Lade Login-Box.
E-Paper
Abo & Service Immo Stellen Trauer
2 Kommentare

Sicherheit in Frankfurt: Geplante Zusammenlegung der Reviere: Polizeimangel in Frankfurts Norden?

Von Eine Funkstreife für sieben Stadtteile; das könnte zu wenig Polizei im Frankfurter Norden sein. Das 14. und 15. Revier sollen zu einem Revier werden. Im Ortsbeirat stößt das auf Unmut.
(Symbolfoto) Die Bundespolizei vollstreckte 2015 insgesamt 1392 Haftbefehle am Frankfurter Flughafen. (Symbolfoto) Die Bundespolizei vollstreckte 2015 insgesamt 1392 Haftbefehle am Frankfurter Flughafen.
Nieder-Eschbach. 

Im Sommer kommenden Jahres fusionieren das 14. und das 15. Polizeirevier und bilden eine „Direktion Nord“ mit rund 150 Beamten. Zuvor, im Frühjahr 2017, wird Polizeipräsident Gerhard Bereswill die betroffenen Ortsbeiräte informieren. Dies sagte Thomas Schulze, Erster Polizeihauptkommissar und Leiter des 14. Reviers, das derzeit noch im Nordwestzentrum sitzt. Schulze und seine Kollegin Veronika Nickel, Polizeihauptkommissarin und stellvertretende Leiterin des 15. Reviers (Frankfurter Berg), stellten die neuesten Entwicklungen der Polizeifusion in der jüngsten Sitzung des Ortsbeirates 15 (Nieder-Eschbach) vor.

Zwei plus eins gleich vier?

Die Sache selbst ist den Nieder-Eschbachern bekannt: Nachdem das 14. Revier den Mietvertrag im Nordwestzentrum nicht verlängern konnte und auch das 15. Revier nicht optimal untergebracht ist, entschloss sich das Land Hessen, die beiden Reviere zusammenzulegen. Ausersehener Standort war die Lurgiallee, doch scheiterten die Verhandlungen mit einem Vermieter. In der Marie-Curie-Straße 30 nun wurde ein Mietvertrag geschlossen. Das Bürohaus wird für die Polizeizwecke umgebaut.

„Zurzeit sind zwei Funkstreifen des 14. Reviers und eine des 15. Reviers auf den Straßen“, sagte Schulze. „Nach der Zusammenlegung werden vier bis fünf Funkstreifen möglich sein.“

Wie das denn rechnerisch gehe? „Zwei plus eins gleich vier?“ fragte Tanja Raab-Rhein (CDU). Schulze antwortete, dass die Vermehrung möglich sei durch Synergie-Effekte. Funktionen würden wegfallen, dadurch würden Beamte frei für die Streife.

Michael Paul (Grüne) kritisierte: „Die Konzeption ist sehr schlecht für alles, was nördlich der Nidda liegt. Wir haben schon vor 20 Jahren eine Zusammenlegung gefordert. Jetzt, nachdem der Mietvertrag im Nordwestzentrum gekündigt ist, geht es plötzlich.“ Nur: Der Umzug der Reviere ins Mertonviertel mache die Situation für den Frankfurter Norden „nicht besser“.

An der Wahl des neuen Standorts übte auch Ortsvorsteher Ernst Peter Müller (CDU) Kritik: „In Bonames Ost entsteht ein neuer Stadtteil. Die Stadt hat darauf reagiert und richtet eine Feuerwache ein. Die Stadt hat der Polizei angeboten, ebenfalls dort hinzuziehen.“ Trotzdem gehe die Polizei nun ins Mertonviertel.

Rainer Drephal (Freie Wähler) hat bislang schon schlechte Erfahrungen mit der Polizei gemacht: „Ich habe nach einem Einbruch schon 45 Minuten auf die Polizei gewartet. Eine Streife! Eine einzige Streife für sieben Ortsteile, das ist ein Skandal!“ Für Nieder-Eschbach und sechs weitere Stadtteile ist das 15. Revier zuständig. Stefan Freiherr von Wangenheim, der FDP-Abgeordnete im Ortsbeirat, nahm die Polizei in Schutz: „Als bei mir eine Scheibe eingeschlagen wurde, war die Polizei zehn Minuten später da. Schneller geht es nicht.“

Veronika Nickel, die den erkrankten Leiter des 15. Reviers vertrat, räumte dennoch Wartezeiten ein. „Mit einem Auto müssen wir die Einsätze der Reihe nach fahren.“ Beate Lamb (CDU) konnte das nicht verstehen: „Mein Mann ist bei der Berufsfeuerwehr. Die können auch nicht sagen, wir kommen erst, wenn der andere Brand gelöscht ist.“ Dann müsse das Revier eben ausreichend ausgestattet werden.

Eine Chance für das Revier

Statistisch stehe Nieder-Eschbach gar nicht schlecht da, betonte Nickel. „Die Zahl der Einbrüche geht zurück.“ Es möge sein, zürnte Tanja Raab-Rhein, „dass Nieder-Eschbach für die Polizei kein Schwerpunkt ist, aber für die Bürger ist er es“. Sabine Klopp von den Grünen bestätigte: Nach 22 Uhr traue sich niemand mehr an die U-Bahn-Haltestelle, Jugendliche verkauften im Bieberpark, am Sprudel und am Bolzplatz Drogen. Alle wüssten es, Polizei sehe man nur selten. „Sollen wir eine Bürgerwehr gründen?“

Schulze riet den Ortsbeiräten, dem neuen Revier im Mertonviertel doch „eine Chance“ zu geben. Wenn mehr Beamte für den Streifendienst frei werden, werde sich die Sicherheit erhöhen.

Zur Startseite Mehr aus Frankfurt

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2016 Frankfurter Neue Presse