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Eine Baumlesung im Brentanopark: Goethe, Ginkgo und Gefühle

Von Die Stadtführerin Katharina Schaaf und der Leiter der Bibliothek im Goethehaus Joachim Seng lüfteten bei der Baumlesung so manches Geheimnis. Am 3. August steht der nächste Termin an.
Katharina Schaaf führt auf Goethes Spuren durch den Brentanopark. Das interessierte ein großes Publikum.	Fotos (2): Chris Christes Bilder > Katharina Schaaf führt auf Goethes Spuren durch den Brentanopark. Das interessierte ein großes Publikum. Fotos (2): Chris Christes
Rödelheim. 

Große Ereignisse warfen ihre Schatten voraus, als Johann Wolfgang von Goethe 1814 nach Frankfurt zurückkehrte: Die Franzosen waren besiegt, Frankfurt und Deutschland mussten sich neu erfinden und der Dichterfürst lernte Marianne von Willemer kennen. 200 Jahre später wird Frankfurt als „Europäische Stadt der Bäume“ ausgezeichnet, und die Damen im Brentanopark fächeln sich Luft zu: „Wir sind im Klimawandel angekommen und müssen uns die Bedeutung unserer Bäume und Grünzonen deutlich machen“, betont die Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne).

Über 100 Gäste haben sich bei der zweiten Baumlesung „Dieses Baumes Blatt...Goethe, Ginkgo und Gefühle“ vor dem Petrihaus eingefunden. Für den Förderverein ist es wie ein zweites Ginkgobaumfest, doch dafür gehört der Ginkgo ebenso zu den Auserwählten unter den 200 000 Frankfurter Stadtbäumen wie die Eschenheimer Linde und die Platane neben dem Nebbienschen Gartenhaus. Auch Goethes junge Muse ist anwesend in Gestalt der Rödelheimer Stadtführerin, Historikerin und Schauspielerin Katharina Schaaf.

Doch zunächst erkundet Joachim Seng, Leiter der Bibliothek im Goethehaus, was es mit den Ginkgoblättern und dem vielzitierten Gedicht „Gingo biloba“ um den ursprünglich in China beheimateten Baum auf sich hat. „Denn das Gedicht besteht wie andere Verse zwischen Goethe und Marianne aus einem Geheimcode.“ Und die letzte Zeile „Dass ich eins und doppelt bin“ deutet auf die verborgene Liebe hin. Immerhin war Goethe 1814 zum ersten Mal nach 17 Jahren wieder von Weimar nach Frankfurt gereist. „Man warf ihm vor, nicht zum Begräbnis seiner Mutter gekommen zu sein. Doch das wäre während der Belagerung durch die Franzosen zu gefährlich gewesen.“ Nun, da ihn eine Sammlung persischer Gedichte seines Verlegers zum „West-östlichen Diwan“ anregte, machte er die Bekanntschaft seiner jungen Muse, die er als „Suleika“ in seinem Werk verewigte. „Er betrachtete sie auf gleicher Augenhöhe, denn er nahm Gedichte von ihr auf“, betont Seng. Doch die Entstehungszeit deute darauf hin, dass die ihr zugesandten Blätter nicht vom Ginkgo im Heidelberger Schlossgarten stammen, sondern von einem Frankfurter Exemplar – entweder dem des Apothekers Salzwedel oder dem um 1750 gepflanzten Baum vor dem Petrihaus.

Im Brentanopark selbst sind noch einige Bäume aus Goethes Zeit enthalten: „Eine Eiche ist sogar 350 Jahre alt, auch wenn das für diesen Baum noch kein hohes Alter ist“, erklärt Katharina Schaaf. Doch von dem Irrgarten und dem Hecken theater, die Georg Brentano in dem ab 1808 erworbenen Gelände anlegen ließ, ist kaum etwas erhalten: Denn der reformpädagogisch orientierte Gartenbaudirektor Max Bromme ließ den Park 1927 bis 30 in einen Schulgarten mit Unterrichtspavillon umwandeln. Von dem früheren „Zauberreich“, in dem Georg Brentano ein bisschen Sonnenkönig spielte, vermitteln noch ein Badetempel, steinerne Löwen und Sphinxe sowie das Petrihaus einen Eindruck, nachdem das nahe gelegene Haus der Brentanos abgerissen wurde. „Ein Maulbeerbaum diente dem ausgefallenen Hobby der Seidenraupenzucht“, betont Schaaf. Und kommt noch einmal auf den Ginkgo zu sprechen, der nach entsprechenden Untersuchungen der Goethe-Ginkgo sein könnte. Als Marianne rezitiert sie noch einmal das zauberhafte Gedicht, ehe sie die Besucher in den Sonntagabend entlässt.

Die dritte Baumlesung beginnt am Sonntag, 3. August, um 15 Uhr am Eschersheimer Lindenbaum an der gleichnamigen U-Bahn-Station.

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