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Online-Fundbüro in Fechenheim: Gesucht und gefunden

Von Was tun, wenn man etwas verloren hat und es schnell wiederhaben will? Am schnellsten und bequemsten geht es übers Internet, finden Markus Schaarschmidt und Antonio Vega – und haben das erste interaktive Online-Fundbüro eröffnet.
Schlüssel verloren und auf der Suche? Tobias Freyberg, Antonio Vega und Markus Schaarschmidt (v. l.) können dann vielleicht behilflich sein. Die Unternehmer haben ein Portal gegründet, dass als Online-Fundbüro schon zwei Millionen Einträge verzeichnet. Foto: Leonhard Hamerski Schlüssel verloren und auf der Suche? Tobias Freyberg, Antonio Vega und Markus Schaarschmidt (v. l.) können dann vielleicht behilflich sein. Die Unternehmer haben ein Portal gegründet, dass als Online-Fundbüro schon zwei Millionen Einträge verzeichnet.
Fechenheim. 

Oft ist es nur ein kleiner Augenblick der Unaufmerksamkeit und schon sind Urlaubsbilder auf dem Handy, das teure Mountain-Bike oder das Notebook mit der halbfertigen Diplomarbeit weg. Wer etwas verloren hat, versucht oft alles, um es wieder zu bekommen. Und das ist oft mit sehr viel Aufwand verbunden. Man geht zur Polizei oder zum städtischen Fundbüro. Aber auch die Bahn und die Verkehrsgesellschaft Frankfurt, die für die U- und S-Bahnen zuständig sind, oder Zoll und Bundespolizei haben Fundbüros. Doch oft ist der Aufwand vergeblich.

Genau deshalb haben der Informatiker Markus Schaarschmidt und sein Partner, Antonio Vega (30), die Internetseite www.zentralesfundbuero.com kreiert. 15 Monate haben sie daran gearbeitet, seit April diesen Jahres ist das Portal online – und hat schon mehr als zwei Millionen Such- und Fundeinträge. „Manches hat einen viel höheren ideellen als materiellen Wert, etwa der Lieblings-Teddy der Tochter oder entlaufene Tiere“, freut sich Markus Schaarschmidt (32), Geschäftsführer von Neosulting in Fechenheim, über die vielen ehrlichen Finder.

Die Bedienung des Portals ist simpel: Ein interaktive Karte zeigt an, wie viele Meldungen es gibt: 300 000 in Deutschland, 20 000 aus den Niederlanden, 470 000 gar aus Österreich. Polen, Ungarn, selbst Moldavien ist vertreten. Bis in einzelne Straßen kann man in die Karte zoomen. An der Merianschule wurde ein Fahrrad gestohlen, eine Kreditkarte einer Bank im Oeder Weg wurde in Bonn gefunden. Das Fundbüro Berlin meldet, bei ihm liege eine kleine silberne Tasche, die jemand an der Konstablerwache in Frankfurt fand.

Die meisten Fundbüros, sagt Schaarschmidt, seien noch nicht im Internet angekommen. Dabei gebe es jedes Jahr 3,16 Milliarden Fundsachen weltweit, jeder Deutsche verliere 1,24 Gegenstände pro Jahr – im Wert von durchschnittlich 140 Euro. Offenbach und einige andere Gemeinden hätten bereits Internetseiten, auf denen sie Fundstücke aufführen – allerdings in simplen Listen, was die Suche schwierig mache. Frankfurt bietet nicht einmal diesen Service. Zwar gebe es bereits Online-Fundbüro-Dienste, aber auch diese müsse man kompliziert per Hand durchsuchen. „Niemand kam bisher auf die Idee, es so einfach zu machen wie wir: Mit einer interaktiven Karte.“

Interaktive Karte

Neben der interaktiven Karte gibt es ein Formular, in das man einträgt, was man sucht oder gefunden hat, wo und wann es verloren ging, die Seriennummer, eine Beschreibung und die Höhe des Finderlohns. „Man sollte aber einige kleine Details nicht nennen. Damit man überprüfen kann, ob der, der sich meldet, auch das Richtige ist“, betont Schaarschmidt.

Ein Lager ist nicht nötig: Wer etwas findet, muss es bei einem Fundbüro oder der Polizei abgeben – oder zumindest eine E-Mail schreiben, was er wann und wo gefunden hat, betont Schaarschmidt. „Sonst ist das Fundunterschlagung.“

Idee und Programmierung des Internet-Auftritts stammen von Schaarschmidt, Antonio Vega leitet das operative Geschäft. Tobias Freyberg, der Dritte im Team, betreut die Technik hinter dem Fundbüro. Denn sogenannte „Crawler“ durchforsten automatisch und rund um die Uhr die Internetportale jener Fundbüros, die ihre Fundstücke dort einstellen – und das nicht nur in Deutschland. „In Österreich ist es üblich, dass Fundbüros alles ins Internet stellen.“

Ein Service, der für die Nutzer gratis ist. „Wer das Gesuchte auf unserer Seite findet, kann direkt Kontakt zum Finder aufnehmen“, sagt Vega. Aber wie verdient die Firma dann Geld? Durch zusätzliche Dienste für Privatpersonen und Firmen, erklärt Schaarschmidt. „Wir wollen ein ganzheitliches Angebot bieten.“ Wer etwas verloren hat, kann den Suchdienst von Zentrales Fundbüro nutzen – unter www.fundagent.de. Der automatische Suchdienst etwa ist in den ersten beiden Wochen kostenlos – wer länger suchen lassen will, bezahlt 4,99 Euro für drei Monate. „Auf Wunsch suchen wir aber auch per Hand, telefonieren Fundbüros in ganz Deutschland ab“, sagt Schaarschmidt. Auch in sozialen Medien wie Facebook und Twitter werden dann Suchanfragen gepostet. Die Kosten dafür richten sich nach dem Wert des Gesuchten – wenn die Profi-Sucher fündig werden.

Für Hotels oder große Firmen gibt es eine eigene kleine Software, um ihre eigenen Fundsachen zu verwalten – mit einfachem Zugriff für Gäste und Mitarbeiter. „Dabei entscheidet jeder selbst, ob er das Programm nur intern nutzt oder die Fundsachen auch auf der Seite Zentrales Fundbüro einstellt“, erklärt Vega. Auch dieser Service ist gratis: Geld verdienen die Jungunternehmer an der Rückführung der Fundsache an den Besitzer, wenn dieser sie nicht selbst abholen kann oder will.

Weltweite Vernetzung

Schaarschmidts Traum wäre, wenn irgendwann alle Fundbüros, aber auch Firmen und Privatleute, „Zentrales Fundbüro“ nutzen. „Erste Gemeinden zeigen bereits Interesse.“ Dabei seien aber auch Datenschutz- und andere rechtliche Fragen zu berücksichtigen. Die Seite gibt es auch auf Englisch, weitere Sprachen sind in Planung, das Ziel ist ein Online-Fundbüro für die ganze Welt. „In Polen oder der Ukraine etwa gibt es keine Fundbüros. Und in vielen Ländern trauen die Menschen der Polizei nicht, würden dort nie eine Fundsache abgeben“, sagt Schaarschmidt. Ideale Märkte also für die Fechenheimer, denn bislang ist ihre Fundbüro-Onlineplattform einmalig.

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