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Protest geplant: Großcaterer hat die Ausschreibung für die Mensa-Belieferung der IGS Nordend gewonnen

Die Schulgemeinde der Integrierten Gesamtschule Nordend ist in Aufruhr: Der langjährige Caterer, mit dem man zufrieden ist, soll ab kommendem Schuljahr einem Großcaterer weichen. Doch noch geben Schulleitung und Eltern nicht auf.
Foto: Franziska Kraufmann (dpa)
Nordend. 

Alles hat Sandra Beimfohr mittlerweile in Frage gestellt. Hätte sie das teure Computerprogramm kaufen sollen, das automatisch Kohlenhydrate und Fette im Essen berechnet? Hätte sie sich mehr Hilfe holen sollen? Zweimal hat Beimfohr mit ihrer Firma Cantina Buen Barrio die Ausschreibung für die Belieferung der Mensa der Integrierten Gesamtschule (IGS) Nordend gewonnen. Jetzt, beim dritten Mal, war der Großcaterer Sodexo besser. Wegen des Preises. Aber vor allem wegen einigen Formfehlern, sagt Beimfohr. „Es ist zum Beispiel vorgeschrieben, dass viermal pro Monat ein Vollkornprodukt im Essen ist. Natürlich mache ich das. Aber als ich den Speiseplan geschrieben habe, ist mir ein Aufschrieb flutsch gegangen.“ Punktabzug. Ihre Kosten pro Mitarbeiter seien höher als bei Sodexo mit 12 300 Mitarbeitern, ihr Angebot damit teurer. Punktabzug. Ihre E-Mail-Adresse steht nicht auf dem Antrag, so sei das Beschwerdemanagement nicht gewährleistet. Punktabzug. „Dabei braucht man mir keine E-Mail schreiben, ich bin doch jeden Tag da“, sagt Beimfohr.

Existenz gefährdet

Und nicht nur das. Außer der Küche machen Beimfohr und ihre sechs Mitarbeiter auch sonst vieles mit: „Unser Caterer hat die Schulgemeinde in den vergangenen Jahren im positiven Sinn mitgestaltet, indem die Räume der Mensa immer zur Verfügung standen, Feste mitgeplant und organisiert wurden und Projekte der Schüler aktiv unterstützt wurden“, schreibt Schulleiter Uwe Gehrmann in einer Mitteilung. „Dafür kriege ich kein Geld, aber es macht mich glücklich“, sagt Beimfohr. Wenn sie den Auftrag nicht bekomme, müsse sie ihre Mitarbeiter wohl entlassen. Und auch für sie selbst sei das existenzgefährdend. Ein Frankfurter Anwalt habe sich gemeldet, der sie nun kostenlos unterstützen werde.

Sodexo-Sprecher George Wyrwoll sieht die Sache naturgemäß anders: „Hier wird versucht, Stimmung zu machen.“ Bereits die Ausschreibung sehe vor, dass in der Mensa frisch gekocht werden muss. Eine Belieferung mit reiner Tiefkühlkost, wie von manchen behauptet, sei also gar nicht möglich. „Wir kochen nach den Vorgaben der Deutschen Gesellschaft für Ernährung“, sagt Wyrwoll. Das bedeute: vorwiegend mit frischen, regionalen Produkten hoher Qualität. „Ich kann nicht ausschließen, dass irgendwo auch mal ein Tiefkühlstoff drin ist, aber das ist nicht unsere Linie.“ Darüberhinaus gehe Sodexo so weit wie möglich auf individuelle Wünsche ein.

Und bisher habe das auch zu einer „großen Zufriedenheit“ bei den Schülern geführt, sagt Wyrwoll. Sodexo beliefert zum Beispiel die Dahlmanschule, die Albert-Schweitzer-Schule und die Internationale Schule. Sollten die sechs Mitarbeiter von Cantina Buen Barrio tatsächlich entlassen werden, werde ihnen Sodexo ein Weiterbeschäftigungsangebot machen. Der Unternehmenssprecher bittet die Eltern der IGS Nordend deshalb um einen Vertrauensvorschuss. „Man kann nicht sagen, dass etwas schlecht ist, wenn man es noch gar nicht probiert hat.“

Eltern planen Boykott

Schulleitung, Eltern und Schüler lehnen das aber, unterstützt vom Ortsbeirat 3 (Nordend), zunächst einmal ab. „Sollte es zu einer Vertragsunterzeichnung mit Sodexo kommen, werden wir unsere Kinder nicht zum Essen anmelden und selbst eine Versorgung organisieren“, schreibt Stephanie Dietmann, Vorsitzende des Schulelternbeirats, in einer Mitteilung. Zudem wollen Schulleitung, Eltern und Schüler heute Mittag gemeinsam vor dem Bildungsdezernat demonstrieren und eine Unterschriftenliste übergeben. Eltern und Schüler seien „entsetzt und wütend“ über diese „Zerstörung einer objektiv wahrnehmbaren schulischen Kultur“, schreibt Dietmann.

Sie alle hoffen nun darauf, dass Sandra Beimfohr die Möglichkeit bekommt, ihr Angebot nachzubessern – und dann doch noch gewinnt. Oder zumindest Sodexo verzichtet. „Das ist aber illusorisch, denn damit würden wir ja unserem Glauben, eine gute Leistung zu erbringen, widersprechen“, entgegnet Wyrwoll. „Denn wir sind nach wie vor sicher, die Kinder an der IGS Nordend bestens verpflegen zu können.“

Die Protestaktion

Die Demonstration der Eltern und Schüler der IGS Nordend vor dem Bildungsdezernat, Hasengasse 4, beginnt heute um 11.15 Uhr und endet gegen 12 Uhr.

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