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ÖPNV: Gratis-Nahverkehr wäre für Frankfurt teuer

Von Die Stadt zahlt immer höhere Zuschüsse für den öffentlichen Nahverkehr. Trotzdem wird nach wie vor der größte Teil der Kosten von Bussen und Bahnen durch Fahrgeldeinnahmen gedeckt. 248 Millionen Euro waren es im Jahr 2016. Dieser Betrag müsste kompensiert werden, wollte man den Nahverkehr kostenlos anbieten.
Rund 24 Millionen Euro im Jahr schießt die Stadt allein für den Betrieb der 64 Buslinien zu. Müssten die Fahrgäste keine Tickets mehr kaufen, würde sich dieser Betrag deutlich erhöhen, weil Einnahmen wegfallen. Foto: Frank Rumpenhorst (dpa) Rund 24 Millionen Euro im Jahr schießt die Stadt allein für den Betrieb der 64 Buslinien zu. Müssten die Fahrgäste keine Tickets mehr kaufen, würde sich dieser Betrag deutlich erhöhen, weil Einnahmen wegfallen.
Frankfurt. 

Der Vorschlag der Bundesregierung, zur Verbesserung der Luftqualität in einigen Städten den Nulltarif im öffentlichen Nahverkehr auszuprobieren, hat in Frankfurt die Diskussion über den Nulltarif wieder beflügelt. „Ein kostenloser Nahverkehr ist ein schönes Ziel, das der Bund dann aber auch dauerhaft bezahlen muss“, sagte Grünen-Fraktionschef Manuel Stock. Die grüne OB-Kandidatin Nargess Eskandari-Grünberg kündigte an, sie werde sich im Fall ihres Wahlsiegs dafür einsetzen, dass auch Frankfurt zu den Versuchsstädten zählt. Für ihre Mitbewerberin Janine Wissler (Linke) wäre der Nulltarif ein „wichtiger Beitrag zu einer echten Verkehrswende“. CDU-Kandidatin Bernadette Weyland dagegen ist skeptisch. Sie fürchtet, dass es zu einer „chaotischen Überlastung“ der Nahverkehrsstrecken in der Stadt kommen würde. Es würde viele Jahre dauern, bis das Verkehrssystem so ausgebaut ist, dass es einen sprunghaften Anstieg der Fahrgäste verkraftet.

Ministerin eingeladen

Ähnlich argumentiert auch Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD). „Bereits heute zählen viele Strecken von und nach Frankfurt zu den am besten ausgelasteten Bahnverbindungen deutschlandweit.“ Er unterstütze zwar „deutliche Fahrpreissenkungen“, doch dürfe das nicht zu noch volleren Bussen und Bahnen führen. Frankfurt biete sich als Modellregion an. Er habe deshalb Bundesumweltministerin Barbara Hendricks eingeladen.

Weyland verwies nicht nur auf Kapazitätsengpässe, sondern auch auf die drohenden Einnahmeausfälle. Allein für U-Bahn, Straßenbahn und Busse in Frankfurt waren das im Jahr 2016 insgesamt 248 Millionen Euro. Für das gesamte Gebiet des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV) summieren sich die Einnahmen aus dem Ticketverkauf sogar auf 900 Millionen Euro.

Schon heute wird der Nahverkehr mit hohen Summen bezuschusst. Rund 136 Millionen Euro waren es 2016 für die städtischen Busse und Bahnen. Das geht aus dem Gesamtbericht hervor, den die Nahverkehrsgesellschaft Traffiq jährlich an die EU-Kommission schicken muss. Gegenüber 2015 ist der Zuschuss um rund 12 Millionen Euro gestiegen.

Größter Teil für die Schiene

Das meiste Geld verschlingen die neun U-Bahn und zehn Straßenbahnlinien. Der Aufwand lag bei rund 300 Millionen Euro. Davon waren 112 Millionen Euro nicht durch Tariferlöse oder andere Einnahmen gedeckt. Diese Summe belastet den städtischen Haushalt nicht direkt, sondern wird innerhalb der Stadtwerke-Holding aus den Gewinnen der Mainova finanziert. Hingegen sind die rund 24 Millionen Euro, mit denen die 64 Buslinien bezuschusst wurden, klassische Steuermittel. Der Gesamtaufwand der fünf mit dem Busverkehr beauftragten Unternehmen liegt bei rund 75 Millionen Euro.

Das Angebot wird immer stärker genutzt: Die Fahrgastzahlen in den Buslinien sind von 57 Millionen auf 60 Millionen im Jahr gestiegen, bei der U-Bahn von 126 Millionen auf 132 Millionen und bei der Tram von 60 Millionen auf 62 Millionen.

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