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Leiterin des Stadttaubenprojekts: Gudrun Stürmer fordert größere Unterstützung von der Kommune

Seit mittlerweile 30 Jahren kümmert sich das Stadttaubenprojekt um verletzte Tauben und andere Vögel in Frankfurt. Der Verein betreibt zudem drei Taubenhäuser in der Stadt, mit deren Hilfe er die Taubenpopulation erfolgreich reduziert. Weil die Finanzen immer knapper werden, sorgt sich das Stadttaubenprojekt nun um seine Zukunft. Reporter Ben Kilb traf Leiterin Gudrun Stürmer zum Gespräch.
Das Stadttaubenprojekt kümmert sich seit 30 Jahren um die Vögel in Frankfurt. Leiterin Gudrun Stürmer kämpft auch mit dem schlechten Ruf der Tiere. Das Stadttaubenprojekt kümmert sich seit 30 Jahren um die Vögel in Frankfurt. Leiterin Gudrun Stürmer kämpft auch mit dem schlechten Ruf der Tiere.
Oberrad. 

Frau Stürmer, das Stadttaubenprojekt hat finanzielle Probleme und sorgt sich um seine Zukunft. Was ist los?

GUDRUN STÜRMER: Unsere Taubenhäuser sind gut versorgt, aber der Gnadenhof hier in Oberrad ist eine defizitäre Einrichtung. Die Zahl der verletzten Tauben, die von Bürgern gebracht und hier gesund gepflegt werden, erhöht sich jährlich. Allein in diesem Jahr wurden uns bereits rund 3000 Tauben gebracht, seit 2010 waren es 11 000. Wir haben Tierarzt- und Futterkosten. In Wiesbaden werden die Tierarztkosten für die Stadttauben sogar von der Stadt übernommen. Uns hilft, dass manche Menschen, die Tauben bringen, auch deren Tierarztkosten tragen. Der größte Faktor aber sind die Personalkosten.

Ehrenamtlich lässt sich das Stadttaubenprojekt schließlich nicht führen.

STÜRMER: Ganz richtig, es braucht eine gewisse Zuverlässigkeit bei unserer Arbeit. Hier ist jeden Tag jemand am Ort, andere fahren raus und holen Tauben. Wir erhalten zwar auch Spenden, aber darauf kann man sich eben nicht verlassen. Wir bräuchten regelmäßige Zuschüsse. Immerhin übernehmen wir kommunale Aufgaben.

Wie viel Geld bräuchte das Stadttaubenprojekt, um besser über die Runden zu kommen?

STÜRMER: 2000 Euro mehr im Monat würden uns schon helfen.

Wie hoch sind die Zuschüsse, die das Stadttaubenprojekt aktuell von der Stadt erhält?

STÜRMER: 20 000 Euro im Jahr, für den Gnadenhof und die Taubenhäuser. Für beides zusammen ist die Summe jedoch zu gering.

Was würden Bürger tun, könnten sie die Tauben nicht mehr hierher bringen?

STÜRMER: Tierärzte, Ämter und Institutionen geben unsere Nummer weiter, wenn Bürger verletzte Tauben finden. Das soll auch so sein, führt aber auch zu einer höheren Zahl an Tauben, um die wir uns kümmern müssen. Ohne uns würden sich die Menschen wohl ans Ordnungsamt, ans Umweltamt oder das Veterinäramt wenden, vielleicht an Feuerwehr und Polizei.

Die fahren aber sicher nicht durch die Stadt und sammeln verletzte Tauben ein . . .

STÜRMER: Wahrscheinlich nicht, wobei man aber auch sagen muss, dass es nicht die vorrangige Aufgabe von Feuerwehr und Polizei ist, Tauben zu retten. Firmen würden wohl damit beauftragt, sich um die gefundenen Tauben zu kümmern.

Sie meinen Schädlingsbekämpfer?

STÜRMER: Wer soll sonst in Frage kommen? Caritative Einrichtungen wie uns gibt es sonst nicht. Auch ein Tierschutzverein verfügt nicht über die Kapazitäten dafür.

In der Folge würden wohl auch viele verletzte Tauben liegen bleiben . . .

STÜRMER: Ich denke schon. Uns rufen viele Geschäftsinhaber aus der Innenstadt an, wo verletzte Tauben gefunden werden. Sie würden ohne uns wohl liegen bleiben.

