E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Frankfurt am Main 24°C

Nachtflugverbot: Grüne: SPD wirft ihre Prinzipien über Bord

Von Die SPD im Römer kann sich vorstellen, das Nachtflugverbot während der EM 2024 auszusetzen – sollte aber nicht zu einem Präzedenzfall werden. Die Grünen halten von dieser Idee nichts.
Symbolbild Symbolbild
Frankfurt. 

Seit Monaten wird rund um den Frankfurter Süden über die vermehrten Starts und Landungen am Flughafen nach 23 Uhr diskutiert. Und genau in diese Diskussion platzte nun die Nachricht, dass Sport- und Wirtschaftsdezernent Markus Frank (CDU) beim hessischen Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) nachgefragt hat, ob man während der Fußball-EM 2024 das Nachtflugverbot aussetzen könnte. Einen Freibrief will der Minister nicht erteilen, zeigt sich aber kooperationsbereit. Einzelfälle „im öffentlichen Interesse“ könne man prüfen.

Strikt dagegen

Eine Diskussion hat das nun dennoch entfacht. Die Fluglärmgeplagten Anwohner im Frankfurter Süden sind entsetzt. Die Fluglärmschutzbeauftragte Ursula Fechter, die über die SPD-Liste Stadträtin wurde und die ständige Vertreterin des Oberbürgermeisters in der Stabsstelle Fluglärmschutz ist, lehnt eine zeitweise Aufhebung des Nachtflugverbots strikt ab. Sie fürchtet einen Präzedenzfall.

Ein Airbus ist vor der Skyline im Landeanflug auf den Frankfurter Flughafen. Foto: Arne Dedert/dpa
Flughafen Fluglärm in Frankfurt: Wann es wo wie laut ist

Kaum ist der Frühling da und wir sitzen in der Mittagspause draußen, ist es nicht mehr zu überhören: Am Frankfurter Himmel tummeln sich ganz schön viele Flugzeuge. Aber weshalb sind sie an manchen Tagen lauter als an anderen? Und in welchem Stadtteil leiden die Frankfurter besonders unter dem Fluglärm? Ein kleines Erklärstück.

clearing

Und was sagt die SPD im Römer? Sie sieht die Angelegenheit mit gemischten Gefühlen. „Natürlich liegt es nah, dass bei einer EM in Frankfurt darüber nachgedacht wird, auch beim Flugverkehr besondere Regelungen zu treffen“, sagt Jan Klingelhöfer, der sportpolitische Sprecher der SPD-Fraktion. „Solange hier kein Präzedenzfall entsteht und klar ist, dass diese Ausnahme nicht zur Regel werden darf, sind wir gesprächsbereit. Natürlich muss vorher auch der Dialog mit den betroffenen Bürgerinnen und Bürgern gesucht werden.“ Die beiden Stabsstellen Fluglärm und EM-Bewerbung sollten gemeinsam Vorschläge für „eine bürgerfreundliche Lösung“ machen. Was er sich darunter vorstellt, lässt er allerdings offen.

Die betroffenen Anwohner Klaus Rehnig und Christopher Koch von der Bürgerinitiative „Stop Fluglärm“ hätten da schon eine Idee: „Wenn man das höchstrichterlich bestätigte Nachtflugverbot schon für ein Fußballturnier aushebelt, dann könnte man es doch auch mal zu unseren Gunsten ausweiten und uns etwa an Weihnachten bis morgens um sieben statt fünf Uhr schlafen lassen“, sagt Koch. Und Rehnig fügt hinzu: „Wir wären viel großzügiger, wenn Fraport im Gegenzug auch mal großzügig ist und uns entgegenkommt.“

Keine Notwendigkeit

Die Grünen im Ortsbeirat 5 (Niederrad, Oberrad, Sachsenhausen) hingegen wundern sich darüber, dass die SPD-Fraktion erwägt, eine Pause des Nachtflugverbots während des Sportereignisses einzulegen. Sie werfen den Sozialdemokraten vor, ihre Beschlüsse über Bord zu werfen, wenn es „politisch opportun“ erscheint.

Über den Dächern setzt ein Flugzeug seinen Landeanflug fort. Foto: Boris Roessler/Archiv
Flughafen Frankfurt und Fraport AG Wer alles Anspruch auf eine Fluglärm-Entschädigung hat

Viele Menschen in der Rhein-Main-Region leiden unter dem Fluglärm des Frankfurter Flughafens. Sie können sich zumindest ein wenig trösten: Wir haben zusammengetragen, wer was als Entschädigung für den Fluglärm fordern kann.

clearing

„Jan Klingelhöfer will sich wohl bei der augenblicklichen Fußballbegeisterung bei den Fans lieb Kind machen“, sagt Reinhard Klapproth, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Ortsbeirat 5. Für die Aufhebung des Nachtflugverbots bestehe indes keine Notwendigkeit. Fans und Mannschaften könnten bequem mit Nachtzügen von anderen Flughäfen herangefahren werden. „Klingelhöfer macht sich nicht die Umstände, die Interessen der Anwohner mit den Interessen der Fußballfans abzuwägen“, erklärt Klapproth und fügt an: „Wenn ein Fußballfan wichtiger wäre, dann auch jeder andere Fluggast. Das wäre dann das Ende des Nachtflugverbots.“

Zur Startseite Mehr aus Frankfurt

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutz Über unsere WerbungRSS

© 2018 Frankfurter Neue Presse

Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen