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Gute Argumente gegen Fraport

Von Bei der Vollversammlung der Sachsenhäuser Bürgerinitiative gegen Fluglärm wurde die Fraport gezielter Fehlinformation bezichtigt. Wir haben beim Flughafenbetreiber nachgefragt.
Es liegt was in der Luft: Tonnenschwer und unüberhörbar brausen die Jets über den Frankfurter Süden. Es liegt was in der Luft: Tonnenschwer und unüberhörbar brausen die Jets über den Frankfurter Süden.
Sachsenhausen. 

Wenn es Nacht wird, sieht man sie von der Sachsenhäuser Bergkirche aus besonders gut: Je drei Jets bewegen sich in zwei parallel verlaufenden Bahnen auf den Frankfurter Flughafen zu. Wie glitzernde Perlen an einer unsichtbaren Schnur ziehen die anrauschenden Flugzeuge vorbei am nächtlichen Firmament. Ein beeindruckender Anblick, der sich auch zahlreiche Teilnehmern der Vollversammlung der Sachsenhäuser Bürgerinitiative gegen Fluglärm (kurz BIS) jüngst bot.

Die Kirchenbänke im Gotteshaus im Sachsenhäuser Landwehrweg füllten sich entsprechend rasch: Gut 250 Fluglärmgeplagte waren erschienen, um zu hören, was die von BIS-Sprecherin Ursula Fechter geladenen Podiumsgäste an Argumenten für die sofortige Stilllegung der im Oktober von Bundeskanzlerin Angela Merkel eingeweihten Landebahn vorzubringen hatten: Nachdem die BIS-Sprecherin bekanntgab, dass sie als FAG-Kandidatin bei der Wahl zum Oberbürgermeister antrete, übergab sie das Wort dem ehemaligen Flughafen-Planer Dieter Faulenbach da Costa. Dieser wechselte vor einigen Jahren das Lager, berät seitdem unter anderem die Stadt Offenbach. Er schwor die Sachsenhäuser in der Bergkirche darauf ein, dass ihr Kampf gegen die scheinbar übermächtige Fraport zumindest argumentativ gut unterfüttert ist.

Beim Anflug bleibt‘s laut

Zu Beginn seines mehrstündigen Referats wies Faulenbach da Costa darauf hin, dass die von der Politik vorgeschlagenen Schallschutzmaßnahmen nicht geeignet seien, um den Lärm im Frankfurter Süden zu reduzieren. Die geprüfte Anhebung des Anflugwinkels auf 3,2 Grad würde allenfalls zu einem Höhengewinn von 40 Metern führen. "Das ist zwar ein kleiner optischer Unterschied, akustisch ist das aber überhaupt nicht relevant", sagt Faulenbach da Costa. Fraport-Sprecher Mike Peter Schweitzer bestätigt diese Feststellung auf Nachfrage dieser Zeitung. Er dementiert allerdings, dass ein Anflugwinkel von 3,5 Grad realisierbar sei: "Je steiler der Anflugwinkel und je schwerer die Maschine, umso kritischer wird es mit dem Auftrieb", argumentiert der Fraport-Sprecher, weshalb ein schnellerer Höhengewinn nicht realisierbar sei.

Zudem wies Faulenbach da Costa darauf hin, dass auch der in Aussicht gestellte modifizierte Sinkflug (auch CDA-Anflugverfahren genannt) keinen lärmmindernden Effekt für den Frankfurter Süden haben werde: Die Piloten seien spätestens 20 Kilometer vor der Landung gezwungen, 60 Prozent Schub zu geben. Der kontrollierte Sinkflug ende daher im betroffenen Gebiet. Auch hier gesteht Schweitzer ein, dass die Einlassung des Fraport-Kontrahenten "soweit richtig" ist.

Anders sei es um zwei von Faulenbach da Costa zitierte Fraport-Gutachten bestellt: So seien von Flugzeugen stammende Schadstoffe bei einer Überflughöhe zwischen 600 und 800 Metern direkt am darunter liegenden Boden angeblich nachzuweisen: "Diese Schadstoffe sind selektiv nicht messbar, sondern lediglich über Modellrechnungen. Jedoch in so geringer Menge, dass sie sich in der Praxis nicht nachweisen lassen", so Schweitzer, der auf die Komplexität der Materie verweist.

Plumpe Ausflüchte

Ein weiteres Gutachten, nachdem bei einem externen Dauerschallpegel ab 55 Dezibel die "Versagerquote" bei Schülern auf 15 Prozent ansteige, habe es so nie gegeben. "Es gab Lärmberechnungen, bei denen auch Wohnräume und Schulen im Fokus standen. Das waren aber eher theoretische Modellrechnungen", so der Fraport-Sprecher. Diese Einlassungen der Fraport werten Faulenbach da Costa und seine Mitstreiter als plumpe Ausflüchte: "Größer kann man eine Region nicht betrügen", wettert der Experte. Für ihn steht weiterhin fest, dass alle bisher vorgeschlagenen Maßnahmen zur Lärmminderung für den Frankfurter Süden ohne Relevanz sind. Das einzige Mittel gegen den Lärmterror aus der Luft sei die Stilllegung der neuen Landebahn. Das habe inzwischen auch mancher Politiker begriffen.

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