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Tierquälerei: Giftköder und präparierte Würstchen: Die Angst vor den Hundehassern

Mit Rasierklingen versehene Würstchen, vergiftete Leckerlis und nun eine verdächtige Substanz, die aber noch untersucht werden muss. Möglicherweise ist es die nächste Attacke auf Frankfurts Hunde. Unter deren Besitzern geht die Angst um. Und die Gefahr ist nicht gebannt: Denn für die Polizei ist es schwer, Täter zu finden.
Dieses verdächtige rosafarbene Granulat wurde jüngst im Stadtwald gefunden. Das Grünflächenamt vermutet, dass es sich um Gift handelt. Foto: Leonhard-Hamerski Dieses verdächtige rosafarbene Granulat wurde jüngst im Stadtwald gefunden. Das Grünflächenamt vermutet, dass es sich um Gift handelt.
Frankfurt. 

Wenn Tochter Talita und ihr Vater Patrizio Marzocchi mit den Hündinnen Chanel und Amy im Stadtwald bei Oberrad spazieren gehen, begleitet sie stets eine gewisse Angst. Angst davor, dass eine ihrer Hündinnen ein mit Rattengift oder Rasierklingen gespicktes Stück Fleischwurst fressen. „Ich schauen immer aufmerksam nach links und rechts, ob ich irgendwo etwas Verdächtiges liegen sehe“, sagt der 51-jährige Oberräder.

„Die Tiere drohen innerlich zu verbluten“

Melanie Berger (37) hat eine Tierarztpraxis in Sachsenhausen. Redakteur Thomas J. Schmidt hat mit ihr über Giftköder gesprochen.

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Zu frisch ist noch die Erinnerung an jenen Tag im Oktober des vergangenen Jahres als Chanel zu Hause zusammengebrochen ist, Blut erbrochen hat. Sofort seien er und seine Frau mit der Hündin, ein Mix aus Jack-Russell-Terrier und Cavalier-King-Charles-Spaniel, zu einer Tierärztin gefahren. „Nur weil wir so schnell reagiert haben, hat Chanel überlebt“, sagt Marzocchi. „Wir haben es zwar nie untersuchen lassen, aber die Symptome sprachen laut Tierärztin für Gift.“ Nun ist er immer mit einem unguten Gefühl unterwegs.

An vielen Orten

So wie den Marzocchis geht es derzeit vielen Frankfurter Hundebesitzern. Die Angst ist allgegenwärtig. In jüngster Vergangenheit waren im Stadtgebiet immer wieder Tierquäler aktiv – Mal nahe der Babenhäuser Landstraße, mal am Scheerwald, mal am Beckerweg und mal an der Oberschweinstiege, Mal waren die Leckerlis mit Nägeln, mal mit Rasierklingen, mal mit Gift bestückt. Einige Tiere sind daran auch gestorben. Jetzt sind wohl wieder Giftköder aufgetaucht. Zumindest wurde ein verdächtiges rosafarbenes Granulat gefunden – im Wald zwischen der Isenburger Schneise und der Darmstädter Landstraße, am Jacobiweiher und am Königsbrünnchen. Im Stadtwald warnen Schilder vor der drohenden Gefahr.

„Um was es sich bei dem Granulat handelt, müssen wir noch herausfinden“, sagt Frankfurts Chef-Försterin Tina Baumann. Ein Labor wurde mit der Untersuchung der Substanz beauftragt. „Mit ersten Ergebnissen rechnen wir in den nächsten Tagen“, sagt Baumann. „Erst dann können wir sagen, ob es sich um Gift handelt und um was für eins.“ Mehr könne man derzeit noch nicht dazu sagen. Dennoch weist sie darauf hin, dass in demselben Gebiet von Sachsenhausen bis Oberrad schon vor einigen Wochen Rasierklingen und Gift bestückte Fleischstücke gefunden wurden. Aber solange keine Ergebnisse der aktuellen Untersuchung des Granulats vorliegen, will sie keine Panik verbreiten.

Dennoch rät sie Hundebesitzer zu Umsichtigkeit. „Am besten werden Tiere im Wald an der Leine und unter ständiger Aufsicht geführt“, sagt Baumann. Wer denkt, dass sein Vierbeiner dennoch etwas Verdächtiges gefressen hat, sollte sofort einen Tierarzt aufsuchen. „Das kann Leben retten“, sagt Baumann.

Nur Sachbeschädigung

Von dem oder den Tätern fehlt meist jede Spur. Der Polizei mangelt es an konkreten Anhaltspunkten oder Zeugenhinweisen, was für sie die Suche nach den Tierquälern erschwert. Zudem handelt es sich, so böse es auch klingt, lediglich um Sachbeschädigung, wenn ein Hund ein mit Gift oder Rasierklingen gespicktes Stück Wurst frisst. „Wir gehen den Fällen, wenn sie uns gemeldet werden, selbstverständlich nach, wir sichern auch Spuren, können es aber nicht wie einen Mordfall behandeln“, sagt Polizeisprecher Andrew McCormack.

Und so bleibt die Fahndung nach den Tätern meist erfolglos. Oberstaatsanwältin Nadja Niesen jedenfalls kann sich nicht erinnern, dass jemals jemand deswegen angeklagt wurde. „Wir ermitteln meist gegen unbekannt“, sagt sie. Die Polizei geht davon aus, dass es sich bei den Tätern um Hundehasser handelt, um Menschen, die sich vom bellenden Vierbeiner des Nachbarn gestört fühlen oder die in einen Hundehaufen getreten sind.

Wenn Patrizio Marzocchi an die Menschen denkt, die die Tiere in Lebensgefahr bringen, wird er wütend. „Das ist kriminell. Wenn ich jemals jemanden dabei erwischen sollte, wüsste ich nicht, was ich mit ihm anstelle.“ Die Polizei hätte einen Tipp: Wer verdächtige Gegenstände oder verdächtige Personen sieht, sollte dies umgehend dem 8. Polizeirevier unter Telefon (0 69) 75 51 08 00 melden.

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