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Cargo City Süd: Haftstrafe oder Bewährung?

Von Im Korruptionsprozess um die Cargo City Süd soll heute das Urteil verkündet werden. Zu den Angeklagten, die auf eine Bewährungsstrafe hoffen, zählen auch die prominenten Projektentwickler Jürgen Harder und Ardi Goldman. Die Hauptverhandlung, die fast zehn Monate dauerte, eröffnete tiefe Einblicke in das Wesen der Korruption – und war reich an Überraschungen.
<span></span> Bilder > Foto: Bernd Kammerer (Presse- und Wirtschaftsdienst)
Frankfurt. 

Die Projektentwickler Jürgen Harder und Ardi Goldman sind die prominenten Angeklagten im Korruptionsprozess um die Cargo City Süd. Ihr Auftreten in der Hauptverhandlung, die heute nach knapp zehn Monaten mit dem Urteil enden soll, hätte aber kaum unterschiedlicher sein können. Jürgen Harder (56), der als Lebensgefährte der Ex-Schwimmweltmeisterin Franziska van Almsick zu bundesweiter Bekanntheit gelangte, übte sich in vornehmer Zurückhaltung. Der millionenschwere Geschäftsmann erschien stets im Anzug mit Krawatte. Wenn er gefragt wurde, antwortete er knapp und in einem ruhigen, beinahe demütigen Tonfall. („Jawohl, Herr Richter!“) Ansonsten folgte er dem Geschehen im Gerichtssaal mit unbewegter Miene und gab sich alle Mühe, die Aufmerksamkeit, die ihm die Medien ohnehin zuteil werden ließen, nicht auch noch zu vergrößern.

<span></span> Bild-Zoom Foto: Bernd Kammerer (Presse- und Wirtschaftsdienst)

Der offensichtliche Wunsch Harders, den Korruptionsprozess ohne Aufsehen hinter sich zu bringen, war schon vor dem Auftakt deutlich geworden: Auf Initiative seiner Verteidigung ordnete das Frankfurter Landgericht an, dass Harder und die anderen Angeklagten auf Foto- und Filmaufnahmen aus dem Gerichtssaal verpixelt werden müssen. Um Kamerajournalisten außerhalb des Saals zu entgehen, betrat Harder diesen in der Regel durch eine Hintertür. Das vorsichtige Verhalten des Angeklagten spiegelte sich auch in dessen Verteidigung wider: Harders Anwälte meldeten sich nach der geständigen Einlassung ihres Mandanten nur zu Wort, wenn es unbedingt sein musste, zogen dann aber sämtliche Register. Alles wirkte 100-prozentig kontrolliert. Dass Harder nach den geschliffenen Plädoyers die Gelegenheit zu einem letzten Wort nicht nutzte, rundete das Bild ab.

Empörte Zwischenrufe

Ardi Goldman (53) trat im Prozess von Anfang an extrovertiert auf: Als einziger der Angeklagten gestattete er den Medien, unverpixelte Aufnahmen seiner Person im Gerichtssaal zu zeigen. Er sei ja „kein Krimineller“, betonte der Frankfurter Investor am ersten Verhandlungstag. In seiner späteren Einlassung wies er alle Anklagevorwürfe zurück, die die Staatsanwaltschaft gegen ihn erhoben hatte. Mit schrillen Hüten und Klamotten schon äußerlich ein Gegenbild zu Harder, lenkte Goldman die allgemeine Aufmerksamkeit auch durch empörte Zwischenrufe und Stellungnahmen vor Gericht immer wieder auf seine Person. Der Vorsitzende Richter mahnte Goldman mehrfach zur Ruhe.