Gehen wir davon aus, dass es das Stadttaubenprojekt nicht mehr gibt, aber auch, dass die Stadt die Taubenhäuser aufgibt. Was würde sich rund um die Orte ändern, an denen jetzt die Taubenhäuser stehen?

STÜRMER: Nehmen wir zum Beispiel die Hauptwache. Tauben würden sich wieder viel stärker in der B-Ebene breitmachen und auch vor der Freiluftgastronomie rund um die Hauptwache. Viel mehr Tauben würden bettelnd durch die Fußgängerzone streifen. Zudem würden viel mehr Tauben auf Dächern rumsitzen.

Und am Westbahnhof?

STÜRMER: Es fänden sich weit mehr Tauben in der Bahnhofshalle und auf den Bahnsteigen. Sie würden in viel größeren Zahlen vor den Imbissbuden betteln.

Aber nicht nur am Westbahnhof, richtig?

STÜRMER: Genau, auch am Kurfürstenplatz oder in der Adalbertstraße oder andernorts in der Nähe, schließlich zieht das Taubenhaus am Westbahnhof die Tiere an.

Dennoch stellt der Frankfurter Magistrat den Erfolg von Taubenhäusern in einer Stellungnahme vom September in Frage. Er verweist dabei auf den Westbahnhof.

STÜRMER: Die Masterarbeit zum Thema Stadttauben der Biologin und Fachreferentin für Stadttauben, Alexandra Weyrather, aus dem Jahr 2014 hat das Gegenteil bewiesen. Frau Weyrather schrieb, dass der Schlag am Westbahnhof beispielhaft sei. Ein professionell betreuter Taubenschlag stelle ein geeignetes Mittel zur Taubenregulation dar.

Das Stadttaubenprojekt betreibt den Schlag seit dem Jahr 2006.

STÜRMER: Vor der Errichtung wurden dort 716 Tauben gezählt, im Jahr 2013 nur noch 483 Tauben.

Sie und ihre Mitstreiter tauschen die dort von den Tauben gelegten Eier aus und ersetzen sie mit Gipseiern, die ebenso viel wiegen wie die echten Eier, weshalb die Tauben den Unterschied nicht merken. Hat der Schlag noch andere Vorteile?

STÜRMER: Dort fallen auch bis zu 80 Prozent des Taubenkots an, der von uns an Ort und Stelle entsorgt wird und somit nicht auf der Straße landet.

Allerdings ist der Schlag am Westbahnhof auch stark überbelegt . . .

STÜRMER: Das liegt daran, dass Tauben in der Stadt kaum Futter finden. Tauben aus der Umgebung sind gezwungen, den Schlag als Futterquelle aufzusuchen, was besonders zu den Fütterungszeiten zu einem erhöhten Aufkommen von einzelnen Tauben führt, aber auch die Präsens von kleinen Taubengruppen aus angrenzenden Stadtteilen zur Folge hat.

Dies spricht wiederum dafür, mehr Taubenhäuser in ganz Frankfurt aufzustellen. Warum tut sich die Stadt so schwer damit?

STÜRMER: Der Mensch hat sich darauf eingestellt, dass Tauben bekämpft werden müssen, dazu passen keine Taubenhäuser. Manch einem kommen sie vielleicht auch lächerlich vor. Einigen, die bei uns anrufen, weil sie eine Taube abzugeben haben, ist das Anliegen peinlich. Die Leute haben Angst zu sagen, „mir tut die Taube leid“.

Wohl auch deshalb, weil Tauben immer wieder als Krankheiten verbreitende Tiere verunglimpft werden .. .

STÜRMER: Auch das. Obwohl längst bewiesen ist, dass Tauben nicht mehr Krankheitserreger mit sich herumtragen als Hunde oder Katzen. Ich kümmere mich nun seit 30 Jahren um Tauben. Ich bin nie krank geworden, auch nicht meine Helfer. Die Tiere werden als apokalyptische Reiter gesehen, die sie nicht sind.

Profitieren letztlich nur Schädlingsbekämpfer?

STÜRMER: Davon ist auszugehen. Und die vertreiben neben wenig effektiven Spikes, Taubennetzen oder -käfigen immer krassere Schädlingsbekämpfungsmittel, wie eine Paste, die man auf Mauervorsprünge schmieren kann. Vögel bleiben daran kleben, reißen sich Beine und Federn aus. Ich kann nicht verstehen, wie jemand so etwas benutzen kann.

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