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Green-City-Kritik hat Brüssel erreicht

Drei Vertreter von Fraport-Kritikern reisten am Freitag nach Brüssel, um über die Lärmbelastung im Frankfurter Süden zu berichten. Auf die Stadt kommen bei der Bewerbung zum "Green Capital City Award" nun unangenehme Fragen zu.
Ursula Fechter, Foto: Martin Weis Bilder > Ursula Fechter, Foto: Martin Weis
Frankfurt/Brüssel. 

Zusammen mit den Ausbaugegnern Jochen Krauß und Klaus Rehnig war die Ex-OB-Kandidatin Fechter am Freitag nach Brüssel gereist, um den Jury-Vorsitzenden Karl Falkenberg davor zu warnen, der Stadt Frankfurt den begehrten Umwelt-Award zu verleihen, ohne die Belastung durch den Großflughafen zu berücksichtigen. "Es war ein sehr informatives und offenes Treffen. Herr Falkenberg sagte, dass man zwar vom Flughafenausbau wisse, der Jury das volle Ausmaß der Belastung aber nicht bewusst gewesen sei", berichtet der Niederräder Mediziner Jochen Krauß.

Veraltete Bewerbung

Die dreiköpfige Delegation fuhr wie berichtet auf Einladung des Jury-Präsidenten nach Brüssel, da die Stadt in ihren Bewerbungsunterlagen lediglich in Nebensätzen auf den Flughafen-Ausbau eingegangen war. Die drei Frankfurter berichten einhellig, sie seien mit dem Gefühl nach Hause gefahren, dass ihre Botschaft angekommen und auf fruchtbaren Boden gefallen sei: "In der Bewerbungs-Broschüre ist Ausbau lediglich in einigen Halbsätzen erwähnt. Da meinte auch Herr Falkenberg, es hätten wenigstens einige Belastungsprognosen erwähnt werden müssen", sagt Ursula Fechter. Auch sei der Jury-Vorsitzende als studierter Volkswirt der Ansicht, dass die durch den Ausbau verursachten Kosten für die Allgemeinheit im Bewerbungsverfahren zu berücksichtigen seien.

"Ich denke, die Stadt wird sich bei ihrem Bewerbungsgespräch Anfang Juni einige sehr unbequeme Fragen anhören müssen", mutmaßt Fechter. Auch "Stopp-Fluglärm"-Mitbegründer Klaus Rehnig zieht ein positives Fazit: "Bei dem Award geht es nicht darum, die Magistrats-Mitglieder auf schicke Reisen zu schicken, sondern darum, dass ein Sechstel der Frankfurter Bevölkerung inzwischen fluglärmgeplagt ist." Für die Jury sei es unabdingbar, das wahre Ausmaß der Umweltbelastung einer Stadt einschätzen zu können, um nicht durch die Würdigung einer nur auf dem Papier grünen Metropole die Glaubwürdigkeit des Umwelt-Preises zu gefährden.

Jury-Präsident Falkenberg habe zwar darauf hingewiesen, dass die Existenz eines Großflughafens kein K.o.-Kriterium für den Award sei. "Ihm war aber nicht bewusst, dass Frankfurts Flughafen so nah an die Wohnbebauung angrenzt und dieses Thema in den städtischen Bewerbungsunterlagen ziemlich negiert wird", sagt Rehnig. Falkenberg habe der Delegation versichert, dass er sich durch kritische Fragen ein eigenes Bild von der tatsächlichen Belastung machen wolle.

"Wenn 20 Kommunen aus dem Umland gegen die Nordwest-Bahn klagen, ist es nicht gut, wenn Frankfurt den Green City Award erhält", unterstreicht Jochen Krauß, weshalb er als "Frankfurter Bub" gegen die Preisverleihung sei, solange die Stadtverwaltung ihr zentrales Glaubwürdigkeits-Problem nicht gelöst habe. Auch habe Karl Falkenberg die Frankfurter OB-Wahl mit großem Interesse verfolgt und sehe die Niederlage von CDU-Kandidat Boris Rhein in Zusammenhang mit der aktuellen Fluglärmdebatte.

Viele Themen angerissen

Doch neben Fluglärm blieb den drei Frankfurtern noch genug Zeit, um auf weitere umweltpolitische Missstände hinzuweisen. So monierte Klaus Rehnig, dass Frankfurt noch immer eine Autometropole sei. "Die Stadt hat einen tollen PR-Prospekt aufgelegt, der die Realität aber leider nicht entsprechend abbildet", sagt er. Als Beispiele für die nicht zukunftsweisende Verkehrssituation nennt er die Staus auf Frankfurts Ausfallstraßen.

Wie das Bewerbungsverfahren letztlich ausgehe, müsse man abwarten: "Wir haben nicht erwartet, dass Frankfurt wegen uns aus dem Wettbewerb ausgeschlossen wird. Aber Herr Falkenberg wird von uns noch weitere detaillierte Informationen bekommen", sagt die langjährige Stadträtin Fechter. mov

(Mirco Overländer)
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