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Demonstration: Geplantes Kraftwerk in Griesheim: Der Protest wird lauter

Der Protest der Griesheimer gegen das im dortigen Industriepark geplante Braunkohlestaubkraftwerk hat am Samstag konkrete Formen angenommen: Rund 200 Demonstranten, doppelt so viele wie angemeldet, trafen sich vor den Werkstoren, um ihren Widerstand gegen die Pläne des Chemieunternehmens Weyl Chem deutlich zu machen.
Rund 200 Menschen sind zur ersten Demonstration gegen das Braunkohlestaubkraftwerk gekommen. Bilder > Foto: Maik Reuß Rund 200 Menschen sind zur ersten Demonstration gegen das Braunkohlestaubkraftwerk gekommen.
Griesheim. 

Nicht zu überhören und nicht zu übersehen war der Protest am Samstagnachmittag von rund 200 Demonstranten vor den Werkstoren des Industrieparks Griesheim. Der Aufmarsch, zu dem die Bürgerinitiative „Main-Griesheim“ um Sprecherin Erika Rech aufgerufen hatte, richtet sich gegen die Baupläne des Chemiekonzerns Weyl Chem, hier bis 2016 ein Braunkohlestaubkraftwerk zu errichten. Am Zaun des Geländes schlossen sich die Demonstranten, die Schilder mit „Wir lassen uns nicht verkohlen“ hochhielten, dirigiert von Initiativen-Mitbegründerin Ursula Schmidt zum Zeichen ihres Widerstands gegen den Kraftwerksbau zu einer Menschenkette zusammen.

Angesichts des wohl lautstark werdenden Protests hatte Thomas W. Büttner, Geschäftsführer von Weyl Chem-Griesheim, erklärt, am Protesttag keine Gespräche zu suchen. Ein Gesprächsangebot an die Bürgerinitiative, zum Beispiel bei einem Besuchstermin im vergleichbaren Kraftwerk Fechenheim, bestehe aber immer noch, betont Büttner. Im Mai will der Konzern einen Antrag für das Kraftwerk beim Regierungspräsidium in Darmstadt einreichen.

 

Nicht wie in Fechenheim

 

Kritik am Plan des Unternehmens, Braunkohlestaub als Energieträger für das neue Griesheimer Kraftwerk zu wählen, äußerte am Samstag auch Roger Podstatny, umweltpolitischer Sprecher der SPD-Römerfraktion, der die Kohlenenergietechnik „im letzten Jahrtausend begraben“ gehofft hatte. „Hier in Griesheim sollte sich nicht wiederholen, was in Fechenheim geschehen ist“, stimmte Angela Hanisch, umweltpolitische Sprecherin der Grünen im Römer, zu. „Ein Kraftwerk, das von der Leistung und den CO2-Werten gerade so unterhalb die für den Emissionshandel festgelegten Eintrittswerte mogelt und Braunkohle nutzt, nur weil es im Moment die billigste Option ist, wollen wir hier nicht.“

Thomas Schlimme (Grüne) aus dem Ortsbeirat 6 (Frankfurter Westen) fürchtete indes, seine Umweltschutzgruppe „Schnüffler un’ Maagucker“ reaktivieren zu müssen, die ihre Arbeit nach Verbesserungen der Luftqualität in der Höchster Region in den frühen 1990ern reduzieren konnte. Der Ortsbeirat selbst hatte am vergangenen Dienstag beschlossen, mit einem Antrag an den Magistrat den Bau des Kraftwerks so schwer wie möglich zu machen.

 

Eine Farce

 

Seitens der Demonstranten nahmen der Ärger über die Wahl des Energieträgers Kohle und die Schärfe im Ton der Kritik zu, etwa beim Griesheimer Matthias Blendinger (39), der die am Donnerstag von Weyl Chem veröffentlichte Erklärung, Kohle sei nur der erste von mehreren möglichen Energieträgern für das neue Kraftwerk, für eine Farce hält. „Das Kosten-Nutzen-Kalkül läuft bei dem Unternehmen einfach gegen die Sicherheit der Anwohner. Soweit ich weiß, kosten die zusätzlichen Filter, die sogar die Kohle erträglich machen würden, nur rund 100 000 Euro mehr. Und warum kann man nicht, mit geringem Gewinneinbußen, direkt auf erneuerbare Rohstoffe wechseln?“

Mathias Wild (42) aus Griesheim kritisierte indes den Tonfall, mit dem Weyl Chem bisher auftrat. „Das Unternehmen zeigte uns Bürgern gegenüber bei den bisherigen Infoveranstaltungen eine abstoßende Arroganz; die Verpflichtungen eines Energieversorgers zu Profit und Grenzwerten scheinen egal.“

Beteiligt am Protest gegen das Griesheimer Kohlekraftwerk waren zum ersten Mal auch die von der Bürgerinitiative „Main-Griesheim“ „homo griesheimiensis“ getauften Kinder der Demonstranten, die bunte Käferfühler-Haarreifen auf dem Kopf trugen. „Zu der Aktion mit den Haarreifen haben wir aufgerufen, um die Doppelmoral in Politik und Wirtschaft anzuprangern“, erklärt Initiatorin Schmidt. „Würde jetzt auf dem Gelände eine bedrohte Käferart hausen, wäre das Kraftwerk sofort vom Tisch.“ Kurzerhand machte die Bürgerinitiative so, frustriert vom Gesprächsduktus mit Weyl Chem, alle Griesheimer Kinder zu einer bedrohten Art.

Bilderstrecke Griesheim: Demonstration gegen neues Kohlekraftwerk
In Frankfurt Griesheim haben am Samstag, 25.04.2015 viele Bürger gegen das geplante Kohlekraftwerk demonstriert.Hier spricht Erika Rech von der Bürgerinitiative Main Griesheim.Eine Demonstrantin hält eine Staubschutzmaske in den Händen und hört den Reden zu.
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