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Neujahrsblasen: Goetheturm: Zapfenstreich vor der Brandruine

Von Zum 28. Mal lud der Sachsenhäuser Jagdklub gestern Vormittag zum Neujahrsblasen. Nur etwas war ganz anders als all die Jahre zuvor: Vom Goetheturm, der stets als eindrücklich Kulisse gedient hatte, ist bekantlich kaum mehr etwas übrig. „Ein Kamerad, den wir verloren haben“, sagte Klubvorsitzender Simon Böll über das abgebrannte Holzbauwerk.
„Es war eine tolle Kulisse“: Sachsenhäuser Jäger blasen am abgebrannten Goetheturm zum Jahresauftakt. Fotos: Michael Faust Bilder > Foto: Michael Faust „Es war eine tolle Kulisse“: Sachsenhäuser Jäger blasen am abgebrannten Goetheturm zum Jahresauftakt. Fotos: Michael Faust
Sachsenhausen. 

An dem Bauzaun, der um die steinernen Reste des Goetheturms herum aufgestellt ist, steckt eine rote Rose. Es ist wohl ein Abschiedsgruß an den 1931 errichteten hölzernen Turm, der im Oktober den Flammen zum Opfer fiel. Das Aussichtsbauwerk im Stadtwald war beliebt, ganz besonders auch bei den Mitgliedern des Sachsenhäuser Jagdklubs, die gleich nebenan ihr Jagdhaus haben. Und so war die Stimmung, in der ihre Hornbläser am Montagvormittag in traditioneller Weise das neue Jahr begrüßten, auch etwas gedrückt.

Abschiedssignal zu Beginn

Die Bläser begannen mit Abschiedssignalen: Zapfenstreich, „Jagd vorbei“, Halali. „Für einen Kameraden, den wir verloren haben“, sagte Simon Böll, erster Vorsitzender des Jagdklubs. Ein hölzerner Kamerad, der vermutlich durch Brandstiftung verschwand. Übrig blieb nur sein Fundament. Die Bläsergruppe vor der Brandruine im Rücken, nutzte Böll die Gelegenheit, auch eines menschlichen Kameraden zu gedenken: Bläsermeister Hans Wink verstarb noch im alten Jahr. Auch ihm galt der musikalische Abschiedsgruß.

Spenden für Wiederaufbau

Viele Freunde des Jagdklubs waren zum Zuhören gekommen. Sie wärmten sich mit Glühwein und heißem Orangensaft. Das Neujahrsblasen am Goetheturm ist ein beliebter Treffpunkt. Auch ohne den Turm war der Andrang mit rund 200 Gästen groß. „Aber es fehlt einfach etwas“, sagte Ingrid Freyeisen am Glühweinausschank mit Schmerz in der Stimme. Ihre Hand führte sie dabei an ihr Herz. „Der Turm war immer da. Es war eine tolle Kulisse.“ Vor ihr auf dem Tisch stand eine Spendenbox, denn der Sachsenhäuser Jagdklub sammelt Geld für den Wiederaufbau.

„Wir Grünröcke lieben ja unsere Holzbauten, davon stellen wir auch ganz viele in den Wald“, erklärte Simon Böll, der zwischen den Bläserstücken moderierend durch das Neujahrskonzert der Weidmänner führte. Er erinnerte an die Geschichte des Goetheturms. „1877 entstand ein erster Holzturm – 22 Meter hoch und aus Frankfurter Holz gebaut. Er wurde ebenfalls aus Spenden finanziert“, erzählte Böll. Dieser alte Turm hielt bis 1920, dann wurde er wegen Baufälligkeit abgerissen.

„Ganze elf Jahre dauerte es, bis ein neuer Turm gebaut wurde. Ich hoffe ganz ehrlich, dass es diesmal nicht so lange dauert“, so Böll. Mit diesem Wunsch stieß der Klubvorsitzende auf breite Zustimmung im Publikum. Die Jäger und ihre Neujahrsgäste waren sich offenbar einig: Der bereits angekündigte, möglichst originalgetreue Wiederaufbau des Goetheturms sollte so schnell wie möglich vonstatten gehen. Damit aus dem diesjährigen „Ruinenblasen“ bald wieder das traditionelle „Turmblasen“ werden kann. Eine Anekdote gab Böll noch zum besten: In einem Jahr hätten die Hornbläser nicht vor dem Turm gestanden, sondern oben darauf. „Das war nicht so erfolgreich, denn die Offenbacher haben mehr gehört als die Frankfurter hier unten“, so Böll. „Das haben wir gleich wieder geändert, so groß ist unsere Liebe zu Offenbach dann doch nicht.“

Die musikalische Leitung hatte dieses Jahr David Haensel. Bläserobmann Walter Freyeisen konnte sie aus gesundheitlichen Gründen nicht übernehmen. Doch er ließ es sich nicht nehmen, in den Reihen der Jagdklubbläser mit aufzutreten. Ergänzt wurde die 14-köpfige Gruppe durch drei Alphornbläser, die einige Schritte entfernt direkt am Zaun vor den Fundamentresten des Turms standen.

In guter Tradition ging es nach dem Freiluftkonzert im benachbarten Klubhaus weiter. Dort wurden Rippchen mit Sauerkraut und Jägereintopf aus Wildfleisch serviert.

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