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Naxosgelände: Gemeinschafts-Wohnen boomt - zum Beispiel im Ostend

Nachhaltig bauen, bezahlbaren Wohnraum schaffen und die Vorteile des Zusammenlebens nutzen: Gemeinschaftliche Wohnprojekte werden immer beliebter. Ein gutes Beispiel ist auf dem ehemaligen Naxosgelände im Ostend zu finden.
Vier der 120 „Mitbewohner“ auf dem Naxosgelände vor ihrem gemeinschaftlich genutzten Haus: Ursula Helmert (von links), Cora Lehnert, Birgit Buchner und Hanns-Christoph Koch. Foto: Holger Menzel (Holger Menzel) Vier der 120 „Mitbewohner“ auf dem Naxosgelände vor ihrem gemeinschaftlich genutzten Haus: Ursula Helmert (von links), Cora Lehnert, Birgit Buchner und Hanns-Christoph Koch.
Frankfurt. 

„Der ganze Stress hat sich gelohnt“, sagt Birgit Buchner und blickt zufrieden vom Gemeinschaftsraum hinaus in den großen Innenhof. Seit drei Jahren lebt sie in dem gemeinschaftlichen Wohnprojekt auf dem ehemaligen Naxosgelände an der Wittelsbacher Allee. „Davor war es ein zehnjähriger Kampf“, erinnert sich die Journalistin. Sie und ihre Mitstreiter vom Wohnprojekt „Fundament / Naxos 29“ mussten von der Planung bis zur Realisierung viele Hürden überwinden. „Wir Bewohner wurden aber in alles mit einbezogen“, sagt Buchner. „Durften auch die Wohnungen etwas mitgestalten und sagen, was uns wichtig ist.“ Und so gibt es in dem Haus beispielsweise eine von allen Bewohnern benutzte Waschmaschine, einen großen Gemeinschaftsraum im Erdgeschoss und eine Dachterrasse für alle mit Blick auf die Skyline.

Das Zusammenleben mit ihren Nachbarn bezeichnet Buchner als gesellig und lustig: „Gerade am Montag haben wir gemeinsam Grünkohl gegessen, den wir in unserem Garten geerntet haben“, erklärt sie. „Zwei haben gekocht und alle zusammen hinterher gegessen.“ Alle drei Wochen treffen sich die 16 Bewohner zum Austausch. „Doch das ist alles freiwillig“, sagt Hanns-Christoph Koch, einer von Buchners „Mitbewohnern“.

„Geplante Nachbarschaft“

Als klassische Wohngemeinschaft will Koch das Projekt in der Wittelsbacher Allee 29 aber nicht bezeichnen. „Eher als geplante Nachbarschaft, die auf Dauer ausgelegt ist.“ Ihn habe vor allem der genossenschaftliche Gedanke des Wohnprojekts dazu bewogen, von Bockenheim ins Ostend zu ziehen. An seinem neuen Zuhause schätzt er eines besonders: „Dass man Nähe haben kann, wenn man es möchte, sich aber jederzeit auch in seine eigenen vier Wände zurückziehen kann.“

Im Innenhof finden vor allem im Sommer viele Feste statt. Bild-Zoom Foto: Holger Menzel (Holger Menzel)
Im Innenhof finden vor allem im Sommer viele Feste statt.

Im Herbst 2006 ebnete die Stadt sozusagen den Baugrund an der Wittelsbacher Allee. Die Stadtverordneten beschlossen damals, dass ein Drittel des ehemaligen Naxos-Geländes an genossenschaftliche und gemeinschaftliche Wohnprojekte vergeben werden soll.

Mittlerweile sind sechs solcher Projekte verwirklicht; in den 60 Wohnungen leben etwa 120 Personen. Nicht nur hausintern, sondern auch zwischen den sechs Häusern besteht ein reger Austausch. „Wir organisieren zum Beispiel gemeinsam Sommerfeste, Filmabende und einen Weihnachtsmarkt“, erklärt Hanns-Christoph Koch. Dazu seien nicht nur die Bewohner der sechs Wohnprojekte, sondern auch alle anderen Bürger des Viertels und darüber hinaus eingeladen.

Gemeinsame Finanzierung

Und so funktioniert die Finanzierung des Wohnprojekts: An Kapital mussten alle Mitglieder einer Planungsgruppe den gleichen Betrag pro Quadratmeter ihrer zukünftigen Wohnung mitbringen. Die Genossen mussten damit zehn Prozent Eigenanteil für die Finanzierung des Baus stemmen, die Miete, die jetzt alle pro Monat bezahlen, wird für die Tilgung des Kredits verwendet. „Das Ziel ist es, langfristig für bezahlbaren Wohnraum in Frankfurt zu sorgen“, erklärt Birgit Kasper vom Netzwerk Frankfurt für gemeinschaftliches Wohnen, das für solche Wohnprojekte zuständig ist. „Denn die Häuser müssen keine Gewinne erwirtschaften, sondern sich nur selbst tragen.“ Heißt: Je mehr von dem Kredit abbezahlt ist, desto geringer können die Mieten ausfallen.

Als „Wohnform der Zukunft“ bezeichnet Nargess Eskandari-Grünberg, Kandidatin der Grünen für die Oberbürgermeisterwahl, das Projekt an der Wittelsbacher Allee, das die Bewohner ihr vorstellten. „In einer Gesellschaft, die immer ichbezogener wird, finde ich es schön, dass es solche Projekte gibt“, erklärt die Politikerin.

Zehn weitere Wohnprojekte des Netzwerks für gemeinschaftliches Wohnen werden aktuell umgesetzt; 25 Wohninitiativen, also potenzielle Nachbarschaften, suchen nach einem geeigneten Grundstück. „Fast alle sind offen für engagierte Interessierte“, sagt Birgit Kasper vom Netzwerk.

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