich nicht bleiben – „in Kassel ist noch ein weiteres Verfahren offen, dann kann eine Gesamtstrafe gebildet werden“, berichtete die Amtsrichterin zum Sachstand. Der Mittäter ist derzeit wieder zur Untersuchung in der Psychiatrie, wo er wohl auch bleiben wird.

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