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Cremiges Eis: Grie Soß´ in der Waffel: Frankfurter Nationalgericht jetzt auch zum Schlecken

Von Der Frankfurter isst sie klassisch mit Kartoffeln und Ei: die Grie Soß’. Wer nach einer Abkühlung sucht, kann das Nationalgericht sogar schlecken – bei Mario Russo in Oberrad. Seit zwei Jahren verkauft er Grie Soß’ als Eiskugeln in der Waffel. Als Erster in der Stadt.
Meistens in der Waffel, ab und an auch im Becher wandert das Grüne-Soße-Eis über die Theke. Foto: Michael Faust Meistens in der Waffel, ab und an auch im Becher wandert das Grüne-Soße-Eis über die Theke.
Frankfurt. 

Langsam schiebt sich die zähflüssige, hellgrüne Masse aus der Öffnung der Eismaschine und fällt in den Metallbehälter, den Mario Russo darunter aufgestellt hat. Was darin landet, sieht auf den ersten Blick aus wie Pistazieneis. Damit gemein hat es aber rein gar nichts. Denn das Eis, das der 46-Jährige fast tagtäglich neu in seiner Eisdiele zubereitet, ist gefrorene Grie Soß’. Oder besser gesagt: Grüne-Soße-Eis. An guten Tagen, sagt Russo, verkaufe er um die sieben Liter, etwa 100 Kugeln. Manchmal mehr, manchmal weniger. Das sei alles wetterabhängig.

Mit dem ganz großen Pürierstab rückt Mario Russo dem Joghurt-Kräuter-Gemisch zu Leibe – damit auch alles zerkleinert wird. Bild-Zoom Foto: Michael Faust
Mit dem ganz großen Pürierstab rückt Mario Russo dem Joghurt-Kräuter-Gemisch zu Leibe – damit auch alles zerkleinert wird.

Seit 2007 ist der gebürtige Italiener Pächter des „Dolce Vita“ am Buchrainplatz. Im Gärtnerdorf, in Oberrad. „Bei uns werden die Kräuter für die Grüne Soße angebaut, da war es nahe liegend, dass wir sie auch verarbeiten“, erzählt Russo, der ohnehin sehr experimentierfreudig ist, was seine Sorten betrifft. Schokolade, Vanille oder Zitrone seien schon lange nicht mehr sehr gefragt. Zwischen Cookies-, Balsamico-Erdbeer- und Schlumpf-Eis sowie Holunderblüten-Sorbet verkauft er deswegen auch Grüne Soße zum Schlecken. „Und weil es einfach gut schmeckt. Das sage ich nicht, weil ich es selber gemacht habe, sondern weil ich es immer wieder gesagt bekomme und an den schwindenden Vorräten sehe“, sagt Mario Russo.

Mit dieser Kreation war der Eis-Experte in der Mainmetropole lange einzigartig. Zumindest kannte der 46-Jährige sonst keine Eisdiele in der Stadt, die es ihm gleich tut. „Viele Gäste haben immer wieder gesagt, dass das was ich hier tue wirklich einmalig ist“, erzählt er. Das ist in dieser Saison allerdings anders, seit wenigen Wochen verkauft auch das Eiscafé Christina im Nordend Grüne Soße in der Waffel.

Fertig gerührt kommt die  noch flüssige Masse in die Eismaschine. Bild-Zoom Foto: Michael Faust
Fertig gerührt kommt die noch flüssige Masse in die Eismaschine.

Zubereitet wird das Eis eigentlich wie die Soße. Das bedeutet zunächst: Kräuter hacken. Borretsch, Kerbel, Kresse, Petersilie, Pimpinelle, Sauerampfer und Schnittlauch werden zerkleinert und mit Joghurt gemischt. Dafür holt Russo den ganz großen Pürierstab aus der Ecke – damit die Masse schön cremig wird und auch jedes noch so kleine Blättchen verschwindet.

Die Mischung macht’s

Dann landet das Kräuter-Joghurt-Gemisch in der Eismaschine, lediglich zehn Minuten dauert der Kühlvorgang. Als die Maschine piepst, schiebt sich auch schon die erste Portion durch die Öffnung. Und Mario Russo steht mit seinem Metallbottich bereit. Die Kugeln, die bei ihm in dieser Saison als Grüne-Soße-Eis über die Theke gehen, haben mit den ersten Versuchen allerdings nicht mehr viel zu tun. Lediglich die Grundzutaten, die seien freilich die gleichen geblieben, sagt der Italiener. „Wir haben es nach und nach perfektioniert, vieles ausprobiert, mehr Zucker hineingetan, wieder welchen herausgenommen. Nur so konnte das Eis so gut werden, wie es jetzt ist“, berichtet er.

Zehn Minuten später ist aus der grünen Mischung ein cremiges Eis geworden. Bild-Zoom Foto: Michael Faust
Zehn Minuten später ist aus der grünen Mischung ein cremiges Eis geworden.

Gegessen wird die Grie Soß’ in der Waffel von Alt und Jung – vor allem Kinder fragen immer wieder nach dem Eis. Vielleicht liegt das auch daran, dass es gar nicht so stark nach Grüner Soße schmeckt. Vielmehr ist es ein süßes und vor allem kaltes Zusammenspiel von Joghurteis und Kräutern, das definitiv Lust auf mehr macht.

1,10 Euro kostet bei Mario Russo eine Kugel – etwas teurer als im vergangenen Sommer, aber wie der Pächter meint, immer noch angemessen. „Ich kann mit meinen Preisen nicht so hoch gehen. Wir sind hier in Oberrad und nicht in der Innenstadt oder Sachsenhausen. Dort kostet eine Kugel 20, manchmal sogar 30 Cent mehr. Das können wir uns hier nicht erlauben“, betont er.

Alleinstellungsmerkmal

Nicht selten sind die Gäste, die an warmen Sommertagen vor dem „Dolce Vita“ Schlange stehen, aus einem anderen Stadtteil. Das liege, davon ist Russo überzeugt, sicher auch am Grüne-Soße-Eis. In der heutigen Zeit brauche man als Eisdiele solche Alleinstellungsmerkmale, es reiche schon längst nicht mehr aus, die Standardsorten anzubieten.

Dass nun das Grüne-Soße-Eis sein Aushängeschild ist, damit kann Russo gut leben. Zumal es in seiner Heimat Italien auch eine Grüne Soße gebe: Salsa Verde. Daraus Eis zu machen, auf diese Idee sei jedoch noch keiner seiner Landsmänner gekommen. Weil es „vielleicht etwas abgedreht klingt und für Italiener ungewöhnlich ist“. Möglich sei es bestimmt, davon ist Russo überzeugt. Im Prinzip könne man alles erfrischend kalt in die Waffel packen. „Ob es dann schmeckt, ist die zweite Frage. Aber unser Eis, das schmeckt“, sagt Mario Russo und lacht.

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