<span></span> Bild-Zoom Foto: Bernd Kammerer (Presse- und Wirtschaftsdienst)

Der Investor stellte sich als Opfer tendenziös geführter Ermittlungen und vorverurteilender Medienberichte dar, außerdem betonte er seine großen Verdienste um Frankfurt. Aus seiner Feindschaft zum ebenfalls angeklagten Makler Uwe S., der ihn zu Beginn des Prozesses belastet hatte, machte Goldman irgendwann keinen Hehl mehr. Außergerichtliche „Angriffe“ Goldmans auf Uwe S. wie eine Spuckattacke, die ihr Ziel verfehlte, und eine E-Mail mit dem Satz „Fahr zur Hölle, du Denunziant“ fanden schnell ihren Weg in den Boulevard. Ein Verteidiger Goldmans betonte diesbezüglich, dass sein Mandant „ein emotionaler Mensch“ sei und die Zwischenfälle nichts mit der Schuldfrage zu tun hätten. Der Angeklagte selbst räumte in seinen „letzten Worten“ ein, dass sein Verhalten „nicht immer ganz fehlerfrei“ gewesen sei.

Die Staatsanwaltschaft hat für Harder eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren auf Bewährung und, als Auflage, eine Zahlung von sechs Millionen Euro gefordert. Im Hinblick auf Goldman plädierte sie für eine Haftstrafe von drei Jahren. Prozessbeobachter gehen davon aus, dass beide Investoren mit einer Bewährungsstrafe zufrieden wären. Goldmans Verteidigung hat zwar für einen Freispruch ihres Mandanten plädiert, mit einem solchen rechnet aber niemand.

Gut 1,8 Millionen Euro

Die Vorwürfe gegen Harder und Goldman gleichen sich: Die Projektentwickler sollen jeweils einverstanden gewesen sein, dass ein Teil ihrer Provisionen an den Makler Uwe S. als Schmiergeld an den Fraport-Mitarbeiter Volker A. weitergeleitet wird. Der sollte sich als Gegenleistung für die bevorzugte Vergabe je eines Grundstücks an Harders Projektgesellschaft Harder Lambda und Goldmans Gesellschaft Cargoport einsetzen. Im Falle Harders, der zusammen mit seinem ebenfalls angeklagten Geschäftspartner Kai B. (48) agierte, floss das Schmiergeld nicht. Im Fall der Cargoport sollen nach der Vereinbarung über einen Betrag von mehr als 1,8 Millionen Euro gut 510 000 Euro geflossen sein.

Nach mehr oder weniger umfassenden Geständnissen der drei Investoren drehten sich weite Strecken der Hauptverhandlung um die Frage, ob Goldman von der Unrechtsvereinbarung wusste oder nicht. Bestimmte Mails an den Investor, die dafür sprechen, wurden im Prozess so häufig zitiert, dass die Beobachter die relevanten Sätze wohl im Chor hätten mitsprechen können. Goldman gab mehrfach an, belastende Schreiben nicht zu kennen und ließ als Zeugin dafür seine Sekretärin laden. Die Meinungen darüber, ob das Goldman eher nutzte oder schadete, gehen auseinander. Wie so vieles in diesem Verfahren blieb jedenfalls auch die Sache mit den Mails trotz aller Aufklärungsversuche rätselhaft.

Der tragischste Vorfall im Verhandlungszeitraum war der Unfalltod von Volker A. (52). Der Angeklagte, dessen Einfluss bei der Fraport von den Verteidigungen je nach Bedarf herauf- oder heruntergespielt wurde, starb im September auf der A 7. Während Volker A. bekundet hatte, die Schmiergelder seien ihm ohne Aufforderung angeboten worden, betonten die Verteidiger des Maklers Uwe S., dass A. die treibende Kraft gewesen sei und sich ihres Mandanten nur als „Durchlauferhitzer“ bedient habe.

36. Prozesstag

Wie die Strafkammer die Sache einschätzt, wird sich heute, am 36. Prozesstag, zeigen. Die Staatsanwaltschaft hält mit Blick auf Uwe S. eine Haftstrafe von drei Jahren und vier Monaten für angemessen. Die Verteidigung hat für den Makler eine Bewährungsstrafe beantragt.

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