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Korruptionsprozess: Geständnis im Cargo-City-Prozess

Von Der mit Spannung erwartete Korruptionsprozess um die „Cargo City Süd“ hat mit einem umfassenden Geständnis des Maklers Uwe S. begonnen.
Blauer Hut, demonstratives Lächeln: Investor Ardi Goldman (l.) und sein Anwalt auf dem Weg durch den Gerichtssaal.	Fotos: Bernd Kammerer Bilder > Blauer Hut, demonstratives Lächeln: Investor Ardi Goldman (l.) und sein Anwalt auf dem Weg durch den Gerichtssaal. Fotos: Bernd Kammerer
Frankfurt. 

Als Ardi Goldman den Gerichtssaal betritt, sind die Bildjournalisten plötzlich hellwach. Mit ihren Kameras nehmen sie den Frankfurter Investor in den Fokus, folgen ihm bis zu seinem Platz. Goldman, der einen blauen Hut auf dem Kopf trägt, hat ein Lächeln im Gesicht, das versteinert wirkt. Das Blitzlichtgewitter nimmt auch dann kein Ende, als Goldman längst sitzt. Der Investor sagt so etwas wie: „Jetzt habt ihr doch genug Fotos gemacht!“ Die Kameras klicken und surren aber trotzdem weiter.

Bilderstrecke Cargo-City-Prozess in Frankfurt: Ardi Goldman vor Gericht
Am 10. Februar 2015 begann vor dem Frankfurter Landesgericht der sogenannte "Cargo-City-Prozess". Dabei geht es um angebliche Schmiergeldzahlungen in Millionenhöhe im Zusammenhang mit der "Cargo City Süd" am Frankfurter Flughafen. Unter den Angeklagten ist auch der bekannte Frankfurter Immobilieninvestor Ardi Goldman.Ardi Goldman ist der einzige der fünf Angeklagten, dessen Bild öffentlich gezeigt werden darf.Die weiteren Angeklagten sind drei Geschäftsmänner und ein ehemaliger Fraport-Manager.

Der Auftakt im Korruptionsprozess „Cargo City Süd“ hat am Dienstag Dutzende Journalisten ins Frankfurter Landgericht gelockt. Das liegt nicht nur an der regionalen Prominenz Ardi Goldmans. Zu den fünf Angeklagten zählt auch Jürgen B. Harder, der als Projektentwickler und Lebensgefährte der ehemaligen Schwimmweltmeisterin Franziska van Almsick zu Bekanntheit gelangt ist.

Harder meidet die Kameras, so gut es geht. Den Journalisten, die den Angeklagten vorm Gerichtsgebäude auflauern, schlägt er ein Schnippchen, indem er einen anderen Weg zum Verhandlungssaal wählt. Dem Vernehmen nach war es Harders Verteidigung, die zuerst auf sitzungspolizeiliche Maßnahmen gedrungen hat. Alle Angeklagten müssen auf Aufnahmen verpixelt werden. Allein Goldman erklärt sich damit einverstanden, dass die Medien ihn vor Gericht zeigen.

 

Schmiergelder im Fokus

 

Der Prozess dreht sich vor allem um Schmiergelder, die als Gegenleistung zur bevorzugten Vergabe von Erbbaugrundstücken auf dem Gelände der „Cargo City Süd“ am Flughafen geflossen sein sollen (wir berichteten). Davon profitiert haben sollen der mit der Entwicklung des ehemaligen Air-Base-Geländes betraute Fraport-Abteilungsleiter Volker A. und der Immobilienmakler Uwe S. , die ebenfalls angeklagt sind. Zu den Angeschuldigten gehört außerdem Kai B., ein Geschäftspartner Harders.

Nach der Verlesung der Anklagen beginnt der Prozess mit einem umfassenden Geständnis des Maklers Uwe S.: „Die Sachverhalte in der Anklage, an denen ich beteiligt war, entsprechen den Tatsachen; die gegen mich in der Anklage erhobenen Vorwürfe treffen zu“, heißt es in der Einlassung, die der Frankfurter Rechtsanwalt Uwe Lenhart im Namen seines Mandanten verliest.

S. räumt ein, dass er mit dem Fraport-Abteilungsleiter Volker A. eine Schmiergeld-Vereinbarung traf. Er habe A. die Hälfte der Provisionen für die Abschlüsse von Erbbaurechtsverträgen mit Goldmans Cargoport GmbH und der Harder Lambda GmbH zugesichert. Auch von den Provisionen für die Vermittlung von Mietern und Käufern für die Objekte, die auf den Erbbaugrundstücken gebaut werden sollten, habe jeweils die Hälfte an A. fließen sollen. S. gesteht, dass ihm die Strafbarkeit dieses Prozederes bewusst gewesen sei.

Makler S. räumt weiter ein, für den Abschluss eines Immobilienkaufvertrags zwischen der Fraport und der Harder Sigma GmbH eine ähnliche Vereinbarung mit dem Fraport-Mitarbeiter getroffen zu haben. Außerdem gibt S. zu, in einem Zivilprozess, der sich um die Harda Lambda drehte, die getroffene Schmiergeldabrede verschwiegen zu haben. In dem Prozess ging es um nicht beglichene Schmiergeldforderungen in Höhe von zwei Millionen Euro. S. forderte die Summe unter Vorspiegelung falscher Tatsachen per Zivilklage ein. Am Ende stand ein Vergleich, S. wurden mehr als 800 000 Euro zugesprochen.

 

„Falsche Entscheidung“

 

„Ich habe in der Aussicht, sehr viel Geld zu verdienen, die völlig falsche Entscheidung getroffen“, kommentiert S. seine illegalen Vereinbarungen. Der Makler kündigt an, sich seinem Verfahren und seiner Bestrafung „vollumfänglich“ zu stellen, seine Schuld einzugestehen und bei der Aufklärung zu helfen. Fragen des Vorsitzenden Richters will S. am ersten Prozesstag aber noch nicht beantworten.

Ardi Goldman, Jürgen Harder und Kai B. kündigen ihrerseits Erklärungen an, die voraussichtlich in den nächsten Sitzungen verlesen werden. Makler S. sagt, dass Goldman „nicht begeistert“ gewesen sei, als er von der vereinbarten Beteiligung des Fraport-Mitarbeiters an den Provisionen erfahren habe. Er habe sich aber im Sinne von „Tu, was getan werden muss“ geäußert. S. hat das nach eigener Auskunft so aufgefasst, dass Goldman die Zahlungen zwar nicht recht waren, er sie aber in Kauf nehmen würde, um in der „Cargo City Süd“ unternehmerisch tätig werden zu können. Goldmans Firma Cargoport soll mit dem Grundstück auf dem ehemaligen Air-Base-Gelände laut Anklage 15 Millionen Euro Gewinn gemacht haben.

Uwe S. kam in seiner Einlassung auch auf Jürgen Harder und seinen Geschäftspartner Kai B. zu sprechen. Diese hätten beim ersten Treffen mit Fraport-Mitarbeiter A. „sehr starkes Interesse“ am Bau einer Immobilie in der „Cargo City Süd“ gezeigt. So sei eine Regelung analog zu der mit Goldman vereinbart worden. Laut Anklage ging es bei den Schmiergeldabsprachen mit der Cargoport und der Harder Lambda GmbH um insgesamt 5,6 Millionen Euro. Der Prozess wird am 20. Februar fortgesetzt.

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